Architektur-Spaziergang in Basel Basels 7 aufregend andere und oft übersehene Betonbauten
Basels Sichtbetonbauten kennen nur wenige – dabei haben sich hier einige weltberühmte Architekten verwirklicht. Und dann mischt auch noch ein Stuttgarter Unternehmen mit.
31 Bilder
Foto Jana Gäng
1 / 31
Buntes Licht trifft nackten Beton: Basels Antoniuskirche ist heute eine frühe Ikone des Brutalismus, schockte aber Ende der 20er das Schweizer Publikum.
Foto Jana Gäng
2 / 31
Das trübe Herbstwetter kostet das Foto. Flutet Sonnenlicht in die Maurerhalle, lassen die feinen Metallrahmen der dachhohen Glasfassade geometrische Schattenmuster über den nackten Beton wandern. Original aus dem Jahr 1961 sind die Fenster allerdings nicht. 2006 bis 2010 wurde der Schulkomplex mit größter Vorsicht saniert. Die typische Patina der Betonarten konnte nur erhalten werden, indem die schmutzige Fassade über Wochen mit Leitungswasser statt wie üblich mit dem Hochdruckreiniger abgespritzt wurde.
Foto Jana Gäng
3 / 31
Auf dem Schulgelände rund um die Maurerhalle treffen sich Architektur, Design und Kunst im Beton. Die acht Meter hohe, organische „Bausteinsäule“ auf dem Schulhof wurde von Künstler Hans Arp entworfen. Ebenfalls von Arp und aus Béton Brut sind zwei Wandreliefs in der Schule und eine gar nicht einmal ungemütliche „Sitzpyramide“ neben der Maurerhalle.
Foto Jana Gäng
4 / 31
Wie könnten die Neonfarben zeitgenössischen Schweizer Grafikdesigns besser leuchten als vor dem Grau nackten Betons? Es lohnt sich, einen Blick in das Innere des angrenzenden Komplexes der Gewerbeschule und Schule für Gestaltung zu werfen.
Foto Jana Gäng
5 / 31
In diesem Quartier treffen Welten aufeinander: Hochbeete und Grün umgeben das Silo zur einen Seite, zur anderen mit der Signalstraße eine der lautesten Straßen der Stadt. Im lebendigen Erlenmann-Quartier gehen Grünflächen, Wohngebäude und Gewerbe nahtlos ineinander über. Wer umherschlendert, trifft neben Studierenden, jungen Familien, Cafés, Fahrradladen und Quartier-Gemeinschaftsräumen vielleicht auch auf die Hühner in der Nachbarschaft.
Foto Jana Gäng
6 / 31
Die wendbaren Fenster und azurblaue Markisen des Silos sind Sonderanfertigungen. In Richtung der lauten Straße lassen sich erstere übrigens nicht öffnen.
Foto Jana Gäng
7 / 31
Bei gutem Wetter kann auch im grünen Hof vor dem Silo gesessen und gegessen werden.
Foto Jana Gäng
8 / 31
Wer sich mit Fahrrad oder E-Roller vom Silo auf den Weg zum nächsten Gebäude macht und Kind genug ist, sollte hier eine schnelle Runde drehen. Beton kann nämlich auch verspielt.
Foto Jana Gäng
9 / 31
Das von Buchner Bründler entworfene moderne Wohnhaus mit Sichtbeton überragt seine Nachbarbauten. Der spannende Kontrast puristischer, hochmoderner zu beschaulicher Architektur findet sich vielerorts in Basel.
Foto Jana Gäng
10 / 31
Fast 14 Meter hoch sind die elf Fenster der Antoniuskirche und durchbrechen als einzige Elemente den unverputzten Beton. Anderes Dekor fehlt an der Fassade. Das Schweizer Publikum der 20er-Jahre spaltete der Anblick des nackten Betons an einer Kirche in Schockverliebte und Befremdete – überrascht haben dürfte er die meisten.
