Bei der 22. Musiknacht in Kirchheim unter Teck hatten die mehr als 10 000 Besucher die Qual der Wahl zwischen wodkagetränktem Rock’n Roll und samtenem „Amore mio“.

Kirchheim - Da hat alles gepasst. In einer lauen Sommernacht spielten bei der 22. Kirchheimer Musiknacht am Samstag 65 Bands und Diskjockeys an 41 Standorten in der Innenstadt. Seinen besonderen Charme entfaltete die Musiknacht für die etwa 10 000 Besucher deswegen, weil sie die Möglichkeit hatten, sich treiben zu lassen und ungeplant Neues zu entdecken.

Bei der Tiefgarage Schweinemarkt sorgte Werner Dannemann für für verwundertes Augenreiben. Am Mikrofon gab sich Gunter Nething, langjähriger Redakteur der Stuttgarter Zeitung und Rock´n´Roll-Fan, die Ehre, unter anderem mit dem Titel „Johnny B. Goode“. Der SPD-Landtagsabgeordnete und Mitorganisator der Musiknacht, Andreas Kenner, spielte dazu die Mundharmonika. Dieser Auftritt sollte aber nicht die einzige Überraschung des Abends bleiben.

Ein irre grinsender Astronaut

Es fällt schwer, das Geschehene am Abend im Gewölbekeller von Alex’ Pub mit Worten zu beschreiben. Ein etwas irre grinsender Astronaut am Schlagzeug, ein Cowboy mit Fransenjacke und einer Hochgeschwindigkeits-Surfgitarre als Sänger und am Bass ein meist finster dreinblickender Mann wie ein Baum und einer Stimme so tief wie die russische Seele. Die Band Jancee Pornick Casino – The Rasputins of Rock beschreibt ihren Sound als „adrenalin- und wodkagetränkte Form des Rock’n’Roll“. Die Musik sei ein Cocktail aus Rockabilly, Country und russischen Chansons.

Es geht der Band aber nicht nur um Geschwindigkeit und Lautstärke. Über den Inhalt der Songs klärte Sänger Jancee zwischendurch immer wieder auf. „Der Song ‚Nutte auf Crack’ handelt nicht von einer Frau, er handelt von mir selbst.“ Die Band durchbrach die Schallmauer schon vor dem ersten Ton. Der Funke sprang rasch über, und das Publikum wurde ähnlich rasend wie der wilde Sänger, dem die rund fünf Quadratmeter große Bühne regelmäßig zu eng war, so dass er auch auf den Zuschauerraum übergriff.

An der Ecke Markt- und Dreikönigstraße sang Enzo Picone italienische Lieder, die das Herz rührten. Als der Sänger zum Mikrofon griff, dauerte es nicht lange, bis sich die ersten Paare in den Armen lagen. Seine gefühlvoll vorgetragenen Lieder wie „Amore mio“ fanden geschmeidig den Weg in die Herzen der Zuhörer. Zahlreiche weibliche Golden Ager schmolzen sichtlich zu Picones Melodien dahin.

Ein Hauch von Karibik

Am früheren Abend genossen die zahlreicher werdenden Besucher die warmen Sonnenstrahlen bei der dazu passenden Musik. Vor dem Stadtkino sorgten John Noville, Said und Dafine mit Interpretationen der Lieder von Bob Marley oder Shaggy für einen Hauch Karibik. Wer an einem der Hütten um die Bühne herum mit Limetten verfeinerte Getränke zu sich nahm und die Augen schloss, konnte das Rauschen des Meeres hören und den Sand zwischen den Zehen spüren.