Architektur-Spaziergang in Stuttgart 8 eindrucksvolle Bauten der jüdischen Architekten Bloch und Guggenheimer
Von der Bauhaus-Villa bis zur neuen Synagoge: Das jüdische Architekturbüro Bloch und Guggenheimer aus Stuttgart trotzte so gut es ging dem Naziterror. Der Spaziergang führt zu wichtigen Bauten der Architekten.
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Foto Lichtgut/Leif Piechowski
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Wohnhäuser im Bauhaus-Stil aus den Jahren 1930 bis 1933 in Stuttgart von Oscar Bloch und Ernst Guggenheimer. Bilder von den Architekten und Bauten in der Bildergalerie.
Foto Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg
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Architekt Ernst Guggenheimer, Jahrgang 1880, überlebte den Holocaust. 1945 eröffnete er, schon im Rentenalter, noch einmal ein Architekturbüro in Stuttgart, er starb 1973 in Stuttgart. Guggenheimer arbeitete nach 1945 auch, wie Architekturhistoriker Dietrich W. Schmidt recherchiert hat, als „Treuhänder für verschiedene Immobilienbesitzer, die aus Stuttgart vertrieben worden waren.“ So wie für den Rechtsanwalt Oppenheimer und dessen Bauhaus-Villa von 1927 auf der Gänsheide, die Bloch und Guggenheimer geplant hatten. Sie wurde – traurige Abrissgeschichte – 1972 abgerissen von einem Verlag, der das Gebäude dann irgendwann gekauft hat.
Foto Esther Walther
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Der Architekt Oscar Bloch, Jahrgang 1881, hatte in Stuttgart auch rassistische Nötigungen erfahren, als Schweizer hatte er aber länger noch arbeiten können als Ernst Guggenheimer. Oscar Bloch starb 1937, seine 1894 in Cannstatt geborene Frau Alice und die Kinder gingen ins Exil, sie starb 1987 in der Schweiz, ihr Bruder Otto Rothschild wurde 1944 in Auschwitz ermordet.
Foto Nicole Golombek
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Imposante Villa Albert Levi unterhalb der Doggenburg. Hier startet der Architektur-Spaziergang. Den Auftrag für das Privathaus erhielten die Architekten Bloch & Guggenheimer im Jahr 1915.
Foto LICHTGUT/Max Kovalenko
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In der Nachkriegszeit entstand das inzwischen gut sanierte Wohnhaus im Herdweg 103.
Foto LICHTGUT/Max Kovalenko
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Erste Aufträge erhielten die Architekten nach Gründung ihres Büros im Jahr 1910 für den Bau von landhausartigen Wohnhäusern wie diesem in der Hauptmannsreute 74 und . . .
Foto LICHTGUT/Max Kovalenko
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. . . in der Hauptmannsreute 76. Beide Häuser stehen heute unter Denkmalschutz. Der Hang unterhalb der Doggenburg war damals noch kaum bebaut. Beide Häuser wurden von dem Stuttgarter Kolonialwarenhändler Gotthilf Krieg und dem Münchner Kaufmann Adolf Kittler in Auftrag gegeben. Krieg ging mit der Zeit und gab später bei den Architekten auch ein Bauhaus-Wohnhaus in Auftrag.
Foto LICHTGUT/Max Kovalenko
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Bei dem Wohnhaus in der Hauptmannsreute 78 traten die Architekten dann 1911 selbst zugleich als Bauherren auf.
Foto Lichtgut/Leif Piechowski
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Wenige Jahre, ab 1930, später entwarfen die Architekten Bloch & Guggenheimer, inspiriert von der frisch gebauten Weißenhofsiedlung, nur wenige Meter entfernt von dem landhausartigen Gebäude Wohnhäuser im Bauhaus-Stil.
Foto Lichtgut/Leif Piechowski/Leif Piechowski
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Steht auch fast 100 Jahre nach dem Bau gut da. Wohnhaus im Bauhausstil von Bloch & Guggenheimer.
