1. Göppinger SV Das sind die Erwartungen und Ambitionen von Trainer Gianni Coveli

Gianni Coveli stellt sich und seine Spieler auf eine herausfordernde Saison ein. Foto: IMAGO/Eibner/IMAGO/Eibner-Pressefoto/Silas Schuelle

Trainer Gianni Coveli freut sich mit Aufsteiger 1. Göppinger SV auf das Abenteuer Regionalliga. Was sind seine Erwartungen, können alle Heimspiele zu Hause ausgetragen werden, und ist die Rückkehr von Kevin Dicklhuber ein Thema?

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Aufsteiger 1. Göppinger SV startet am 27. Juli (14 Uhr) beim SGV Freiberg in die neue Saison der Fußball-Regionalliga. Trainer Gianni Coveli spricht über die Ziele, möglichen personellen Nachschlag und das große Vorbild 1. FC Heidenheim.

 

Herr Coveli, Sie sind seit 25 Jahren im Trainergeschäft. Wird die kommende Saison die spannendste Ihrer Karriere?

Schwere Frage. Es wird sicherlich das Anspruchsvollste, was auf mich zu kommt. Was die Spannung betrifft, ist die vergangene Saison schwer zu toppen. Es war ein heftiges Auf und Ab – auf den letzten Drücker haben wir die Aufstiegsrunde erreicht und uns dann mit zwei Siegen gegen starke Gegner durchgesetzt. Der Jubel war riesig. Alle hatten Grund, den Erfolg zu genießen. Doch relativ schnell war wieder harte Arbeit angesagt.

Was macht Sie optimistisch?

Unser funktionierendes Kollektiv. Die Jungs gehen füreinander durchs Feuer. Deshalb wird es nicht einfach werden, uns zu besiegen.

Das große Ziel heißt Klassenverbleib?

75 Prozent der Vereine arbeiten unter Profibedingungen, wir zählen nicht dazu. Deshalb geht es in der ersten Saison tatsächlich einzig und allein darum drinzubleiben. Gelingt dies, hast du die Chance, dich nachhaltig zu entwickeln. Doch zunächst geht es nur darum, sportlich und strukturell auf das nötige Niveau zu kommen. Dies ist ein Prozess, der uns mindestens bis zur Winterpause begleiten wird.

Im und ums Stadion an der Hohenstaufenstraße gilt es noch, Auflagen zu erfüllen. Wie ist der aktuelle Stand?

Wir befinden uns auf einem sehr guten Weg, vor allem weil uns auch die Stadt bestmöglich unterstützt. Wir sind dabei, Punkt für Punkt abzuarbeiten. Am Anfang war sehr viel Rot, jetzt befinden wir uns schon in einem Bereich, in dem sehr viel Grün ist. Am Schluss sollen alle Punkte auf Grün stehen.

Highlight gegen die Kickers

Sie mussten ein Ausweichstadion benennen, haben dies mit der Arena in Aalen auch getan. Wie sicher sind Sie, dass alle 17 Heimspiele in Göppingen ausgetragen werden können?

Ganz sicher können wir uns nicht sein, da dies letztendlich die Polizei entscheidet, die diese sogenannten Risikospiele auch koordiniert. Unser Bestreben, unser Wunsch ist es, dass wir die Voraussetzungen schaffen, diese Spiele stemmen zu können. Ich bin guter Dinge, dass wir bis zum Spiel gegen die Stuttgarter Kickers am 31. August schon sehr, sehr viel umgesetzt haben. Auf dieses Highlightspiele freue ich mich jetzt schon.

Die Kickers sind im Vorjahr als Aufsteiger um ein Haar aufgestiegen . . .

. . . deshalb können wir sie aber noch lange nicht als Vorbild nehmen, davon sind wir meilenweit entfernt. Unser Vorbild ist eher der 1. FC Heidenheim, der den Weg der kleinen Schritte gegangen ist und sich kontinuierlich weiterentwickelt hat.

Heidenheim spielt jetzt Bundesliga. Ist so etwas in Göppingen, selbst in ferner Zukunft, überhaupt auch nur ansatzweise denkbar?

