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Villa Berg

Zweite Chance für Häussler

Jürgen Brand und Jörg Nauke, veröffentlicht am 09.02.2010
Ein Stuttgarter Kleinod mit ungewisser Zukunft: die Villa Berg. Foto: Steinert

Stuttgart - Am Montagnachmittag hat sich der Investor Rudi Häussler mit einer Abordnung der Grünen-Ratsfraktion getroffen, um sie doch noch von seinen Wohnungsbauplänen im Park der Villa Berg zu überzeugen. Nachdem sich die SPD sowie SÖS/Linke gegen den Bau von 62 Luxusappartements ausgesprochen haben, jedoch CDU, FDP und Freie Wähler die Häussler-Pläne ebenso wie OB Wolfgang Schuster (CDU) begrüßen, sind die Grünen das Zünglein an der Waage. Bliebe die stärkste Fraktion bei ihrer im Juli 2009 formulierten Ablehnung, verbunden mit der Prüfung alternativer Standorte am Parkrand, eröffnete sich der Stadt folglich die theoretische Chance, die SWR-Fernsehstudios abzureißen, die Fläche zu entsiegeln und "einen zusammenhängenden Grünraum zu schaffen", wie die SPD meint.


Theoretisch deshalb, weil die Voraussetzung dafür wäre, dass die Kommune Häussler die Immobilie abkaufen kann, für die er dem SWR 5,8 Millionen Euro bezahlt hat. In Anbetracht der aktuellen Haushaltslage wäre dies mittelfristig aber ebenso unmöglich wie eine zweite unbezahlbare Aktion, nämlich die auf zehn bis 15 Millionen Euro geschätzte Sanierung der Villa Berg; dazu wäre Häussler bereit. Er würde dort ein Restaurant samt Tagungszentrum und Außengastronomie eröffnen. Diese Zwickmühle ist der Hauptgrund, warum Grünenchef Werner Wölfle ankündigte, mit der Fraktion neu nachdenken zu wollen.

Häussler lehnte am Montag nach dem Treffen mit den Grünen eine Stellungnahme ab: Zu dieser Geschichte sage ich gar nichts mehr", meinte der Investor. Werner Wölfle erklärte, er werde seiner Fraktion nun vorschlagen, einen Antrag zu stellen, mit dem eine öffentliche Debatte im Technischen Ausschuss des Gemeinderats über die Vor- und Nachteile der Häussler-Pläne sowie über Alternativen erreicht werden soll.

Gegner sehen die Parkgestaltung gefährdet


Man habe Häussler am Montag klargemacht, dass seine Fraktion die Luxuswohnanlage, wie sie derzeit konzipiert sei, nicht gutheiße, so Wölfle. Im Park sollen 62 Wohneinheiten entstehen, den Bewohnern soll ein umfangreiches Dienstleistungsangebot zur Verfügung stehen. Würde das Baurecht doch zugunsten des Investors geändert, müsste Häussler zuerst einem Konzept zustimmen, das dauerhaft die Öffnung und die Pflege des Parks sichere. Ein neuer Plan könnte den Kauf und den Abriss des vom SWR genutzten Gutbrod-Gebäudes im Park beinhalten. Häussler hat das Vorkaufsrecht - jedoch steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Eine städtebauliche Diskussion über die Häussler-Pläne fand bisher nicht statt. Im Mai 2009 wurde im Technikausschuss lediglich der Ausschreibungstext für das Gutachterverfahren vorgestellt. Über alternative Standorte, beispielsweise an der Stelle des Betriebshofes des Gartenbauamts, wurden die Stadträte nicht informiert. Ein Antrag der Grünen, das Gutachterverfahren zu verschieben, bis der Gemeinderat eine Entscheidung getroffen hat, stieß im Ausschuss nicht auf Gegenliebe.

Im Juli empfahl der auch mit Architekten besetzte Städtebauausschuss, die Bebauung nicht zu genehmigen. Die Planung vertrage sich nicht mit der Parkgestaltung. Auch der Bezirksbeirat Ost plädierte einstimmig gegen das Projekt. Daraufhin stellten die Grünen den Antrag, die Planungen einzustellen und Alternativen zu prüfen.

Häussler kritisiert Bezirksvorsteher


Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Bezirksvorstehers Martin Körner (SPD) war, Häussler aufzufordern, seine Pläne zu beerdigen. Der Investor empfand Körners Äußerungen "unsachlich" und "stellenweise polemisch". Er wies in einem Schreiben an den SPD-Bezirksbeiratssprecher Jörg Trüdinger, der ihn zu einer Podiumsdiskussion im März einladen wollte, darauf hin, dass es mit der Villa und dem Park "immer weit bergab geht und das ganze Stadtquartier unter den zunehmend schlimmen Verhältnissen dort zu leiden beginnt". Neuerdings gebe es "schlimmen Vandalismus an der wertvollen Villa Berg". Die SPD hat dennoch am Freitag erklärt, Häusslers Wohnhäuser würden "die falsche Nutzung des Parks auf unabsehbare Zeit zementieren". Langfristiges Ziel müsse es ein, den Park in den ursprünglichen Zustand zurück zu versetzen.

Zur Geschichte: Nach dem Krieg hatte sich der Süddeutsche Rundfunk (SDR) in einem Tauschgeschäft mit der Stadt die Fläche für die Fernsehstudios im Park gesichert. Der SDR gab dafür die Karlshöhe ab. Derzeit entsteht ein neues Studiogebäude neben dem Funkhaus. Der mehr als 100 Millionen Euro teure Bau wurde unter anderem mit dem Verkauf der alten Gemäuer im Park finanziert. Nachdem zwei Investoren vom Sender ausgebootet worden waren, trat Häussler auf den Plan. Er kaufte dem SWR Studios und Villa für 6,3 Millionen Euro ab. Bis 2011 zahlt der SWR noch Miete, die Villa steht nach wie vor leer.


Kommentare (12)
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volker s.,
04.03.2010
20 millionen
Na ja, vielleicht sind ihm 20 Millionen für ein von "Heimatliebe und Kulturgeist" geprägtes Geschenk einfach zu viel?
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