Ein Blick zurück Christian Wulff - der blasse Präsident
Christian Wulff hat seinen Rücktritt als Bundespräsident bekannt gegeben - ein Blick zurück.
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Etwas über anderthalb Jahre war Bundespräsident Christian Wulff Hausherr im Schloss Bellevue. Zusammen mit seiner Frau Bettina wollte er ein junges und modernes Bild des Amtes vermitteln. Doch immer neue Affären zwangen Wulff schließlich zum Rücktritt. Wir werfen einen Blick zurück...
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Christian Wulffs erstes Jahr als Bundespräsident beginnt mit einem Desaster: Dreimal muss die Bundesversammlung am 30. Juni 2010 an die Urnen gehen, bis Wulff endlich reüsiert.
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Es ist vor allem ein Denkzettel für Bundeskanzlerin Angela Merkel, die praktisch im Alleingang Wulff zum Kandidaten bestimmt hatte, ...
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... aber auch eine große Sympathiebekundung für Wulffs Herausforderer, den DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck, den die Opposition ins Rennen geschickt hatte.
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Wulff kann kurz nach der Wahl mit Tochter Annalena (links) und Ehefrau Bettina schon wieder in die Kameras lächeln - er ist Politiker genug, Demütigungen wegzustecken.
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Am 2. Juli 2010 wird Wulff vereidigt und zieht ...
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... , zusammen mit seiner Frau Bettina und den Söhnen Leander und Linus, ins Schloss Bellevue ein. In den Taschen haben die Wulffs frischen Wind: Erstmals wohnt eine Patchwork-Familie im Amtssitz des Bundespräsidenten - Leander stammt aus Bettinas erster Ehe, Wulff hat eine Teenagertochter, Annalena, aus seiner ersten Ehe mitgebracht. Der heute dreijährige Linus ist ihr gemeinsames Kind.
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Jung und modern wollen die Wulffs wirken. Im Amtszimmer gibt es eine Spielecke, die Söhne platzen auch schonmal in ein Meeting mit der Bundeskanzlerin. Der 52 Jahre alte Wulff kokettiert gerne mit der Tatsache, dass er und seine 37-jährige Frau Bettina das mit Abstand jüngste Präsidentenpaar sind, das die Bundesrepublik je hatte.
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Kaum im Amt, darf sich Christian Wulff im Juli im Licht der erfolgreichen deutschen Nationalmannschaft sonnen. Die Weltmeisterschaft in Südafrika, bei der die Deutschen mit mitreißendem Fußball Platz drei erreichen, macht Wulff zum La-Ola-Präsidenten.
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So schön der Juli angefangen hat, so schrecklich endet er: Auf der Loveparade in Duisburg sterben bei einer Massenpanik 21 junge Menschen. Wulff bringt sich in die Bredouille, weil seine Äußerungen als Aufforderung zum Rücktritt des Duisburger Oberbürgermeisters Sauerland missverstanden wurden.
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Zum 20. Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2010 hält Wulff seine vielbeachtete "Islam-Rede". "Der Islam ist ein Teil von Deutschland", sagt er. "Die Zukunft, davon bin ich felsenfest überzeugt, gehört den Nationen, die offen sind für kulturelle Vielfalt, für neue Ideen und für die Auseinandersetzung mit Fremden und Fremdem." Während Politik und Presse seine klaren Worte loben, stößt der Satz bei 59 Prozent der Deutschen auf Ablehnung. Es bleibt dann auch der einzige Vorstoß in dieser Richtung.
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Ein paar Wochen später variiert er diesen Satz bei seinem Besuch in der Türkei, wo er als erstes deutsches Staatsoberhaupt vor dem Parlament in Ankara sprechen darf: "Das Christentum gehört zweifelsfrei zur Türkei", betont der Bundespräsident und spielt damit auf die Situation der christlichen Minderheit in dem islamisch geprägten Land an.
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Die Wulffs zelebrieren den glamourösen Auftritt - wie hier beim Bundespresseball im November - auch wenn sie gegen die Obamas oder Sarkozys oft wie das "nette Präsidentenpaar von nebenan" wirken.
