100 Jahre Markthalle Weite Welt und Heimat zugleich

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Beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen der Markthalle unterstreichen alle Redner die herausragende Bedeutung des Bauwerks von Martin Elsässer. Besucher können auf der Gourmetmeile sowie beim Frühschoppen und der Hocketse feiern.

Axel Heger (links) und OB Fritz Kuhn lobten beim Festakt im Restaurant  auf der Empore die Vielseitigkeit und die Qualität des Angebots in der Markthalle. Foto: Horst Rudel, Achim Zweygarth
Axel Heger (links) und OB Fritz Kuhn lobten beim Festakt im Restaurant auf der Empore die Vielseitigkeit und die Qualität des Angebots in der Markthalle. Foto: Horst Rudel, Achim Zweygarth

Stuttgart - Dass die Markthalle ein Juwel ist, steht heute außer Frage. Oberbürgermeister Fritz Kuhn formulierte am Freitag beim Festakt zu ihrem 100-jährigen Bestehen auch gleich die goldene Regel für den Handel angesichts der zunehmenden Konkurrenz durch Malls und Internetshopping. „Wenn wir attraktive Geschäfte in der Innenstadt haben, kommen die Leute auch“, betonte Kuhn. „Ich empfehle gucken und kaufen“, so der OB über das Angebot der Markthalle.

Zwei Weltkriege, mehrere Brände, die Konkurrenz durch andere Märkte sowie den Großmarkt und vor allem die Abriss-und Umnutzungspläne in den 1970er Jahren hat sie überstanden, „weil man immer mit der Zeit gegangen ist“, schloss Axel Heger, der Geschäftsführer der Märkte Stuttgart, seinen Rückblick. Er dankte allen, die sich dafür engagiert haben, dass die Markthalle heute als Baudenkmal des Jugendstils und als „wahres Schlaraffenland“ eine herausragende Bedeutung hat. „Sie ist weltoffen und zugleich Heimat“, sagte Heger.

Schon von Anfang an war das Gebäude nicht als reine Markthalle konzipiert, sondern als Verkaufshalle mit exklusivem Charakter, in der es auch Kolonialwaren zu kaufen gab. Vor 20 Jahren hätten Dorothee Merz und Martin Benzing mit ihrem Geschäft auf der Empore dieses Flair zurückgebracht, sagte Heger. Herbert Medek, zuständig für den Denkmalschutz bei der Stadt, hob den kommunikativen Aspekt der Halle hervor: „Man trifft sich zum Gläschen Prosecco am Fuß der Treppe.“ Unter den 4500 Kulturdenkmälern in Stuttgart sei die Markthalle der Favorit, denn „Liebe geht durch den Magen“, so Medek. Der Denkmalschutzexperte berichtete von seinen Kindheitserinnerungen an die Markthalle: „Hier gab es immer was Süßes.“

„Die Händler waren eher wortkarg“

Zum zehnten Geburtstag der Markthalle war eine Festschrift erschienen. In dieser brachte der Autor noch seine Verwunderung zum Ausdruck, dass es hier zugehe wie in einem „Bienenstock“, dass es „Fleisch und Milch in Dosen gebe“ und dass eine unglaubliche Farbenvielfalt herrsche – und Medek zitierte weiter aus dem Dokument: „Die Händler waren eher wortkarg.“ Das Treiben hatte mit der Eröffnung des Großmarktes in Wangen 1957 ein Ende. Außerdem wurden die Händler von der Empore vertrieben. Im Inneren wurde es dunkel, unwirtlich und unattraktiv. „Die Halle wurde trist und die Leute blieben weg“, schilderte Medek den Ausgangspunkt für die Abrissdiskussion in den 1970er Jahren.

Heute ist die Markthalle das Eldorado für Hobbyköche. Auch der OB plauderte aus dem Nähkästchen: „Wenn man was vom Kochen versteht, weiß man, dass die Zutaten von hervorragender Qualität sein müssen“, sagte Kuhn und fügte begeistert hinzu, dass der Kunde hier auch gleich noch etwas über die Produkte selbst erfahren könne. Die Besucher können sie am Samstag unter den Arkaden auf der Gourmetmeile der Markthallenhändler selbst testen, und die Betreibergesellschaft Märkte Stuttgart lädt am Samstag zum kulinarischen Frühschoppen und zur Hocketse mit Musik ein, dazu gibt es eine gut gefüllte Jubiläumstasche. Im Rathaus ist bis zum 11. September in einer Ausstellung die Geschichte der Markthalle dokumentiert. Die Festschrift kann im Internet bestellt werden unter www.markthalle-stuttgart.de.

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