Zusammenhalt unter Fußballfans: Der VfB-Fanclub Wild Boys sammelt Spenden, um einen Privatdetektiv zu finanzieren. Der Sohn eines ihrer Mitglieder ist seit Monaten verschwunden.
Der Fall des verschwundenen Yannick Garbas bewegt die Menschen. Jetzt hat der VfB-Fanclub Wild Boys, dem auch der Vater des Kindes angehört, eine Spendensammlung gestartet, um einen Privatdetektiv zu finanzieren.
„Der ausschlaggebende Punkt war, dass wir das Gefühl haben, dass nicht genug getan wird“, erklärt der Fanklubvorsitzende Michael Benedikt. Im August vergangenen Jahres gewinnt der 50-Jährige Richard Garbas den Prozess um das alleinige Sorgerecht für seinen elfjährigen Sohn.
Die Mutter ist mit dem Jungen untertaucht
Das Amtsgericht Vechta – in dessen Zuständigkeitsbereich die Mutter nach der Trennung von Richard Garbas gezogen war - stellte fest, dass die Übertragung des Sorgerechts auf den Vater unter anderem wegen der kriminellen Vorgeschichte der Mutter „zum Wohl von Yannick zwingend erforderlich“ ist. Die Frau wurde mehrfach wegen unterschiedlicher Betrugsfälle angeklagt.
Der Sohn zieht aber nie beim Vater ein, da die Mutter mit dem Jungen untertaucht. Gut ein halbes Jahr später erklärt die zuständige Staatsanwaltschaft Oldenburg, dass die Gesetzeslage nur wenig Handlungsspielräume für weitere Ermittlungen lässt: Das Verfahren wurde vorläufig eingestellt.
Die Hoffnungen des Vaters schwinden, aber aufgeben möchte er nicht: „Irgendwas muss ich machen. Ich habe Angst davor, dass ich irgendwann ein kaputtes Kind zurückbekomme“, sagte er in einem früheren Gespräch mit unserer Zeitung. Die Vermutung sei, dass die Mutter mit dem gemeinsamen Sohn ins Ausland geflüchtet ist. Er habe darüber nachgedacht, einen Privatdetektiv anzuheuern. Nach ersten Erkundigungen sei ihm jedoch schnell klar geworden, dass das finanziell für ihn nicht möglich sei.
Nächstes Ziel: Aktion soll in das Stadionheft des VfB
Hier kommt der Fanclub ins Spiel: „Wir haben Richard mehrfach gesagt, dass er doch einen Spendenaufruf starten soll, aber er wollte andere nicht um Geld bitten“, sagt Benedikt, der Richard Garbas vor etwa acht Jahren in der MHP-Arena kennengelernt hat. „Deswegen machen wir das jetzt für ihn. Wozu sind Freunde denn da?“ Der recht hohe Zielbetrag von 70 000 Euro sei realistisch für das Vorhaben. „Wir haben mit Richard besprochen, was es so kosten könnte.“ Allein die Akteneinsicht von mehreren Tausend Seiten werde zu Buche schlagen – und das bei einem durchschnittlichen Stundenlohn für Privatermittler zwischen 85 und mehr als 100 Euro. Bislang sind mehr als 6000 Euro an Spenden zusammengekommen (Stand: Freitag, 6. März).
Den VfB-Fanclub Wild Boys gibt es laut dem Club-Chef schon seit 36 Jahren. „Klein aber fein“, wie der 40-Jährige aus Mühlacker sagt. Er hat nur 19 Mitglieder. Das sei auch so gewollt, um den familiären Charakter zu bewahren. „Ich habe mit dem VfB telefoniert und wir hoffen, dass wir mit unserer Aktion auch ins Stadionheft kommen“, sagt Benedikt. Es gehe darum, dass Bewegung in die Sache komme. Der 40-Jährige habe selbst Kinder: „Ich wüsste nicht, was ich an seiner Stelle machen würde.“
Wer die Spendensammlung unterstützen möchte, kann dies auf der Internetseite: www.spendenseite.de/suche-nach-vermissten-yannick/-105445