1. FC Heidenheim gegen Gladbach Patrick Mainka: „Rückschläge dürfen nicht zur Resignation führen“

Dauerbrenner Patrick Mainka hat seit dem Bundesligaaufstieg des 1. FC Heidenheim keine Sekunde auf dem Spielfeld verpasst. Foto: Baumann

Ein Sieg aus zehn Spielen, Tabellenschlusslicht – der 1. FC Heidenheim steckt in der Krise. Kapitän Patrick Mainka sagt vor dem Duell mit Mönchengladbach, wie das Team damit umgeht.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Nach dem 0:6 in Leverkusen stellte sich Trainer Frank Schmidt erstmals nicht mehr vor die Mannschaft. Welche Lehren ziehen die Spieler des 1. FC Heidenheim vor dem Heimspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr) gegen Borussia Mönchengladbach daraus? Kapitän Patrick Mainka (31) gibt Auskunft.

 

Herr Mainka, beim 0:6 in Leverkusen hat ein FCH-Fan symbolisch eine weiße Fahne geschwenkt. Wie viel Hoffnung haben Sie dennoch auf den Klassenverbleib?

Die Hoffnung ist unverändert groß. Uns ist bewusst, dass das Spiel in Leverkusen in allen Belangen schlecht war. Aber zum Glück ist es erstmal nur ein einzelnes Spiel gewesen. Unsere Aufgabe ist es nun, dass sich ein solches Auftreten nicht mehr wiederholt. Deswegen habe ich weiterhin einen großen Glauben an unser großes Ziel Klassenerhalt.

Trainer Frank Schmidt sprach nach dem Debakel von einer „Rasur ohne Schaum“, monierte fehlenden Kampf. Wie erklären Sie sich die mangelnde Einstellung? Und wie haben Sie das Thema in der Länderspielpause aufgearbeitet?

Ich denke, dass es keine einfachen Erklärungen für einen solchen Auftritt gibt. Kein Spieler ist mit einer schlechten Einstellung in das Spiel gegangen. Aber wir haben es nicht geschafft, uns nach dem frühen Rückschlag aufzuraffen und aus dem Loch herauszukämpfen. Rückschläge dürfen nicht zur Resignation führen. Und das ist uns leider in Leverkusen passiert, sodass es ein Spiel wurde, in dem wir uns nicht aus so einem Loch rausarbeiten konnten. In der Länderspielpause haben wir zunächst vor allem am Zweikampfverhalten gearbeitet und hatten viel Intensität im Training. Dann haben wir das Wochenende nochmal Zeit gehabt, um auch den Kopf freizubekommen. Die Verarbeitung des Leverkusen-Spiels hat auch ein paar Tage länger gedauert. Aber seit dem Start der Trainingswoche war es dann auch endgültig aus den Köpfen und wir konnten fokussiert arbeiten.

Ständig im Austausch: Mainka, Schmidt (re.) Foto: IMAGO/Ulrich Hufnagel

 

Frank Schmidt hatte sich erstmals nicht mehr vor die Mannschaft gestellt. Wie alarmierend ist das für Sie? Befürchten Sie, dass er irgendwann einmal sogar das Handtuch werfen könnte?

Nein, unser Trainer hat sich noch nie von Herausforderungen oder Widerständen beeinflussen lassen, sondern ist ihnen immer mit voller Attacke entgegengetreten. Klar ist, dass es eine schwierige Situation momentan ist, aber er setzt alles daran, dass wir uns gemeinsam daraus herausarbeiten. Und dabei ist es auch nicht alarmierend, dass er uns als Mannschaft nach einem Auftritt wie in Leverkusen in die Pflicht nimmt. Jeder Spieler bei uns sollte den Anspruch haben, in der Bundesliga konkurrenzfähig zu sein. Davon waren wir als Truppe und jeder einzelne Spieler weit entfernt. Deswegen sollte sich auch jeder erstmal an die eigene Nase fassen.

Nicht nur das Trainerteam müsse Lösungen finden, auch die Mannschaft. Welche haben Sie auf Lager? Wo müssen Sie ansetzen?

Grundsätzlich muss erstmal jedem Einzelnen bewusst sein, in welcher Situation wir uns befinden und dass wir keinen so herausragenden Einzelspieler haben, der uns aus der Situation retten kann. Es wird, wie übrigens schon immer in Heidenheim, nur über das Kollektiv gehen. Zudem müssen wir in den sogenannten Basics immer ans Limit oder darüber hinausgehen, um für Punkte in Frage zu kommen. Das ist keine einfache Aufgabe, aber jeder muss sich an jedem Spieltag in die Lage versetzen, an dieses Limit zu kommen. Dazu müssen wir besser mit Rückschlägen in Spielen umgehen können. Wir schaffen es noch zu selten, nach einem Rückstand nochmal zurückzufinden.

Jetzt ist auch noch Ihr Ex-Torjäger Tim Kleindienst vor dem Duell des FCH gegen seine Gladbacher wieder fit geworden. Wie richtungsweisend wird dieses Spiel und was macht Sie optimistisch, den zweiten Saisonsieg zu landen?

Nach so einer bitteren Niederlage ist es zum einen für die allgemeine Stimmung, zum anderen auch für die Tabelle ein immens wichtiges Spiel. Gladbach ist gut in Form und hat neben Tim auch noch weitere sehr gute Einzelspieler. Trotzdem haben wir in den letzten Heimspielen gezeigt, dass wir auf dem Schlossberg auch vermeintlich stärkere Gegner vor Probleme stellen können. Die Aufgabe ist nun, am Samstag den Gladbachern so viele Probleme zu bereiten, dass sie keine Lösungen mehr finden können. Dafür benötigt es Emotionen und Intensität.

Sie standen seit dem Bundesligaaufstieg in allen 78 Punktspielen von der ersten bis zur letzten Minute auf dem Platz. Wie schaffen Sie es, ohne Sperren und Verletzungen durchzukommen?

Meine Spielweise ist grundsätzlich zwar sehr robust, aber dennoch fair. Außerdem bekomme ich selten unnötige Gelbe Karten. Zudem ist mir – und das sollte jedem bewusst sein – klar, dass Gesundheit einfach das wichtigste Gut von uns allen ist. Dafür arbeite ich in der Vorbereitung und Nachbereitung der Trainingseinheiten beziehungsweise der Spiele sehr intensiv. Insgesamt gehört da viel harte Arbeit und Disziplin dazu. Aber das zahlt sich für mich zum Glück aus.  

Warum bleibt der FCH in der Bundesliga?

Weil wir es als Verein immer geschafft haben, auch in schwierigen Situationen, die Ruhe zu bewahren und ein starkes Kollektiv auch vermeintlich aussichtslose Situationen meistern kann.

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