Salone del Mobile in Mailand Plastic fantastic oder: Der Stuhl war mal eine Kaffeekapsel
Die renommierte Möbelmesse in Mailand hat wieder begonnen. Mit dabei ist natürlich auch die Mailänder Möbel- und Designfirma Kartell. Ihr ursprüngliches Markenzeichen: Stühle aus Kunststoff. Doch dann wurde das Wundermaterial zum Problemstoff.
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Foto Kartell, Milano/simona pesarini
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Auf dem Salone del Mobile, die Mailänder Möbelmesse, die vom 16. bis 21. April 2024 dauert, präsentiert sich Kartell mit einigen Neuheiten. Der Schwerpunkt liegt dabei weniger auf Natürlichem denn auf Künstlichem: Einige der hier erstmals gezeigten Möbelstücke sind mithilfe von künstlicher Intelligenz geschaffen. Etwa der Stuhl HHH (Her Highest Highness, Ihre Höchste Hoheit) von Philippe Starck.
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Der junge Chemieingenieur Giulio Castelli und seine Frau Anna Castelli Ferrieri gründeten 1949 das Unternehmen Kastell in Mailand.
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Giulio Castellis erste Erfindung und erstes Produkt war der Skiträger K101. Kurz danach ward die Idee geboren, Plastik, das bisher nur im technischen Bereich Einsatz fand, ins Haus zu holen: 1955 wurde die Abteilung Haushaltswaren gegründet. Kartell startet die Produktion von Artikeln aus Kunststoff in industriellen Pressverfahren, von der Zitronenpresse . . .
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. . . bis zur Schüssel.
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Der Kinderstuhl K 1340 (später K 4999) ist von 1964 – er ist somit wohl der weltweit erste Stuhl, der ganz aus Kunststoff ist und in Serie gebaut wurde. Damals war das eine Revolution. Das von Marco Zanuso und Richard Sapper entworfene Modell lässt sich mit anderen kombinieren, auseinanderbauen und leicht reinigen. Es wurde sowohl als Sitzgelegenheit als auch als Spielzeug entworfen; bevor die Produktion beginnen konnte, waren vier Jahre Entwicklung erforderlich. Es gewinnt im gleichen Jahr den Goldenen Zirkel.
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Nicht zuletzt hat das damalige Image des Materials zum Boom beigetragen: Plastik galt als schick, sauber und modern. Es verdrängte herkömmliche Produkte und drang nach und nach in nahezu alle Bereiche des Lebens vor.
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Bis heute ein Verkaufsschlager: der runde Container Componibili, entworfen von Anna Castelli Ferrieri im Jahr 1967 . . .
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. . . ebenso wie der wesentlich später – nämlich 2009 – entstandene Masters Chair von Philippe Starck. Der Stuhl ist eine scharfsinnige Huldigung von drei Symbol-Stühlen, die vom kreativen Genie von Starck neu ausgelegt und interpretiert wurden: die „Serie 7“ von Arne Jacobsen, der „Tulip Armchair“ von Eero Saarinen und der „Eiffel Chair“ von Charles Eames.
Foto NDR_DI_ANDREA_MONTIN/ANDREA MONTIN
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Das einst revolutionäre Material wurde im Laufe der Jahre freilich zum Problem. Plastik ist längst bäh: umwelt- und klimaschädlich. Das Wundermaterial wurde zum Problemstoff. Ein Lösungsansatz von Kartell: der 2022 entstandene Re-Chair von Antonio Citterio . .
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. . . der aus Müll, genauer gesagt aus alten Kaffeekapseln des Espressoherstellers Illy hergestellt wird.
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Den Stuhl HHH gibt es auch im Design der neuen Kooperation Kartell und Liberty London.
Foto Kartell, Milano/simona pesarini
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Es gibt auch eine KI-Konsole . . .
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. . . und eine KI-Lounge.
Foto MONICA SPEZIA
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Lorenza Luti, Marketingchefin von Kartell und Enkelin der Firmengründer. Zusammen mit ihrem Vater Claudio Luti und ihrem Bruder Bruder Federico führt sie die Geschäfte.
Foto Kartell, Milano/LETIZIA MANTERO
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Im Kartell-Museum in Noviglio vor den Toren Mailands kann man die Geschichte des Unternehmens quasi durchlaufen.