Halloween in Stuttgart 10 Jahre Dia de los Muertos in den Wagenhallen

Die Ofrenda ist unverzichtbarer Teil eines jeden Dia de los Muertos. Foto: Karla Gallardo 2 Bilder
Die Ofrenda ist unverzichtbarer Teil eines jeden Dia de los Muertos. Foto: Karla Gallardo

Während der Rest der Welt Süßes oder Saures spielt, wird in Mexiko der kunterbunte Tag der Toten gefeiert. Karla Gallardo und Thorsten Schwämmle holen das Spektakel seit zehn Jahren nach Stuttgart – und feiern an Halloween ein rauschendes Jubiläumsfest in den Wagenhallen.

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Stuttgart – Jede Kultur hat ein anderes Verhältnis zum Tod. Während er in unserer westlichen Welt immer noch weitgehend ein Tabuthema ist, gehen andere Kulturen ganz anders mit ihm um. In Mexiko ist der Tod nichts, worüber man betreten schweigt. Jedes Jahr um den 31. Oktober verwandeln sich die Friedhöfe und Innenstädte Mexikos in ein schimmerndes Lichtermeer, wenn die verschiedenen Familienmitglieder zum Dia de los Muertos – Tag der Toten – wieder in die Welt der Lebenden eingeladen werden, um gemeinsam zu feiern.

Gefeiert wird auch in den Wagenhallen. Der zehnte Geburtstag des Stuttgarter Dia de los Muertos von Karla Gallardo und Kraftpaule-Zampano Thorsten Schwämmle wird ein rauschendes Fest, bei dem zügelloses Feiern ebenso wenig zu kurz kommt wie die Erinnerung an geliebte Menschen, die nicht mehr bei uns sind. Am Sonntag, den 31. Oktober 2021, um 20:30 Uhr geht’s los, der nächste Tag ist ein Feiertag und die 2G-Regelung erlaubt in den Wagenhallen eine Feier ohne Maske und mit einem eigens von Kraftpaule gebrauten mexikanischen Bier.

Fantasievoll geschminkten Totenköpfen steht also rein gar nichts im Weg. Im Interview verrät uns Initiatorin Karla Gallardo, was ihr der Tag persönlich bedeutet und wie sie ihn während ihrer Kindheit in der mexikanischen Mariachi-Hauptstadt Guadalajara erlebt hat.

„Ich habe ein gutes Verhältnis zum Tod“

Was bedeutet dir der Dia los Muertos, Karla?

An diesem Tag bin ich meiner Familie noch näher als sonst. Ich finde die Vorstellung schön, dass uns die Verstorbenen besuchen und nicht für immer fort sind. Menschen sind so lange unter uns, solange wir an sie denken. Da ist ein solcher Tag doch ein schöner Anlass, um noch bewusster an sie zu denken.

Was ist deine früheste Erinnerung an diesen Tag?

Als ich im Kindergarten war, bekam ich von meinem Onkel einen kleinen Sarg mit einer Schnur dran geschenkt. Wenn man an der Schnur gezogen hat, schoss ein kleines Skelett aus dem Sarg. Ich war schwer begeistert. Auch im Kindergarten gab es damals eine Ofrenda, wir bastelten Skelette und feierten den Tag.

Wie sieht dein Verhältnis zum Tod aus?

Ich habe ein gutes Verhältnis zum Tod, doch es hat auch eine Entwicklung durchlaufen. Mein Großvater starb, als ich Teenagerin und schon vollkommen in Deutschland integriert war. Damals war die Trauer schwer und erdrückend, doch als ich Thorsten kennenlernte und wir dann auch hier den Dia de los muertos veranstaltet haben, habe ich mich wieder in meine Kultur hineingearbeitet. Plötzlich kamen all die Erinnerungen an meine Kindheit hoch, an diesen Feiertag, wenn alles mit Totenköpfen und Skeletten geschmückt war. Als meine Großmutter starb, konnte ich schon sehr viel besser damit umgehen, weil ich wusste, dass sie ja noch da ist.

„Der Tod ist hier ein dunkles Thema“

Was fällt dir auf, wenn du die mexikanischen Totenkultur mit der deutschen vergleichst?

Ich habe meine Bachelorarbeit über eben diesen Vergleich der mexikanischen mit der deutschen Totenkultur geschrieben. Der Tod ist hier ein dunkles Thema, was wahrscheinlich auch mit den Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs zu tun hat, als der Tod industrialisiert wurde. Ich kenne viele Menschen hier, die nicht gern über den Tod reden und das Thema weit weg von sich halten. Dabei finde ich es wichtig, offen zu sein und auch Kinder ganz natürlich an den Tod heranzuführen. Er ist doch es die einzige Sicherheit in unserem Leben. Und je offener wir damit umgehen, desto leichter wird es.

Was bedeutet es dir, diesen Tag in Deutschland zu feiern?

Sehr viel. Es gibt viele Menschen aus Mexiko hier, die ihre Traditionen vermissen. Andere bekommen mal einen ganz neuen Zugang zum Tod und zur Trauerkultur – mit der Ofrenda zum Beispiel, dem Altar, an dem man Fotos, Briefe oder Erinnerungsstücke an die Verstorbenen niederlegen kann. Und natürlich ist auch die Party richtig gut. (lacht)

Und was erwartet uns dann ganz genau in den Wagenhallen?

Wir feiern den Tag der Toten in 2G, das heißt ohne Masken und mit jeder Menge aufgemalten Totenköpfen. Es gibt eine Mariachi-Band aus Freiburg, mexikanisches Essen, ein eigens von Kraftpaule gebrautes mexikanisches Lagerbier, Tanz und Burlesque.

Tickets für den Dia de los Muertos 2021 gibt es unter diesem Link.




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