Er hat zu Verbandsliga-Zeiten beim FCH angeheuert, hat ihn in der Oberliga als Trainer übernommen und bis in den Europapokal geführt. Als nun am Donnerstagabend durch die 1:3-Niederlage nach Verlängerung gegen den FC Kopenhagen das Aus in den Play-offs der Conference League amtlich und damit der Trip durch Europa beendet war, da musste sich der Heidenheimer Erfolgscoach Frank Schmidt erst einmal sammeln: „Wir haben hier richtig einen in die Fresse bekommen“, sagte die Trainerikone von der Ostalb, „das tut sehr weh.“
Schließlich war sein spielerisch limitiertes Team erst nach 0:2-Rückstand in der Schlussphase der Partie gegen den dänischen Tabellenführer kämpferisch so richtig aufgewacht, hatte sich nach dem 2:1-Hinspielsieg durch das wunderbare Freistoßtor des Brasilianers Leonardo Scienza (73.) zum 1:2 vor heimischem Publikum noch in die Verlängerung gerettet. Dort scheiterte man letztlich mit Pech am gegnerischen Pfosten und trotz eines Tores von Marvin Pieringer zwei Minuten vor Abpfiff, weil dieses zu Recht wegen Handspiels aberkannt wurde.
So machten die Dänen in der 114. Spielminute den entscheidenden Treffer zum 3:1 durch Rodrigo Huescas – und der Heidenheimer Kapitän Patrick Mainka sagte: „Es war eine schöne Reise, aber die Betonung liegt auf war, denn leider ist sie jetzt vorbei.“ Während der FC Kopenhagen weiter ins Achtelfinale der Conference League zog, wo man nun in zwei Duellen auf den FC Chelsea trifft, bleibt für den FCH-Coach Schmidt und sein Team allein der Überlebenskampf in der Bundesliga übrig.
Bisher keine Punkte gegen Leipzig
„Wir müssen alles dafür tun, dass wir aufgerichtet aufs Feld gehen und uns nicht irgendwie vergraben wollen“, sagte Schmidt mit Blick auf das schwere Bundesliga-Gastspiel an diesem Sonntag (14.30 Uhr) bei RB Leipzig. Einen Gegner, gegen den die müden Recken von der Ostalb in bisher drei Erstligapartien dreimal verloren haben. „Wir müssen schauen, dass wir bis zum Sonntag irgendwie wieder Energie tanken“, erklärte Schmidt, der das Szenario vor dem Ligaduell in Sachsen schon bemerkenswert fand: „Heidenheim spielt unter der Woche international – und Leipzig hat Zeit, sich ausgeruht auf das Spiel vorzubereiten. Das ist man ja nicht gewohnt.“
Bislang hatten die Partien auf internationalem Parkett den Heidenheimern stets als willkommenes Kontrastprogramm zum Ligaalltag gedient. „Es hat viel Spaß gemacht, aber auch Kraft gekostet“, sagte Pieringer zu dem Umstand, dass auch Topclubs aus dem obersten Regal wie der FC Chelsea auf dem Heidenheimer Schlossberg zu Gast waren.
Das ist vorbei: Nun liegt der Fokus voll auf der nationalen Liga, wo der FCH die vergangenen fünf Spiele verloren hat – und aktuell mit sieben Punkten Rückstand auf das rettende Ufer knapp vor dem VfL Bochum und Holstein Kiel auf dem Relegationsplatz 16 rangiert.
Dabei zeigte auch die Partie gegen den keineswegs überragend auftretenden FC Kopenhagen, dass der 1. FC Heidenheim in dieser Saison eine spielerisch limitierte Mannschaft stellt, die deutlich unter dem Niveau der Elf aus der Vorsaison agiert. Prominente Abgänge wie die von Jan-Niklas Beste oder Tim Kleindienst haben dem Club weh getan. Dazu kommt, dass andere Spieler in der Vorsaison getragen von der Aufstiegseuphorie quasi überperformt haben – und nun wieder Normalform zeigen.
„Wir werden eine Schippe drauflegen müssen, sonst reicht es am Ende nicht“, sagte Schmidt, der weiter Ruhe bewahrt: „Wir müssen jetzt die Ohrenschützer aufziehen – und durch dieses Tal durch.“ Punktet der FCH, dessen Fans die schwierige Situation mit einer Mischung aus Leidenschaft und Verständnis begleiten, am Sonntag in Leipzig, wäre dies ein gern genommener Bonus. Um wenigstens Platz 16 zu halten, gehören Siege in den beiden noch ausstehenden Heimspielen gegen Bochum und Kiel dagegen zum absoluten Pflichtprogramm.