Abstieg statt Hoffnung – für die SV Böblingen hat sich die Lage am vorletzten Saisonwochenende der 1. Regionalliga Süd dramatisch verändert. Der Traum vom Klassenerhalt in der dritthöchsten deutschen Feldhockey-Spielklasse hat sich durch ungünstige Resultate der Konkurrenz und den eigene Niederlagen gegen HTC Würzburg (2:3) und ASV München (2:6) zerschlagen.
Den ersten Stimmungsdämpfer gab es bereits am Samstagnachmittag vor Beginn der ersten Partie gegen Würzburg. Der Böblinger Hauptkonkurrent um den Klassenerhalt, TSV Schott Mainz, hatte sein Auswärtsspiel bei Rot-Weiß München überraschend mit 2:0 gewonnen. Das erhöhte den Druck auf die SVB, die in der virtuellen Tabelle plötzlich mit vier Punkten im Hintertreffen lag.
Bei sengender Hitze bekam die Kreisstädter in der ersten Halbzeit kein zwingendes Kombinationsspiel aufgezogen. Bis auf eine technisch komplett misslungene Strafecke und eine von Stürmer Frederick Maack am langen Pfosten knapp verpasste Flanke gab es keine Aussichten auf Tore. Auch Würzburg hatte nicht viele Tormöglichkeiten, aber nutzte eine davon nach einem Böblinger Ballverlust im Spielaufbau zum 0:1 (16.), mit dem es auch in die Pause ging.
Bald nach Wiederbeginn erhöhten die Gäste, für die es um nichts mehr Großes ging, auf 0:2 (33.). Erst ab diesem Moment schien ein Ruck durch die Heimmannschaft zu gehen, die nun mutiger vorne anlief. Nach 43 Minuten gab es ein erstes Hoffnungszeichen, als Maack links durchgebrochen war und aus spitzem Winkel den Würzburger Torwart überwinden konnte – das gab noch einmal spürbar Rückenwind.
Kurz danach kratzte der HTC-Schlussmann eine stark geschossene Strafecke von Shonahur Sobuj aus dem Winkel. Besser machte es auf der Gegenseite Würzburg mit einer unter die Latte gehämmerten Strafecke zum 1:3 (47.). Noch einmal arbeiteten sich die Böblinger heran, als Jona Meyer die fünfte Strafecke zum 2:3 (53.) verwandelte. Die Hoffnung auf wenigstens einen Punkt blieb jedoch unerfüllt.
Um den vorzeitigen Abstieg abzuwenden, hätte die SVB am Sonntag gegen den ASV München mindestens ein Unentschieden gebraucht. Die Hoffnung lebte umso mehr, als „Rocky“ Hasan gleich nach zwei Minuten auf Vorlage seines Bangladesh-Kollegen Sobuj den Ball ins Münchner Tor ablenkte. Doch der Gegner zeigte sich unbeeindruckt und bewies, ähnlich wie beim 12:1-Kantersieg im Hinspiel, seine offensiven Qualitäten. Bis zur 13. Minute hatte der ASV per Siebenmeter, Strafecke und ein Feldtor den Spielstand zum 1:3 gedreht. Die Gastgeber blieben trotzdem gut im Spiel, lieferten einen beherzten Kampf und bekamen den Lohn in Form des 2:3 durch Sebastian Kranz (14.).
Nach dem torreichen ersten Viertel fielen länger keine Tore. Kurz nach der Halbzeit, als die Platzhirsche dreimal dicht am Ausgleich waren, platzte ein zweites Münchner Eckentor zum 2:4 (33.) dazwischen. Und trotzdem war die SVB weiterhin bestens im Spiel. Mit ihrer spielerisch wohl besten Saisonleistung zwang sie den Gegner immer wieder zu Fehlern und holte eine Strafecke nach der anderen heraus. Am Ende blieben alle zwölf Versuche aber ungenutzt – ganz anders als beim Gegner. Der nutzte kurz vor Ende nämlich auch seine dritte zum entscheidenden 2:5 (57.), ein weiterer Konter brachte schließlich sogar noch einen Treffer (59.).
„Abgestiegen sind wir bestimmt nicht mit diesem Spiel. Bis auf die Chancenverwertung war das wirklich gut anzuschauen. Eine solche Leistung wie heute hätte uns in anderen Spielen zu mehr Punkten verholfen“, fasste Kapitän Claudius Müller die Partie und ein Stück weit die Saison zusammen.
„Ich bin noch nie in meinem Trainerleben abgestiegen. Es tut mir leid, dass es hier und jetzt passiert ist“, hätte sich Interimscoach Gerd Rach ein besseres Ende gewünscht. „Wir haben uns selber nicht belohnt – heute wie auch in manchen Spielen zuvor.“
SV Böblingen: Lampert, C.Müller, Babu, E.Müller, Panagis, Wilke, Babu, Sobuj, Schlichtig, Ciafardini, Scheufele, Kranz, Maack, Meyer, Gaiser, Hasan, von der Mülbe, Herrmann.