Crank
Zum Luftholen bleibt keine Zeit
Bernd Haasis, veröffentlicht am 21.09.2006
Filmbeschreibung
Mark Neveldine und Brian Taylor hatten bereits einen Namen als innovative Werbefilmer, als sie mit ihrem Drehbuch zu "Crank" Geldgeber fanden, und das sieht man: Die beiden haben einen irrwitzig rasanten Action-Film gedreht mit eigenem Look und ungewöhnlichen Blickwinkeln.
Die Story ist so simpel wie tragfähig. Der Berufskiller Chev Chelios fällt in Ungnade und bekommt ein Gift gespritzt, das ihn schleichend umbringt. Er kann die Wirkung verzögern, indem er in Bewegung bleibt - möglichst permanent. Also stopft er sich mit Aufputschmitteln voll und geht los, Rache zu nehmen, solange er noch kann.
Die Bildsprache folgt konsequent dem Befinden der Hauptfigur, die atemlos durch Los Angeles jagt, die Unterwelt durchpflügt und eine irrsinnige Aktion nach der andern durchzieht - bis hin zur öffentlichen Kopulation, um den Adrenalinspiegel wieder anzukurbeln. Ungeheuer dynamisch und mit manischem Blick verkörpert Jason Statham diesen Chev Chelios, der angesichts des nahen Todes durch rein gar nichts mehr zu beeindrucken ist. Kaltblütig hantiert er mit dicken Waffen und absolviert harte Stunts, und es ist erstaunlich, wie erfrischend scheinbar ausgelutschte Action-Standards wie Verfolgungsjagden mit dem Motorrad oder Kämpfe an der offenen Hubschraubertür noch inszeniert werden können.
Virtuos spielen die Regisseure mit Geschwindigkeiten, setzten Standbilder als Schlaglichter, zeigen auf geteilter Leinwand parallel verschiedene Blickwinkel auf dieselbe Szene, verdüstern am Übergang zu einem Flashback des Protagonisten die Farben. Ein derart intensiver Einsatz technischer Mittel wirkt oft wie Spielerei oder reiner Selbstzweck, hier aber fließt alles zu einem organischen Ganzen zusammen, ist jeder Effekt erzählerisch begründet. Neveldine und Taylor haben einen wohl orchestrierten, sauber getimten Trip inszeniert, der schwindeln lässt - vom Niveau her vergleichbar mit Filmen wie "Pulp Fiction", "Snatch", "Fight Club" oder "Spun".
Die explizite Brutalität wird unernst gekontert durch morbiden Humor. Alle Figuren sind sehr menschliche Karikaturen, satirische Abziehbilder - etwa José Pablo Cantillo als cholerischer Möchtegerngangster Verona, Efren Ramirez als schwuler Go-go-Tänzer Kaylo, Carlos Sanz als selbstgefälliger Gangsterboss Carlito, Dwight Yoakam als lebenslustiger wie zynischer Arzt und Amy Smart als extrem unterbelichtete Blondine, die rein gar nichts versteht; sie merkt nicht einmal, wie ihr Kerl einen Gangster wüst abserviert, weil sie so mit ihrem Lippenstift beschäftigt ist.
Zum Luftholen bleibt in diesem beinharten Film keine Zeit - ein Genuss für Freunde gepfefferter Action und technisch anpruchsvollen Kinos.
Die Story ist so simpel wie tragfähig. Der Berufskiller Chev Chelios fällt in Ungnade und bekommt ein Gift gespritzt, das ihn schleichend umbringt. Er kann die Wirkung verzögern, indem er in Bewegung bleibt - möglichst permanent. Also stopft er sich mit Aufputschmitteln voll und geht los, Rache zu nehmen, solange er noch kann.
Die Bildsprache folgt konsequent dem Befinden der Hauptfigur, die atemlos durch Los Angeles jagt, die Unterwelt durchpflügt und eine irrsinnige Aktion nach der andern durchzieht - bis hin zur öffentlichen Kopulation, um den Adrenalinspiegel wieder anzukurbeln. Ungeheuer dynamisch und mit manischem Blick verkörpert Jason Statham diesen Chev Chelios, der angesichts des nahen Todes durch rein gar nichts mehr zu beeindrucken ist. Kaltblütig hantiert er mit dicken Waffen und absolviert harte Stunts, und es ist erstaunlich, wie erfrischend scheinbar ausgelutschte Action-Standards wie Verfolgungsjagden mit dem Motorrad oder Kämpfe an der offenen Hubschraubertür noch inszeniert werden können.
Virtuos spielen die Regisseure mit Geschwindigkeiten, setzten Standbilder als Schlaglichter, zeigen auf geteilter Leinwand parallel verschiedene Blickwinkel auf dieselbe Szene, verdüstern am Übergang zu einem Flashback des Protagonisten die Farben. Ein derart intensiver Einsatz technischer Mittel wirkt oft wie Spielerei oder reiner Selbstzweck, hier aber fließt alles zu einem organischen Ganzen zusammen, ist jeder Effekt erzählerisch begründet. Neveldine und Taylor haben einen wohl orchestrierten, sauber getimten Trip inszeniert, der schwindeln lässt - vom Niveau her vergleichbar mit Filmen wie "Pulp Fiction", "Snatch", "Fight Club" oder "Spun".
Die explizite Brutalität wird unernst gekontert durch morbiden Humor. Alle Figuren sind sehr menschliche Karikaturen, satirische Abziehbilder - etwa José Pablo Cantillo als cholerischer Möchtegerngangster Verona, Efren Ramirez als schwuler Go-go-Tänzer Kaylo, Carlos Sanz als selbstgefälliger Gangsterboss Carlito, Dwight Yoakam als lebenslustiger wie zynischer Arzt und Amy Smart als extrem unterbelichtete Blondine, die rein gar nichts versteht; sie merkt nicht einmal, wie ihr Kerl einen Gangster wüst abserviert, weil sie so mit ihrem Lippenstift beschäftigt ist.
Zum Luftholen bleibt in diesem beinharten Film keine Zeit - ein Genuss für Freunde gepfefferter Action und technisch anpruchsvollen Kinos.
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