100 Jahre Musikverein Deizisau Mehr Jugendmusiker braucht der Verein

Der Vereinsvorsitzende Heiko Auer und Schriftführerin Ute Scheer-Fahrion schauen sich die Ausstellung zur 100-jährigen Geschichte des Musikvereins Deizisau im Rathaus an. Foto: /Andreas Kaier

Der Musikverein Deizisau wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Das wird mit verschiedenen Veranstaltungen gebührend gefeiert. Außerdem ist im Rathaus eine kleine Ausstellung zu sehen, die die lange Vereinsgeschichte Revue passieren lässt.

Zwei Jahre hatte der Musikverein Deizisau mit seiner traditionellen Maihocketse wegen der Coronapandemie pausieren müssen. Am 1. Mai ist es nun wieder so weit. Nachdem die meisten Coronabeschränkungen aufgehoben wurden, wird an diesem Sonntag auf dem Marktplatz vor dem Deizisauer Rathaus bei viel Musik und guter Laune wieder gefeiert. Das Fest beginnt um 10.30 Uhr und geht laut dem Vereinschef Heiko Auer je nach Wetterlage den ganzen Tag. Geöffnet hat an diesem Sonntag auch das Rathaus und das hat seinen guten Grund. Der Deizisauer Musikverein wird in diesem Jahr 100 Jahre alt und zeigt dort noch bis Ende Mai zu den üblichen Öffnungszeiten eine kleine Ausstellung zur Vereinsgeschichte. Den runden Geburtstag – elf Deizisauer hatten den Verein am 23. Februar 1922 gegründet – haben die Musikerinnen und Musiker wegen Corona bereits im März bei einem Jubiläumsabend unter sich in der Gemeindehalle gefeiert.

 

Deizisauer Festtage vom 23. bis zum 25. Juli

Damit das Jahr über möglichst viele Deizisauer mitfeiern können, hat sich der Musikverein etwas Besonderes einfallen lassen und alle weiteren Events in diesem Jahr kurzerhand zu kleinen Jubiläumsveranstaltungen erklärt. So richtet der mehr als 200 Mitglieder zählende Verein vom 23. bis 25. Juli auf dem Festplatz die Deizisauer Festtage aus und damit das „größte Dorffest in der Region“, wie Auer sagt. Einer der Höhepunkte wird an diesem Wochenende das Kreismusikfest sein, zu dem am Sonntag zahlreiche Musikvereine aus der gesamten Umgebung erwartet werden. Sie werden sich auch am großen Festumzug der Deiziauer Vereine beteiligen, der sich an diesem Tag durch Deizisau schlängeln wird.

Ein weiterer Höhepunkt im Jubiläumsjahr ist das geplante Benefizkonzert am 18. Oktober in der Sporthalle, zu dem das Heeresmusikkorps Ulm erwartet wird. Den Erlös des Abends wollen die Musikerinnen und Musiker den örtlichen Kindergärten und der Schule spenden, um diese beim Kauf von Musikinstrumenten zu unterstützen und um die musikalische Ausbildung der Kinder zu fördern. Fast schon wehmütig blicken Heiko Auer und seine Schriftführerin Ute Scheer-Fahrion auf die frühen 1980er-Jahre zurück, als der Verein wegen seiner sehr erfolgreichen Nachwuchsmusiker von sich reden machte. „Damals hat unsere Jugendkapelle der Stammkapelle fast schon den Rang abgelaufen“, berichten Auer und Scheer-Fahrion. Am 20. Juli 1979 waren die Jungmusiker beispielsweise zur Bundesgartenschau nach Bonn eingeladen, um dort ein zweistündiges Platzkonzert zu geben. Zudem heimsten sie bei sogenannten Wertungsspielen, bei denen Musikvereine im Wettstreit ihr Können zeigen, ebenso wie die Stammkapelle immer wieder tolle Erfolge ein.

Zurzeit gibt es keine eigene Jugendkapelle

Heute plagen den Verein, wie so viele andere Vereine auch, Nachwuchssorgen. Aus personellen Gründen gibt es derzeit keine eigene Jugendkapelle und keine musikalische Früherziehung. Blockflötenunterricht wird erst in der Grundschule angeboten, dem sich auf Wunsch der Kinder ein individueller Instrumentalunterricht anschließt – einzeln oder in der Gruppe. Was fehlt, sind durchgängige musikalische Angebote ab dem frühen Kindesalter. Deshalb will Auer künftig ein größeres Augenmerk auf die Jugendarbeit seines Vereins legen. „Wichtig ist dabei, über viele Jahre hinweg kontinuierlich dran zu bleiben“, sagt er. Bei einem Altersdurchschnitt von etwa 45 Jahren bei der Stammkapelle sei das Nachwuchsproblem kurzfristig zwar kein drängendes Problem, aber langfristig schon.

Zudem spielt, anders als in früheren Jahren, die Teilnahme an Wertungsspielen in Deizisau inzwischen kaum eine Rolle mehr. „Da machen wir eigentlich gar nicht mehr mit“, sagt Auer und verweist auf den damit verbundenen großen Aufwand. Man müsse dafür extra ein bis zwei Stücke einstudieren, die man später auf Festen aber nicht wirklich spielen könne. „Ich weiß, dass andere Vereine das anders machen, aber wir definieren uns nicht darüber. Viel lieber unterhalte der Deizisauer Musikverein sein Publikum mit einem attraktiven Programm, sagt Auer, der zugleich die musikalische Qualität seiner Musikerinnen und Musiker lobt.

Der Musikverein Deizisau

Gründung
Der Musikverein Deizisau wurde am 23. Februar 1922 von elf Deizauer Musikern gegründet. Ein Vorläufer davon hatte es schon seit 1892 gegeben, der sich aber wegen des Ersten Weltkriegs wieder aufgelöst hatte. Und auch während des Zweiten Weltkriegs war das Vereinsleben komplett zum Erliegen gekommen. Äußerst schmerzhaft war, dass im Jahr 1940 alle bis dahin erworbenen Pokale und Preise als sogenannte Metallspende abgegeben werden mussten.

Entwicklung
Besonders bemerkenswert ist für den heutigen Vereinsvorsitzenden Heiko Auer die Entwicklung des Deiziauer Musikvereins nach dem Zweiten Weltkrieg. Von 1946 an wurde wieder gemeinsam musiziert und der Verein nach und nach aufgebaut. Heute hat der Verein neben den 27 aktiven Musikerinnen und Musikern zudem 193 passive Mitglieder.

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