Die legendäre Hochschule für Gestaltung Ulm Sinn und Form auf dem Kuhberg
Vor 50 Jahren wurde die legendäre Hochschule für Gestaltung Ulm geschlossen. Das denkmalgeschützte Gebäude wird heute noch genutzt, auf dem Campus leben auch ehemalige Studenten. Ein Besuch.
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An der geschwungenen Bar trafen sich einst Dozenten und Studenten.Foto:Andreas Reiner
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Geprägt von den Erfahrungen der NS-Zeit, engagierten sich Otl Aicher und Inge Scholl für einen demokratischen Neuanfang und bauten 1946 die Ulmer Volkshochschule (vh ulm) auf.
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Inge Scholl, Schwester der von den Nationalsozialisten ermordeten Hans und Sophie Scholl, gründete außerdem gemeinsam mit Otl Aicher und und mit dem Architekten Max Bill 1953 die private Hochschule für Gestaltung (HfG) in Ulm, die bald Studenten aus der ganzen Welt anlocken sollte. Eine Dauerausstellung im HfG-Archiv erinnert auch an die Anfangszeit.
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Otl Aicher, Mitbegründer der Hochschule für Gestaltung Ulm, entwarf Plakate auch für die Ulmer Volkshochschule und die berühmt gewordenen Piktogramme. Er gestaltete das visuelle Erscheinungsbild für die Olympischen Sommerspiele 1972.
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Der Bauhaus-Schüler und Architekt Max Bill entwarf auf dem Kuhberg oberhalb von Ulm die Hochschule für Gestaltung samt Studentenwohnungen und Dozentenhäuser. Auf dem Campus sollte gelehrt und gelebt werden.
Foto Foto: Ernst Hahn 1955, © HfG-Archiv
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Zur Eröffnung 1955 sprach der berühmte Bauhaus-Gründer Walther Gropius. An der international bedeutendsten Design-Hochschule nach dem Bauhaus lehrten neben Bill und Aicher auch Hans Gugelot, Tomás Maldonado, Alexander Kluge und Edgar Reitz.
Foto Foto: Wolfgang Siol 1956, © HfG-Archiv
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Leuchtendes Beispiel für einfache, klare Linien: Die Hochschule für Gestaltung bei Nacht, 1956. Man wollte mit der Hochschule keine Kopie des Bauhauses, sondern eine Weiterentwicklung dessen, was Bauhaus heute bedeuten könnte. Gelehrt wurde hier Architektur, Produktgestaltung, Visuelle Kommunikation und Film.
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Der Gebäudekomplex der HfG steht seit 1979 unter Denkmalschutz. Einige Sanierungsarbeiten der jüngeren Vergangenheit ernteten Kritik – darunter Veränderungen des Grundrisses im Inneren und die blau schimmernden Fensterscheiben, welche die ursprünglich transparenten Fensterscheiben ersetzten.
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Die von Max Bill entworfenen Dozentenhäuser am Rande des HfG-Campus auf dem Ulmer Kuhberg sind bis heute bewohnt.
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Der Stadtplaner und Architekt Daniel Meister und die Journalistin Dagmar Meister-Klaiber leben seit 1976 in einem der Dozentenhäuser, die Max Bill entworfen hat. Sie haben an der HfG Ulm Architektur und Film studiert. Kürzlich erschien ihr aufwändig recherchiertes Buch mit vielen Plänen, Interviews, Fotos: „Max Bill und die Architektur der HfG Ulm“ (Verlag Scheidegger & Spiess). Eine lesenswerte Baudokumentation, in der sie und andere Experten viele bauliche Veränderungen des denkmalgeschützten Kulturdenkmals dokumentieren und kritisieren.
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Neben der Mensa ist die berühmte geschwungene Bar. Hier trafen sich die Studierenden und die Dozenten der verschiedenen Sparten.
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Durchdacht: die Rinne neben den Stufen in der HfG lässt Dreck und Putzwasser abfließen.
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Wird heute noch gelegentlich genutzt: der ehemalige Hörsaal der HfG, entworfen von Max Bill. Die Bestuhlung, im Boden verankerte Drehstühle, ist im Original erhalten.
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Schnörkellos und schlicht: Der Ulmer Hocker, 1955 von Max Bill, Hans Gugelot und Paula Hildinger entworfen, wurde in der Schreinerwerkstatt der Hochschule gefertigt und diente an der Hochschule als Sitzmöbel. Er ist vielfach einsetzbar, als Hocker, Tragehilfe für Bücher Regalelement und als Beistelltisch. Bei verschiedenen Anbietern ist der Holzhocker heute noch käuflich.
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Was an der HfG Ulm entworfen wurde, sollte dem alltäglichen Gebrauch dienen, etwa Hans Gugelots Plattenspieler für die Firma Braun, berühmt geworden unter dem Namen „Schneewittchensarg“. In der Dauerausstellung in der Schule auf dem Kuhberg (Hochsträß 8) sind Arbeiten der HfG und ihre Entstehungsgeschichte anzuschauen und nachzulesen. Öffnungszeiten der Ausstellung sind dienstags bis sonntags und feiertags von 11 bis 17 Uhr, donnerstags von 11 bis 20 Uhr.
Foto Foto: Wolfgang Siol 1961, © HfG-Archiv
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Vieles, das an der HfG entworfen wurde, ist heute auch in Designmuseen ausgestellt – wie etwa das Stapelgeschirr TC 100, 1959 von Hans (Nick) Roericht, das auch Teil der Sammlung im Museum of Modern Art (Moma) in New York ist.
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Wegen Mangelwirtschaft, inhaltlicher Differenzen und politischer Missliebigkeit wegen wurde die private Hochschule im Jahr 1968 geschlossen. Im Schulgebäude sind heute gesatltungsaffine Büros untergebracht, außerdem das Aicher-Scholl-Kolleg der Volkshochschule Ulm, die HfG-Stiftung und das HfG-Archiv mit einer Dauerausstellung und wechselnden Themenschauen. Für Mitarbeiter im Haus und für Gäste und Besucher ist die Schule auch geöffnet: in der Mensa wird von montags bis freitags (12-13 Uhr) ein guter und günstiger Mittagstisch angeboten. Außerdem kann man sich hier auch einmieten und Feste feiern mitsamt Catering.