Star-Designer aus Stuttgart Jehs+Laub über Mörder-Sofas und Bauhaus-Ideale
Markus Jehs und Jürgen Laub entwerfen in ihrem Stuttgarter Atelier Sessel, Stühle und Leuchten für die großen Möbelhersteller. Ein Gespräch über Mörder-Sofas, Bauhaus-Ideale und den Anspruch, Dinge für die Ewigkeit zu gestalten.
26 Bilder
Foto Maks Richter
1 / 26
Sie kennen sich seit ihrem Design-Studium und arbeiten für angesehene Firmen wie Cassina, Fritz Hansen, Wilkhan und Knoll International: Die in Stuttgart lebenden Gestalter Markus Jehs (li.) und Jürgen Laub.
Foto Hersteller
2 / 26
Wenn die Designer Markus Jehs (1965 in Stuttgart geboren) und Jürgen Laub (1964 in Ulm geboren) daheim oder im Flugzeug sitzen und einen Film anschauen, fällt immer wieder mal dieser Satz: „Schau, der Mörder sitzt schon wieder auf unserem Sofa.“ . . .
Foto Hersteller
3 / 26
. . . Denn in der schlichten Logik von Krimis sind oft die reichen Leute die Bösen und die sitzen halt gern auf hochwertigen Möbeln, wie Jehs und Laub sie entwerfen. Seit 1994 arbeiten die Designer im Team in einem Atelier im Stuttgarter Süden zusammen. Hier im Bild die Serie „Blox“ für die italienische Firma Cassina.
Foto Hersteller
4 / 26
Auch für diese Sofa-Lounge-Landschaft, die Jehs+Laub für die Firma Cor entworfen haben, braucht man ein ordentlich großes Heim.
Foto Hersteller
5 / 26
Ein Hingucker auf der diesjährigen Internationalen Möbelmesse in Köln: Das Sofa „Mell“ für Cor mit Schafswoll-Bezug.
Foto Hersteller
6 / 26
Auch Accessoires wie die Wärmflasche „Pillow“ hat das Duo entworfen. Jürgen Laub: „Die ,Zeit’ hatte einmal verschiedene Designer gefragt, ob sie Dinge, die im Alltag wichtig, aber hässlich sind, verbessern können. Wir haben gesagt, gut, wir nehmen uns 5 Minuten Zeit für eine Skizze, wenn uns bis dahin etwas einfällt, machen wir mit. Markus Jehs: „Wir haben dann eine Wärmflasche entworfen, die wie eine Pille aussieht. Nach der Veröffentlichung gab es derart viele Anrufe von Lesern des Zeit Magazins, die wissen wollten, wo sie das Produkt kaufen können, dass wir die Firma Authentics gebeten haben die Wärmflasche herzustellen. Die haben sie dann zu Tausenden verkauft.“
Foto Hersteller
7 / 26
Standfest und elegant: gepolsterte Sitzmöbel für schickes Dinieren: „Alvo“ für Cor, gibt es auch in rosa, orange und roten Polstern und mit weißen Schalen, entworfen von Jehs+Laub im Jahr 2019.
Foto Hersteller
8 / 26
Für die US-Firma Davis gestalteten Jürgen Laub und Markus Jehs Stühle namens Ginko, jüngstes Mitglied ist die Outdoor-Variante „Ginko Wire“.
Foto Hersteller
9 / 26
Jüngst auf den Markt gekommen ist der Barhocker „Muse“ für Davis, „geleitet von der Idee, einen Traktorsitz aus 3-D-Formholz mit dem Fußgestell eines traditionellen Schemels zu verbinden“, wie Markus Jehs sagt. Sie hat bei bei der Vorstellung auf der Neocon-Messe in Chicago 2019 für Furore gesorgt und einen Preis erhalten hat, den „Best of Neocon Gold Award“.
Foto Hersteller
10 / 26
„Tango“ heißt dieser elegante Stuhl, ebenfalls entworfen für die Firma Davis.
