100 Jahre Boeing Boeings Aufstieg zum Weltkonzern

Leben: Markus Brauer (mb)
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Technologischer Fortschritt durch Krieg

Kriege haben schon immer den technologischen Fortschritt vorangetrieben. Im Flugzeugbau ist das nicht anders. 1907 hat der Science-Fiction-Autor H. G. Wells in seinem Roman „War in the Air“ („Luftkrieg“) mit furchterregender Klarheit die Schrecken kommender Kriege in der Luft vorweggenommen.

Im Januar 1937 ist ein weiterer entscheidender Tag in der Geschichte von Boeing: Der erste große Bomber, die B-17 (B steht für Bomber) hebt ab. Am 20. Oktober 1939, anderthalb Monate nach dem Angriff Nazi-Deutschlands auf Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, wird die erste Serienmaschine B-17B an das United States Army Air Corps ausgeliefert.

B-17 „Flying Fortress“

Mit dem „Flying Fortress“ („Fliegende Festung“) getauften 15 Tonnen schweren Ungetüm beginnt der Aufstieg von Boeing zum Giganten im Flugzeugbau. Insgesamt 12 371 B-17 wird der Konzern bis Kriegsende 1945 ausliefern. Täglich verlassen bis zu 16 Bomber die Fließbänder des Boeing-Werks 2 südlich von Seattle.

Weitere Giganto-Bomber folgen: Am 6. und 9. August 1945 werfen B-29 „Superforttress“ die ersten beiden Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasakiabwerfen. Nach dem Krieg werden die B-36 „Peacemaker“, der B-47 „Stratojet“ und vor allem die B-52 „Stratofortress“ zum Inbegriff des strategischen Bombers. Der von 1952 bis 1962 gebaute achtstrahlige strategische Bomber wird im Kalten Krieg der 1950er Jahren zum Grundpfeiler der nuklearen Abschreckung der USA. Bis 2044 soll die B-52 im Dienst bleiben. Damit wäre sie das langlebigste Kampfflugzeug aller Zeiten.

Bau von Zivilflugzeugen

Nach Ende des Krieges 1945 expandiert Boeing weiter. Der Konzern steigt zum größten Produzenten von Zivil- und Militärflugzeugen auf, fasst Fuß in der Raketenentwicklung. In den 1950er Jahren ist Boeing am Bau der „Minuteman“-Interkontinentalrakete beteiligt, die bis heute (als modernisierter Typ Minuteman III) den Kern der amerikanischen Atomstreitmacht bildet. Darauf aufbauend konstruiert Boeing Teile der Mondrakete Saturn V.

1958 wird die Boeing 707 in Dienst gestellt, ein vierstrahliges Langstrecken-Passagierflugzeug, das die Zivilluftfahrt revolutioniert. Weitere Baureihen folgen: 1964 die Boeing 727, 1968 die 737 und 1970 die 747 „Jumbo-Jet“. Dieses Großraum-Flugzeug ist der größte Passagierflieger der Welt (rund 470 Plätze) und wird es bleiben bis zum Erstflug des Airbus A 380 am 27. April 2005.

Der Konzern verdient sich mit bisher 1521 ausgelieferten Varianten des Riesen eine goldene Nase. Eine Boeing 747 in der Flotte zu haben, ist über Jahrzehnte für alle großen Fluggesellschaften eine Prestigefrage. Auch bei der „Air Force One“, dem Dienstflugzeug des US-Präsidenten, handelt es sich um eine modifizierte Langstreckenversion der Boeing 747-200B.

Airbus macht Konkurrenz

In demselben Jahr, in dem Boeing mit dem „Jumbo-Jet“ in neue Sphären vordringt, wird das deutsch-französische Gemeinschaftsprojekt Airbus gegründet. Im A 300, 320, 330 und 340 erwachsen dem US-Hersteller gefährliche Konkurrenten beim Kurz-, Mittel- und Langstrecken-Flugverkehr. Heute teilen beide Firmen den weltweiten Markt für Zivilflugzeuge unter sich auf.

100 Jahre nach der Gründung ist der amerikanische Flugzeugbauer mit einem Umsatz von 96 Milliarden Dollar (86 Milliarden Euro) und rund 165 000 weiterhin die Nummer eins. Doch die goldenen Zeiten sind vorbei. „Wir müssen kräftig sparen, weil wir mit Airbus auf der Kostenseite nicht wettbewerbsfähig sind“, erklärte jüngst Ray Conner, Chef der zivilen Flugzeugsparte des Konzerns.

Die Boeing 747-800, die vor fünf Jahren auf den Markt kam und dem A 380 Konkurrenz machen soll, ist ein Flop. Nur die Lufthansa und Korean Air haben sich bisher für den neuen „Jumbo Jet“ entschieden.

„Sonic Cruiser“ und „Dreamliner“

Nachdem die Entwicklung der „Sonic Cruiser“ – eines schallschnellen Großflugzeuges mit radikal neuem Design mit Deltaflügeln, Entenflügeln als Höhenruder und zwei Seitenleitwerken – 2002 abgebrochen wurde, setzt Boeing nun alle Hoffnung auf die Boeing 787 „Dreamliner“, ein zweistrahliges Langstreckenverkehrsflugzeug.

2011 wurde der erste „Dreamliner“ ausgeliefert, drei Jahre später als es der ursprüngliche Zeitplan vorsah. Trotz technischer Probleme und zeitweiliger Flugverbote hat sich der Jet mit mehr als 420 produzierten Exemplaren zum wirtschaftlichen Rückgrat des Konzerns entwickelt.




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