1. FC Heidenheim in der Fußball-Bundesliga Der FCH steigt auf – weil der Club lebt, wovon andere nur reden

Jubelnde Heidenheimer: Bald sieht man den FCH auch in der Bundesliga. Foto: imago/Eduard Martin

Der Aufstieg des 1. FC Heidenheim ist das Resultat kontinuierlicher und bodenständiger Arbeit, kommentiert unser Autor Dirk Preiß, der auch sagt: Will der Club in der Bundesliga bestehen, muss er genau so weitermachen.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Womöglich hätten sich die Granden im Hause der Deutschen Fußball-Liga (DFL) mit Blick auf die Vermarkbarkeit ihres Premiumprodukts einen anderen Aufsteiger gewünscht. Doch wird in der kommenden Saison (wohl) nicht im Volksparkstadion des Hamburger SV (Fassungsvermögen 57 000 Zuschauer) Bundesligafußball gespielt – vorbehaltlich der Relegationsspiele. Auch nicht in der Merkur-Spiel-Arena in Düsseldorf (54 600). Und ebenso wenig in der Heinz von Heiden Arena am Maschsee von Hannover (49 000). Auch kehrt weder der FC St. Pauli ins Oberhaus zurück noch der ruhmreiche 1. FC Nürnberg.

 

Stattdessen erstmals mit dabei im elitären 18-er Kreis der besten deutschen Fußball-Teams: der 1. FC Heidenheim, der seine Heimspiele in der 15 000 Zuschauer fassenden Voith-Arena austrägt.

Auf dem nicht selten im Ostalb-Nebel liegenden Schlossberg gibt sich künftig also die deutsche Kicker-Prominenz die Ehre. Und was sich anhört wie ein Scherz der Fußball-Götter ist zum einen ein nicht gerade kleines Sport-Märchen – weil der Club vor 25 Jahren noch in der Landesliga beheimatet war. Zum anderen ist es das Resultat von richtig guter Arbeit über einen langen Zeitraum, realistischen Visionen und ganz viel Bodenständigkeit.

Personelle Kontinuität wird gelebt

Schritt für Schritt hat sich der FCH in den vergangenen zwei Jahrzehnten entwickelt, hat sich nach und nach professioneller aufgestellt, auch mal Geld von außen in den Club geholt und viele richtige Entscheidungen getroffen. Die vermutlich wichtigste: von personeller Kontinuität auf den Schlüsselpositionen nicht nur zu reden, sondern sie zu leben.

Holger Sanwald ist seit 1994 der Fußballchef an der Brenz. Seit 2007 ist Cheftrainer Frank Schmidt im Amt. Das gegenseitige Vertrauen der beiden in den gemeinsamen Weg ist riesengroß – und ein riesengroßer Trumpf in der Arbeit mit den Spielern, aber auch mit Partnern und Sponsoren. Eine derartige Verlässlichkeit kann im deutschen Profifußball höchstens noch der SC Freiburg vorweisen.

Natürlich profitiert der 1. FC Heidenheim auch davon, dass die genannten Großclubs ihre Möglichkeiten zuletzt nicht einmal annähernd nutzten und stattdessen Fehler um Fehler begangen haben. Doch ist es auch eine besondere Leistung, die einstige Fußballabteilung des Heidenheimer SB in die Situation gebracht zu haben, diese Schwächen auch ausnutzen zu können – sogar im Rennen um den Bundesligaaufstieg.

Die Ostalb ist nun also Erstliga-Standort. Das klingt für die Beteiligten wunderschön, birgt aber auch die eine oder andere Verlockung. Diesen zu widerstehen und stattdessen die bisherige so erfolgreiche wie nachhaltige Herangehensweise – sportlich, wirtschaftlich und strukturell – beizubehalten, muss dennoch das Credo der Heidenheimer sein. Damit der vergleichsweise kleine FCH mit seiner ihm eigenen Art dort bestehen kann, wo manch Großer gerne wäre.

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