Foto Hersteller
11 / 26
Praktisch, also leicht stapelbar soll ein Stuhl sein, der auch eine Mensa verschönert: Das Modell „A-Chair“ für die Firma Brunner.
Foto Hersteller
12 / 26
Minimalistischer geht’s kaum: Wanduhr für Stelton.
Foto Hersteller
13 / 26
Heutige Version des traditionellen Kronleuchters für die Firma Nemo.
Foto Hersteller
14 / 26
Chefsessel für Vorstandsetagen: hochwertiger Bürostuhl für Wilkhan.
Foto Hersteller
15 / 26
Bequem und ausladend: der Loungesessel „Striad“ für die US-Firma Herman Miller.
Foto Hersteller
16 / 26
Auch für die skandinavische Traditionsfirma Fritz Hansen entwarfen Markus Jehs und Jürgen Laub einen Loungesessel. Die Gestalter legen auf zweierlei Wert – Qualität und Zeitlosigkeit. Niedlich, klein und rund, glittrig oder glänzend sind ihre Möbel nicht, wie man sieht. Sie wollen sich nicht am Zeitgeist kurzlebiger Moden orientieren.
Foto Hersteller
17 / 26
Bauhaus-Designer und skandinavische Kollegen wie Arne Jacobsen und Co. wollten praktische, bezahlbare Möbel wie diese Modelle im Bild entwerfen. Heute kosten diese von Fritz Hansen produzierten Modelle oft vierstellige Beträge. Warum ist das so teuer? Jürgen Laub: „Die Möbel sind handwerklich aufwendig gemacht, aber bis in die 60er Jahre hinein war Handwerk billig. Heute ist es umgekehrt. Arne Jacobsen würde heute sicher anders vorgehen beim Entwerfen und den handwerklichen Anteil reduzieren.“
Foto Hersteller
18 / 26
Der Stuttgarter Möbelbauer Hans Knoll hat in den USA ein Möbelimperium aufgebaut und viele Designklassiker im Programm, wie diesen Drahtstuhl von Harry Bertoia. Jehs+Laub haben bei ihrem Sessel sowohl das Gittermotiv aufgegriffen . . .
Foto Jehs+Laub
19 / 26
. . . als auch den Quilt, also zusammengenähte Stoffreste. Denn Knoll produziert seine Möbel in der Gegend, in der dieses Handwerk Tradition hat. Mit einem kleinen Modell überzeugten sie den Chefdesigner der Firma für ihren Entwurf.
Foto Hersteller/Knoll
20 / 26
Bevor ein Möbel auf den Markt kommt, wird an Prototypen und Modellen getüftelt...
Foto Hersteller
21 / 26
... und zwar ganz traditionell an der Werkbank . . .
Foto Hersteller
22 / 26
. . . um die Sitzqualität und Stabilität zu prüfen. Anspruch der Stuttgarter Designer ist es, „richtig gute Produkte zu machen, die „möglichst für immer Gültigkeit haben“, wie Markus Jehs sagt. Aufgabe des Designers sei es, „gegen die Beliebigkeit zu arbeiten. Wir versuchen, Fehler zu finden und auszumerzen.“
Foto Hersteller
23 / 26
Die Sitzschale sieht schon gut aus, noch ist der Fuß zu gestalten.
Foto Hersteller
24 / 26
Standfest sollte er sein, der Loungechair „J+L“.
Foto Hersteller
25 / 26
Den Loungesessel von Jehs+Laub für Knoll International gibt es mit Stoffbezug und in edlem Leder.
Foto Hersteller
26 / 26
Möbelmacher Knoll produziert nicht nur Harry Bertoias Drahtstuhl, sondern auch den berühmten Tulip-Tisch von Designstar Eero Saarinen. Für den Stuttgarter Designer Jürgen Laub ist dies ein nahezu perfekter Tisch, wie er sagt: „Ziemlich perfekt ist der Tisch von Eero Saarinen: Beinfreiheit ist gegeben, er besteht nur aus zwei Teilen und sieht sehr organisch aus, wie ein Baum, der aus dem Boden wächst.“