Internationaler Roma Tag „Lebst du im Wohnwagen?“
Viele Menschen denken bei Sinti und Roma nur an Klischees – oder sie wissen gar nicht, was der Begriff bedeutet. Esther aus Stuttgart und Atide aus Mannheim macht das wütend. Wie die beiden Frauen für ein neues Selbstverständnis der Minderheit kämpfen.
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Foto Lichtgut/Max Kovalenko
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Esther Reinhardt-Bendel wird oft gefragt, ob sie in einem Wohnwagen lebt. Die Aktivistin wohnt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Stuttgart-Zuffenhausen. Mehr über ihr Leben erfahren Sie in unserer Bilderstrecke.
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Als Esther Reinhardt-Bendel mit 15 Jahren ihr erstes Handy hatte, schickten ihr Unbekannte Drohungen per SMS. Sie tut viel dafür, damit ihr Sohn nicht die gleichen Erfahrungen macht. Als es im Kindergarten komische Nachfragen gab, ließ sie sich gleich für den Elternbeirat aufstellen. „Die wissen, dass die Mama Aktivistin ist. Da lehnt sich niemand aus dem Fenster“, sagt sie.
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Die 26-jährige Atide studiert Wirtschaftspädagogik und Spanisch in Mannheim. Ihre Eltern verschwiegen vor ihr und ihrer Schwester lange, dass sie eine Roma-Familie sind. Zu groß war die Angst, dass die Kinder sich in einer unbedachten Minute verplappern könnten und dann mit den Vorurteilen leben müssten. Heute geht Atide offen mit ihrer Identität um.
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Vor etwa zehn Jahren hat Esther Reinhardt-Bendel gemeinsam mit anderen die Initiative „Sinti und Roma Pride“ gegründet. Die Mitglieder geben Workshops, besuchen Schulen, organisieren Gegenrede in den sozialen Medien. Reinhardt-Bendel macht es wütend, dass viele Deutsche mit dem Begriff „Sinti und Roma“ nach wie vor nichts anfangen können. „Nach fast 700 Jahren unserer Minderheit in Deutschland fände ich es doch langsam mal angebracht, dass die Leute wenigstens wissen, wer wir sind, ohne dass wir sagen müssen, wir seien Zigeuner“, sagt sie.
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Atide steht kurz vor ihrem Studienabschluss, spricht vier Sprachen fließend, arbeitet neben dem Studium bei einer Personalberatung. Sie ist genervt, dass sie oft als Sonderfall gesehen wird, wenn sie sagt, dass sie eine Romni ist. „Menschen machen es sich bei meiner Geschichte gerne sehr einfach, in dem sie mich als ‚Ausnahme’ oder ‚als eine der guten Roma’ abstempeln“, sagt sie. „Ich kenne im Gegensatz zu vielen anderen auch die Roma, die ihre Identität verheimlichen – also die anderen zahlreichen ‚Ausnahmen’ oder ‚guten’ Roma, die nicht gesehen werden. Ich bin keine Ausnahme unter den Roma in Sachen Ehrgeiz, Bildung, Integrität.“