Foto Tomo Pavlovic
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In der Cäsar-Flaischlen-Straße 7 – das Wohnhaus des Ehepaares Selma und Gottfried Gumbel, sie überlebten den Holocaust nicht.
Foto LICHTGUT/Max Kovalenko
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Auf dem Weg zur nächsten Adresse ist ein Abstecher in die Hauptmannsreute 115 erlaubt, Ernst Guggenheimers eigenes Wohnhaus – er klagte nach dem Krieg erfolglos auf Entschädigung wegen des Mindererlöses beim Verkauf im Jahr 1936. Im selben Jahr 1925 eingereicht . .
Foto LICHTGUT/Max Kovalenko
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. . . wurde für die steil abfallende Honoldstraße 25, die es zur nächsten Adresse hinunter geht, der Entwurf für Oscar Blochs einstiges Wohnhaus, das nach dem Krieg optisch stark verändert wurde.
Foto Lichtgut/Leif Piechowski
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Mehrfamilienhaus in der Feuerleinstraße im Stuttgarter Westen. Eines der letzten Projekte des Büros, 1936 fertig gebaut. Obwohl sie nicht in die Reichskulturkammer aufgenommen wurden, was einem Berufsverbot gleichkommt, konnten die Architekten bis 1937 noch einige Projekte verwirklichen.
Foto Lichtgut/Leif Piechowski/Leif Piechowski
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Schön hinter Bäumen – das ehemalige jüdische Schwesternwohnheim in der Dillmannstraße 19, das kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstand.
Foto Lichtgut/Lichtgut/Max Kovalenko
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Detailbild der neuen Synagoge. Nachdem das Gebäude der jüdischen Schule (entworfen von Bloch & Guggenheimer) auf dem Grundstück Hospitalstraße 36a im Krieg nur ausgebrannt war und renoviert werden konnte, ist dieses zunächst für die Einrichtung von Räumen für die Verwaltung und eines Betsaales in der früheren Turnhalle der jüdischen Schule von 1935 hergerichtet worden. Dieser provisorische Betsaal konnte am 8. Juli 1950 eingeweiht werden und . . .
Foto Lichtgut/Max Kovalenko
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. . . . . . für eine neue Synagoge konnte 1950 die Finanzierung auf Grund von Zusagen des Landes eine Regelung gefunden werden. Architekt Ernst Guggenheimer plante den Neubau.
Foto Lichtgut/Lichtgut/Verena Ecker
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Die Einweihung der Synagoge war am 13. Mai 1952. Das Foto erlaubt einen Blick in die Synagoge der jüdischen Gemeinde.
Foto Lichtgut/Max Kovalenko
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Erinnerungstafel für die alte Synagoge, die in der sogenannten Reichskristallnacht 1938 zerstört wurde und verbrannte. Neben der neuen Synagoge 1952 wurde ein Gemeindehaus erstellt mit Räumen für die Verwaltung, ein rituelles Bad, Gemeindesaal und Kindergarten. Dieses Gemeindehaus ist in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach erweitert und umgebaut worden.
Foto Lichtgut/Leif Piechowski
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In der Calwer Straße 33 hatten Bloch & Guggenheimer ihr Büro – wie man sieht, ist das Gebäude nicht erhalten und einem Neubau gewichen.
Foto Lichtgut/Leif Piechowski
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Noch erhalten ist dieses Gebäude. Wer nach dem Spaziergang weiter flanieren mag – auf dem Bopser (mit einen großartigen Aussichtspunkt mit Blick auf den Stuttgarter Kessel) in der Bopserwaldstraße 55 ist das Haus Frankenstein im Stil des Neuen Bauens zu finden. Es stammt aus dem Jahr 1929 und steht unter Denkmalschutz, beauftragt wurden die Architekten Bloch &Guggenheimer von dem jüdischen Kaufmann Otto Frankenstein.