Foto Jana Gäng
11 / 31
Karl Moser, der Architekt der hier zu sehenden Antoniuskirche, hat seine Liebe zum unverhüllten Beton wohl an einige seiner Schüler an der ETH Zürich weitergegeben. Zu ihnen gehört nämlich auch Hermann Baur, der Architekt der Maurerhalle und des ersten Stopps auf dem Spaziergang. Und auch ein weiteres auffälliges Gebäude in Basel ist Mosers Werk: Der Badische Bahnhof.
Foto Jana Gäng
12 / 31
Ungewöhnlich für ein Gotteshaus: Die Antoniuskirche steht nicht frei, sondern schließt bündig an das Nachbargebäude an.
Foto Jana Gäng
13 / 31
Die Glasgemälde in der Antoniuskirche kommen von den Basler Malern Hans Stocker und Otto Staiger. Einige der Fenster zeigen Lebensabschnitte des Heiligen Antonius von Padua.
Foto Jana Gäng
14 / 31
Fällt die Sonne durch die Fenster, entstehen faszinieren Lichtspiele auf dem grauen Beton.
Foto Jana Gäng
15 / 31
Neben Betonsäulen und Wänden taucht das Licht dann auch die Bänke im Innenraum in Farbe.
Foto Jana Gäng
16 / 31
Der zurückhaltende Beton lässt nicht nur Raum für die Farben der Lichter, sondern auch für hochwertige Details und Materialien. Inzwischen sind viele Brutalismus-Bauten des vergangenen Jahrhunderts vernachlässigt, muten fast schäbig an. Ganz anders in Basel. Dass der Beton so gut erhalten ist, ist einer zehnjährigen Renovierung der Antoniuskirche zu verdanken. In einem international beachteten Verfahren wurden beschädigte Stellen abgetragen und durch eine neue Betonschicht ersetzt – ohne dass das historische Schalungsbild des Materials verloren ging.
Foto Jana Gäng
17 / 31
Der Senn-Bau der Basler Universitätsbibliothek ist eine der vielen Bibliotheken, die angesichts voller Magazine und einer Professionalisierung der Branche Ende der 50er bis in die 70er entstanden. Mit seiner schnörkellosen Fassade aus Sichtbeton ist er ein Kind des auf Funktion bedachten Baustils dieser Zeit.
Foto Jana Gäng
18 / 31
Der Blick von der Galerie auf den Lesesaal zeigt den für den Senn-Bau – und seine Entstehungszeit – typischen Mix aus Ulmenfurnier und Sichtbeton.
Foto Jana Gäng
19 / 31
Bitte nicht täuschen lassen: Von außen lässt sich die gewaltige Kuppel der Markthalle nur erahnen. Auch auf den den Innenraum dominierenden Sichtbeton weist hier nichts hin. Spannend: Im zur Markthalle gehörenden und von den Basler Architekten von Diener & Diener gestalteten Hochhaus neben der Halle (hier rechts im Bild hervorschauend) sind Gewerbeflächen, Veranstaltungsräume und Büros, aber auch 45 Wohnungen untergebracht. Eine solcher Mix aus Wohnen und Gewerbe ist (noch) ungewöhnlich, könnte in der Wohnungskrise aber vorhandenen Raum in der Stadt effizienter nutzen.
Foto Jana Gäng
20 / 31
Wer eintritt sieht aber sofort, warum die Markthalle Teil des Spaziergangs ist: Unverputzter Beton und rauer Industrie-Flair durchbrochen von Streetfood-Ständen mit hippen Lichterketten, wohin man blickt.
Foto Jana Gäng
21 / 31
Verbreitet ein wenig Kathedralen-Charme und übertrifft doch die Kuppel bekannter Kathedralen in den Maßen: 60 Meter weit spannt sich die achteckige Kuppel der Markthalle. Das Fenster in der Kuppelmitte lässt natürliches Licht hinein. Drei Millionen Franken kostete der Bau damals. Bei seiner Eröffnung saß ihm die drittgrößte Kuppel in Massivbauweise der Welt auf. Heute steht die Halle unter Denkmalschutz.