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In den kommenden Monaten reisen die Wulffs kreuz und quer durch die Republik - im Dezember sind sie auf Antrittsbesuch in Baden-Württemberg.
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Im April haben die Wulffs royalen Besuch im Schloss Bellevue: Die niederländische Königsfamilie reist in Form von Königin Beatrix (links), Kronprinz Willem-Alexander und Prinzessin Máxima an.
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Am 14. April wird der Bundespräsident bei einem Besuch in Wiesbaden mit Eiern beworfen - und nimmt die Attacke gelassen: "Ich möchte den Kontakt zu den Bürgern haben. Das setzt voraus, dass man auch einmal von einem Ei getroffen wird."
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Im Mai reisen die Wulffs nach Mittel- und Südamerika und besuchen Costa Rica, Mexiko und Brasilien. In nur einem Jahr hat der Bundespräsident bereits 20 Länder bereist und ist damit so umtriebig wie kaum einer seiner Vorgänger.
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Ende Mai begrüßen die Wulffs Kronprinzessin Victoria und Prinz Daniel von Schweden in Berlin. Vor allem Bettina Wulff wird von ihren Landsleuten kritisch beäugt: Macht sie neben dem glamourösen Besuch aus dem hohen Norden nicht eine zu biedere Figur?
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Die traditionelle "Berliner Rede" lässt Wulff im Juni ungenutzt, mehr Profil zu zeigen. Er überlässt seinem polnischen Amtskollegen Bronislaw Komorowski die Bühne. Wahrscheinlich scheut er den Vergleich: Einst hatte Roman Herzog an gleicher Stelle mit seiner "Ruck-Rede" Geschichte geschrieben.
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Ende Juni darf Wulff wieder den Präsidenten zum Anfassen geben: Bei der Frauenfußball-WM feuert er zusammen mit Ehefrau Bettina die deutschen Spielerinnen an.
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Nachdem der Präsident im August der deutschen Basketball-Größe (im wahrsten Sinne des Wortes) Dirk Niwitzki das "Silberne Lorbeerblatt" verleiht, ...
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... im August Papst Benedikt XVI. empfängt ...
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... und auf dem Bundespresseball im November verliebt mit seiner Ehefrau schwoft, ...
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... droht im Dezember Ungemach: Während die Wulffs im Oman weilen, lässt die "Bild"-Zeitung in Berlin die Bombe platzen. Wulff habe sich für die Fianzierung seines Einfamilienhauses einen Kredit von seinem Unternehmerfreund Egon Geerkens geben lassen.
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Was die Öffentlichkeit zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Wulff ruft von einer Auslandsreise "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann an. Er hinterlässt auf DiekmannsMailbox eine Nachricht, mit der er versucht, auf die Berichterstattung Einfluss zu nehmen.
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Zunächst schweigt der Bundespräsident, erst am 22. Dezember tritt Wulff erstmals persönlich in der Affäre an die Öffentlichkeit und entschuldigt sich für seinen Umgang mit den Vorwürfen. Im Amt will er aber bleiben: "Ich habe zu keinem Zeitpunkt in einem meiner öffentlichen Ämter jemandem einen unberechtigten Vorteil gewährt", versichert das Staatsoberhaupt. Kurz vor seiner Erklärung im Schloss Bellevue entlässt Wulff seinen langjährigen Sprecher Olaf Glaeseker ohne Angabe von Gründen.
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In seiner Weihnachtsansprache bleibt das Thema außen vor.
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Das neue Jahr 2012 ist noch frisch, als Wulffs Anruf bei der "Bild"-Zeitung bekannt wird. Am 4. Januar gibt der bedrängte Wulff ein Interview. "Der Anrufbei dem Chefredakteur der Bild-Zeitung war ein schwerer Fehler, der mir leidtut, für den ich mich entschuldige", sagt Wulff. An Rücktritt denke er aber nicht.
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Am 17. Februar erklärt Christian Wulff schließlich seinen Rücktritt. Auslöser war wohl die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Hannover, beim Bundestag die Aufhebung seiner Immunität zu beantragen, um Ermittlungen gegen das Staatsoberhaupt einleiten zu können.