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Web-Design

Sieg der Einfachheit

Joachim Vögele, veröffentlicht am 26.07.2002


Je bunter und bewegter, desto schicker: Lange Zeit galten Homepages, auf denen es möglichst lebhaft zuging, als der Inbegriff des multimedialen World Wide Web. Doch mit dem Dot-Com Sterben sind auch die Zeiten der wilden Desing-Experimente vorbei. "Survival of the easiest" nennt der Usability-Experte Jakob Nielsen den Bereinigungsprozess, der Bedienerfreundlichkeit und Mehrwehrt zum obersten Gebot des Webdesigns erhebt.

Usability ist der englische Fachbegriff für Bedienerfreundlichkeit. Jakob Nielsen gilt in den USA als der Meister in dieser Disziplin, namhafte Firmen engagieren ihn, um ihre Webseiten auf Vordermann zu bringen. Nielsens Lehre ist einfach: Wenige Sekunden genügen, um einen Nutzer ein für alle Mal zu verprellen. Wer sich nicht intensiv mit dessen Bedürfnissen und Erwartungen auseinandersetzt und seine Seite konsequent nach diesen ausrichtet, hat verloren. Das hört sich selbstverständlich an, und doch lassen aus Nielsens Sicht die meisten Homepages nach wie vor zu wünschen übrig. In seiner neu erschienen Untersuchung "Homepage Usability - 50 enttarnte Webseiten" findet sich kein Angebot, an dem der Experte nicht etwas auszusetzen hätte.

In den meisten Fällen handelt es sich um Details, und Nielsens Verbesserungsvorschläge hören sich zuweilen pedantisch, gar konventionell an.
Konventionen hält er aber nicht für eine Einschränkung der gestalterischen Freiheit und Kreativität, sondern für absolut notwendig. Wo sie sich im Nutzerverhalten ausgebildet haben, müssen sie befolgt werden.

Das Firmenlogo auf der rechten Bildschirmseite? - Der Nutzer erwartet es links, also muss es auch dort stehen. Gnadenlos setzt Nielsens Usability-Team den Rotstift überall dort an, wo statt eindeutiger Textlinks bunte Icons den Weg weisen: Wenn der Nutzer nicht auf Anhieb weiß, was ihn auf der Folgeseite erwartet, stellen sich umgehend negative Gefühle ein, die sich auf den Gesamteindruck des Angebots und das Firmenimage übertragen. Dasselbe geschieht bei langen Ladezeiten. Diese Erkenntnis ist keinesfalls neu, und doch mussten die Tester bei fast einem Drittel der untersuchten Homepages länger als eine halbe Minute warten, bis sich die Seiten aufgebaut hatten.

Schuld daran sind - neben langsamen Servern - aufwändige Werbebanner und endlose Textfahnen. Nicht mehr als drei nach unten scrollbare Bildschirmseiten dürfe eine Homepage umfassen, so die Expertenmeinung. Auch bei Werbebannern sei die Zahl Drei die absolute Obergrenze. Ihre Wirksamkeit hält Nielsen ohnehin für fragwürdig: Die Nutzer hätten eine Wahrnehmungsweise entwickelt, die bunte Banner ohne echten Informationswert geradezu automatisch ausblende. Darum rät er von dieser Form der Werbung für eigene Inhalte ab. Um so mehr erstaunt es, dass 87 Prozent der untersuchten Angebote solche Banner für die Eigenwerbung nutzten.
 

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