Ab 2009

Schulschwänzern soll es an den Kragen gehen

Markus Heffner, veröffentlicht am 10.07.2008
Foto: factum

Stuttgart - Das Stuttgarter Bündnis für Erziehung will sich intensiver um Schulschwänzer kümmern. Schon das erste unentschuldigte Fehlen soll künftig ein Bündel an Maßnahmen nach sich ziehen. Bereits vom nächsten Schuljahr an soll das Konzept umgesetzt werden.


  Von Markus Heffner

 
Die Landeshauptstadt will sich künftig intensiver um Schulschwänzer kümmern, als dies bisher der Fall war. Alle Klassenlehrer und Eltern werden zu Schulbeginn Post vom Staatlichen Schulamt erhalten, alle Beteiligten sollen per Rundschreiben über den "neuen Stuttgarter Weg" informiert werden. "Eine regelmäßige Teilnahme am Unterricht ist eine wesentliche Voraussetzung für einen guten Bildungsabschluss", betonte Stuttgarts Sozialbürgermeisterin Gabriele Müller-Trimbusch bei der Vorstellung des Konzepts, das vom Bündnis für Erziehung erarbeitet wurde.

Um das künftige Vorgehen möglichst transparent zu gestalten, wurden die einzelnen Maßnahmen in einem Ablaufplan zusammengefasst. So soll künftig schon dem ersten unentschuldigten Fehlen von Kindern und Jugendlichen im Unterricht nachgegangen werden, um frühzeitig gegensteuern zu können. "Die Lehrer sind angewiesen, sich bei den Eltern telefonisch nach dem Verbleib des Schülers zu erkundigen. Sobald der Schüler wieder im Unterricht erscheint, soll der Lehrer aktiv das Gespräch mit ihm suchen", erklärte Ulrike Brittinger, die Leiterin des Staatlichen Schulamtes.

Werden die Eltern nicht erreicht oder schließen sich noch mehr Fehltage an, folgen weitere Maßnahmen. Zum einen werden die Eltern schriftlich über das Fernbleiben informiert und gegebenenfalls zu einem Gespräch geladen. Zudem erfahren auch Schulleitung und Jugendamt von dem Vorgang. Gleichzeitig schicke auch das Jugendamt den Eltern ein Schreiben mit einem Beratungsangebot, so Jugendamtsleiter Bruno Pfeifle.

Führen auch diese Maßnahmen nicht zum gewünschten Ergebnis, würden Schulleitung, Klassenlehrer und Jugendamt weitere geeignete Schritte abstimmen, so Ulrike Brittinger. Falls keine Lösung gefunden wurde oder die Gespräche erst gar nicht stattgefunden hätten, bringe die Schule den Fall bei der Bußgeldstelle zur Anzeige. Darüber hinaus informiere die Schulleitung die Kommission für verlorene Schüler über die Situation. Gelinge es auch dem Jugendamt nicht, Kontakt aufzunehmen, werde zudem das Familiengericht mit der Bitte um weitere Klärung informiert. Ein gesteigertes Interesse an Schulschwänzern wird künftig auch die Stuttgarter Polizei haben, ebenfalls einer der Partner im Bündnis für Erziehung.

Die Umsetzung des Kooperationskonzeptes ist für den Beginn des nächsten Schuljahres geplant, zunächst an Grund-, Haupt- und Realschulen. "Dieses Verfahren hilft", glaubt Gabriele Müller-Trimbusch, "Ursachen wie Schulangst oder Schulphobie frühzeitig zu erkennen und Hilfestellung zu bieten."
 
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