Ich werde jetzt sicher nicht von der Bundesliga sprechen, aber klar ist, es tun sich viele Parallelen auf. Es gibt in Heidenheim ein stetiges Wachstum, der Sponsorenpool vergrößert sich von Jahr zu Jahr, es wird regelmäßig in die Strukturen investiert, die handelnden Personen, mit Vorstandschef Holger Sanwald und Trainer Frank Schmidt, sind seit vielen, vielen Jahren im Amt. Von daher kann eigentlich nur Heidenheim unser Vorbild sein.

Sie verkörpern beim GSV praktisch Sanwald und Schmidt in Personalunion. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut, zumal Sie auch noch Ihr Sportartikelhersteller-Unternehmen führen?

(Lacht) Ab und zu gehe ich schon am Anschlag. Aber es macht sehr viel Spaß, auch wenn es viel Kraft kostet. Wir haben viele ehrenamtliche Helfer, die seit Jahren sehr viel Herzblut in den Verein einbringen. Zudem habe ich mit Gioacchino Colletti neben Daniel Budak nun einen zweiten Co-Trainer dazubekommen, das bringt uns mehr Variationsmöglichkeiten bei der Trainingsgestaltung und entlastet auch mich. Denn klar ist, wir müssen den Aufwand eine Liga höher schon steigern.

„Freiberg zählt zu Topteams“

Zum Auftakt geht es zum SGV Freiberg. Wie schätzen Sie den württembergischen Konkurrenten ein?

Freiberg zählt für mich zu den Topmannschaften. Ich erwarte das Team von Roland Seitz unter den ersten sechs. Ich bin sicher, der SGV wird auch noch personell nachlegen.

Genauso wie vor Schließung des Transferfensters am 30. August auch der 1. GSV?

Wir schauen, was sich noch anbietet. Wir müssen zumindest auf der defensiven linken Außenbahn noch was tun, da wir auf dieser Position mit Frederik Schumann an Drittligist VfB Stuttgart II einen sehr guten Mann verloren haben.

Cedric Guarino spielt genau auf dieser Position, die Stuttgarter Kickers würden ihn ziehen lassen, und Kontakte soll es bereits geben. Wie ist der Stand?

Wir befassen uns mit einigen Namen, wir stehen nicht unter Druck und müssen nicht sofort eine Entscheidung treffen.

Könnte auch eine Rückkehr von Kevin Dicklhuber ein Thema werden?

(Lacht) Dickl hat noch Vertrag bei den Kickers bis zum Saisonende. Wenn der Vertrag ausläuft, er gesund bleibt, dann kann man immer über ihn nachdenken, zumal er praktisch vor der Haustür in Ottenbach wohnt.

Und früher?

Wie gesagt, wenn sich eine Konstellation ergibt, er auf mich zukommt, würde ich mich mit ihm an einen Tisch setzen. Aber momentan ist das nicht der Fall, also muss ich mir auch keine Gedanken machen.

Wer sind Ihre Favoriten?

Kickers Offenbach unternimmt erneut große Anstrengungen, die Stuttgarter Kickers werden vorne mit dabei sein, genauso der FC 08 Homburg, auch Barockstadt Fulda-Lehnerz habe ich auf dem Zettel. Die zweiten Mannschaften kann ich noch schlecht einschätzen.

Zur Person

Karriere
Gianni Coveli wurde am 31. Juli 1970 in Stuttgart geboren. Der Mittelfeldspieler war von 1984 bis 1990 für die Stuttgarter Kickers am Ball, danach für die TSF Ditzingen, die SpVgg 07 Ludwigsburg und den TSV Schwieberdingen. Als Trainer arbeitete er für TSV Schwieberdingen, die SpVgg 07 Ludwigsburg, den FSV 08 Bissingen und seit 2014 für den 1. Göppinger SV, mit dem er 2016 in die Oberliga und 2024 in die Regionalliga aufstieg. Auch mit seinen vorherigen Clubs gelangen ihm insgesamt drei Aufstiege als Trainer.

Persönliches
Coveli ist verheiratet mit Ute. Das Paar hat die Kinder Nina und Colin und wohnt in Esslingen. Er betreibt das Sportartikelhersteller-Unternehmen SX Pro Solutions mit Sitz in Esslingen. (jüf)

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