Er ist gebürtiger Stuttgarter, spielte in der Jugend für VfB und Kickers – und kommt nun als Nummer eins des 1 .FC Heidenheim zum Bundesliga-Duell. Was empfindet Diant Ramaj?
Die Karten für die Eltern hat Diant Ramaj selbstverständlich organisiert, ein Parkschein dagegen ist nicht nötig. Wenn sie ihren Sohn am Sonntag (15.30 Uhr) in der MHP-Arena beim VfB Stuttgart im Tor des 1. FC Heidenheim sehen wollen, brauchen sie von zu Hause zu Fuß keine 15 Minuten, um im Stadion zu sein. Kein Wunder, dass der 24-Jährige vor dem Bundesliga-Duell in Bad Cannstatt sagt: „Das ist wie ein Heimspiel für mich.“
Ramaj ist in Stuttgart geboren und in Bad Cannstatt aufgewachsen. Bei der SpVgg Cannstatt ging im Alter von sechs Jahren alles los. Über den VfB (U 11 bis U 14) und die Kickers (U 14 bis U 17) ging es zum 1. FC Heidenheim (2018 bis 2021). Es folgten die Stationen Eintracht Frankfurt (2021 bis 2023), Ajax Amsterdam (August 2023 bis Februar 2025) und FC Kopenhagen (Februar bis Juni 2025), ehe er vor dieser Saison wieder auf der Ostalb landete. Ausgeliehen von Bundesligist Borussia Dortmund, der ihn auch schon beim dänischen Rekordmeister geparkt hatte. Beim BVB besitzt Ramaj seit Februar 2025 einen Vertrag bis 2029.
Fernziel: Nummer eins bei Borussia Dortmund und in der deutschen Nationalmannschaft
„Ich bereue bisher keinen einzigen meiner Schritte. Jeder einzelne hat mich weitergebracht“, betont der 1,89-Meter-Mann mit den Wurzeln im Kosovo. Sein klares Fernziel ist es, sich als Nummer eins bei den Schwarz-Gelben durchzusetzen, um irgendwann auch für die deutsche Nationalelf ein Thema zu sein. „Es wäre überhaupt nichts Beschämendes, beim BVB Nummer zwei zu sein. Das wäre für viele ein Traum, doch ich will mich zeigen, Spielpraxis ist für mich essenziell, um besser zu werden und weiter nach oben zu kommen“, stellt Ramaj klar.
Als er äußerte, er sei zu gut, um sich in Dortmund auf die Bank zu setzen, legten ihm dies manche als Arroganz aus. Dabei war es einfach nur ehrlich und Ausdruck seines Selbstvertrauens: „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“, hat er in diesem Zusammenhang einmal gesagt. Und würde es auch in Zeiten glattgebügelter Zitate wieder tun: „Nur das zu sagen, was andere hören wollen, war noch nie mein Ding.“
Cupsieg mit Kopenhagen. Foto: IMAGO/Gonzales Photo
Frank Schmidt mag solche Typen, die mit ihren Aussagen auch mal forsch ums Eck kommen. Doch entscheidend ist für den Heidenheimer Langzeitcoach natürlich die Leistung. Und diesbezüglich war der 51-Jährige schon vor dem ersten Training zu 100 Prozent von Ramaj überzeugt, ernannte ihn an Stelle von Urgestein und Publikumsliebling Kevin Müller (seit 2015 beim FCH) „aus sportlichen Gründen“ zur Nummer eins, was im Umfeld für mächtig Wirbel sorgte.
Diant Ramaj hat enge Verbindung zum Torwartrainer des 1. FC Heidenheim
Wie Ramaj die Situation aktuell bewertet? „Kevin und ich müssen nicht die besten Freunde sein, aber wir respektieren uns, geben Gas, alles läuft sehr professionell und sportlich ab.“ Überhaupt habe der Verein gewusst, was er an ihm habe, was seine Spielweise für Impulse bringe.
Mit FCH-Torwarttrainer Bernd Weng saß er schon als 16-Jähriger gemeinsam mit seinem Vater Dukagjin zusammen, als Weng ihn zum Wechsel von den Kickers nach Heidenheim überzeugte. Auch später riss der Kontakt nie ganz ab. Vergangene Saison überzeugte Ramaj zweimal in den Conference-League-Spielen gegen den FCH im Dress des FC Kopenhagen, mit dem er in Dänemark Meisterschaft und Pokalsieg feierte.
„In Deutschland ist das kaum registriert worden“, hat Ramaj festgestellt. Trotz anderer – auch internationaler – Angebote entschied sich der verheiratete Vater eines einjährigen Jungen fürs heimatnahe Heidenheim. Dort steht er im Fokus. Dort will er der Mannschaft helfen. Dort will er Verantwortung übernehmen. Und am Ende den Klassenverbleib erreichen. „Schon beim HSV zeigten wir eine gute Leistung, doch der jüngste Sieg gegen Augsburg war natürlich äußerst wichtig“, sagt Ramaj.
Diant Ramajs Tipp für das Spiel beim VfB Stuttgart lautet 1:0-Sieg
Den Rückenwind wollen er und sein Team mit nach Stuttgart nehmen: „Wir fahren hin, um etwas zu holen.“ Sein Tipp für Sonntag? „Ich hoffe auf ein 1:0, vielleicht durch einen Standard“, sagt er mit einem Lächeln. Zumindest in einem Haus in Bad Cannstatt würden sie darauf bestimmt mit einem zufriedenen Lächeln anstoßen.