Foto Jana Gäng
22 / 31
Die Schriftzüge in der Kuppel zeugen davon, dass hier bereits vor Jahrzehnten Händler, Produzenten und Käufer miteinander feilschten – allerdings mit Unterbrechung. Von 2004 bis 2013 entstand in der Halle ein Shoppingcenter. Erst auf die Initiative lokaler Architektinnen und Architekten sowie Kulturtreibenden hin wurde die Halle wieder zum Markt. Nun für Streetfood und Lebensmittel. Auch Flohmärkte, Festivals, Performances und Konferenzen finden hier statt. Bald 100 Jahre nach ihrer Eröffnung 1929 ist die Halle damit noch immer ein Ort, der lebt. Vor der Eröffnung der Markthalle spielte sich der Großhandel übrigens im Freien auf dem Barfüsserplatz ab.
Foto Jana Gäng
23 / 31
Sicht statt Sichtbeton: Wer nach der Markthalle noch eine Kaffeepause in weniger wuseliger Umgebung einlegen möchte, spaziert zum nahe gelegenen Café Zum Kuss. Das kreisrunde Fenster in der Jugendstilvilla hat das Basler Architekturbüro Christ & Gantenbein entworfen. An anderer Stelle setzten Emanuel Christ und Christoph Gantenbein aber durchaus aufsehenerregend auf Sichtbeton, etwa bei ihrem Erweiterungsbau für das Landesmuseum Zürich.
Foto Jana Gäng
24 / 31
Eine strukturierte, nicht überladene Fassade mit Beton und einem Twist – das passt zum renommierten Schweizer Architekten Valerio Olgiati.
Foto Jana Gäng
25 / 31
Die tiefen Betonpfeiler verleihen der Fassade Dimensionalität. Auf ihren Spitzen scheinen die massiven horizontalen Platten zu schweben, der Kontakt auf einen einzige Punkt reduziert.
Foto Jana Gäng
26 / 31
Zwischen Kunst und Architektur: Das Olgiati-Gebäude im Bâloise-Park.
Foto Jana Gäng
27 / 31
Nach oben hin läuft der „Helsinki Dreispitz“ von Herzog & de Meuron schmaler zu. Dadurch soll ausreichend Licht in alle Wohnungen und in die Nachbargebäude fallen.
Foto Jana Gäng
28 / 31
Von der Straßenebene ragt der Sichtbeton-Sockel des „Helsinki Dreispitzes“ 15 Meter in die Höhe. Darin befindet sich nicht nur ein Archiv mit Plänen und Modellen, die seit der Gründung des Architekturbüros Herzog & de Meuron im Jahr 1978 entstanden sind. Auch lagern hier eine Sammlung von Werken vor allem jener Künstler, mit der die Architekten zusammenarbeiteten, sowie historische Fotografien. In Zukunft sollen sie für Forschung und Studium zugänglich werden.
Foto Jana Gäng
29 / 31
Der rohe Beton der Fassade hat das horizontale Muster der Schalung aus schmalen Holzbrettern angenommen. Mit der Zeit, wenn immer wieder Regen über den Beton nach unten rinnt, wird dieses Muster stärker hervortreten. Die Struktur der Oberfläche soll dann an eine Baumrinde erinnern.
Foto Jana Gäng
30 / 31
Die Architekten von Buchner Bründler bauen gegenwärtig eine Halle im Gewerbegebiet zum neuen Standort des Kunsthaus Baselland um. Schon sichtbar sind die drei Beton-Türme, die das Dach der Halle durchbrechen.
Foto Jana Gäng
31 / 31
Sieht aus wie eine optische Täuschung, ist aber nur ein an seiner Spitze hauchdünner Beton-Turm in Dreiecksform.