1. Mai in Ehningen „Und hoch!“ – das Maibaum-Aufstellen schweißt alle zusammen

Mit voller Kraft wird der Ehninger Maibaum an seinem Bestimmungsort angebracht. Foto: Stefanie Schlecht

Vielerorts wurden am 1. Mai im Kreis Böblingen Maibäume errichtet. In Ehningen übernimmt das der Liederkranz. Für den Verein ist das ein Einsatz, der vor allem Zusammenhalt erfordert.

Mit etwas banger Miene blickt der Liederkranz-Vorsitzende Manfred Klinger auf die Wiese vor der Ehninger Turn- und Festhalle, wo seine Vereinskollegen gerade mit Helmen ausgestattet auf den Maibaum zusteuern. Noch liegt das rund 24 Meter lange Monstrum auf der Erde, doch das soll sich gleich ändern. Laute Schüsse ertönen – das Startsignal der Schützengilde. Ein Traktor hebt den Maibaum langsam an. An dem Baumstamm sind sechs Stangen und mehrere Seile befestigt. Jede Stange und jedes Seil werden von jeweils drei Männern festgehalten.

 

„Das Maibaum-Aufstellen ist ein Arbeitseinsatz, der uns alle zusammenschweißt.“

Manfred Klinger, Vorsitzender des Liederkranzes

„Los“, kommandiert ein Mann, der bei dem Aufstellprozess das Sagen hat. Die unterschiedlich langen Stangen werden aufgesetzt, der Maibaum Stück für Stück nach oben gestemmt. Der mit bunten Bändern geschmückte Tannenbaum an der Spitze des Maibaums wackelt bedenklich, bleibt aber glücklicherweise an Ort und Stelle. „Und hoch“, ertönt die Stimme des Kommandanten. Mit einem beherzten Ruck erhebt sich der Maibaum vollends in die Luft und bleibt kerzengerade stehen. Applaus und Jubel ertönen – die Arbeit wäre geschafft.

Auch in Holzgerlingen ist das Maibaum-Aufstellen ein wichtiges Traditionsevent. Foto: Stefanie Schlecht

Ein solches Szenario erlebt man parallel dazu in vielen Gemeinden im Landkreis Böblingen. Das Maibaum-Aufstellen am und um den 1. Mai herum ist nämlich vielerorts Tradition. In Holzgerlingen kümmert sich darum zum Beispiel die freiwillige Feuerwehr. Dort wurde der Baum schon am Abend des 30. Aprils mit einem Pferdefuhrwerk auf den Rathausplatz gestellt und anschließend von den Feuerwehrfrauen und -männern aufgestellt.

Muskelkraft und Manpower braucht es in jedem Fall

Während die Technik des Aufstellens von Ort zu Ort schwankt, sind zwei Dinge immer nötig: Muskelkraft und Manpower. In Ehningen hat es eine gute halbe Stunde und rund 20 Mann dafür gebraucht, den Maibaum in Position zu bringen. „Wir haben sogar Unterstützung von zehn Ringern aus der Ringerabteilung des TSV bekommen“, verrät Manfred Klinger. Wie schwer so ein Maibaum ist, kann der Liederkranzvorsitzende nicht sagen. „Schwer genug, dass ich jedes Mal etwas nervös bin, ob alles gut geht“, gibt er zu.

Der Liederkranz Ehningen veranstaltet das Maibaumaufstellen mit Hocketse seit 1983. Passiert ist in all den Jahren nie etwas. Die Art und Weise, den Maibaum am Boden zu befestigen, hat der Liederkranz aber trotzdem vor einigen Jahren verändert. „Früher haben wir den Baum in einem Loch im Boden versenkt“, sagt Manfred Klinger. Das habe sich allerdings als recht instabile Lösung erwiesen. Inzwischen wird der Maibaum deshalb mit einer Scharnierkonsole fixgemacht. „Das ist deutlich weniger riskant.“

Das bisher jedes Jahr alles glatt verlief, liegt aber auch an der strukturierten Herangehensweise des Liederkranzes. „Wir planen die Veranstaltung Monate im Voraus“, erzählt Manfred Klinger. „Wir haben eine lange Checkliste, mit der wir abklären, ob an alles gedacht ist.“

Für den Liederkranz ist die Veranstaltung nicht nur eine Möglichkeit, die Vereinskasse aufzustocken. „Das Maibaum-Aufstellen ist ein Arbeitseinsatz, der uns alle zusammenschweißt“, sagt Manfred Klinger. Rund 60 Mitglieder packen mit an, sei es bei der Bewirtung, dem Aufstellen oder der Organisation. „Das ist einer unserer Beiträge für die Gemeinde“, sagt Manfred Klinger. „Ein Gemeinschaftsevent, bei dem der ganze Ort zusammenkommt.“

Rund 60 Mitglieder packen mit an

Die Gemeinschaft ist ein Punkt, der im Liederkranz generell besonders großgeschrieben wird. Das Thema ist sogar das Motto des 160-jährigen Jubiläums, das der Liederkranz in diesem Jahr feiert.

„Vor ein paar Monaten haben wir eine Umfrage durchgeführt, was den Mitgliedern bei uns besonders am Herzen liegt“, erzählt Manfred Klinger. „Auf Platz eins lag die Gemeinschaft, auf Platz zwei der Spaß und erst an dritter Stelle kam das Singen.“ Und wie kann man die Gemeinschaft besser fördern als bei einem solchen Kraftakt?

Brauch reicht bis ins Mittelalter

Tradition
Das Maibaum-Aufstellen ist ein Brauch, der bis ins Mittelalter zurückgeht. Der Baum gilt als Zeichen dafür, dass der Winter ein Ende hat und die fruchtbare Zeit des Jahres angefangen hat.

Aufbau
Maibäume werden in der Regel mithilfe von Muskelkraft, Stangen oder technischen Hilfsmitteln wie Kränen errichtet. In der Regel bleibt ein Maibaum bis zum Sommer oder Herbst im Ortskern stehen.

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