100 Jahre Württembergische Landesbühne Mit „Kabale und Liebe“ ins Jubiläumsjahr

Von  

Die Württembergische Landesbühne Esslingen feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Die beiden Intendanten Friedrich Schirmer und Marcus Grube haben jetzt das Programm für die kommende Spielzeit vorgestellt. Es gibt manche Überraschung.

Die WLB setzt die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Autor Robert Seethaler – hier eine Szene aus seinem Werk „Der Trafikant“  mit Felix Jeiter (rechts) und Peter Kaghanovitch – auch in der Spielzeit 2019/2020 fort. Foto: Ines Rudel
Die WLB setzt die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Autor Robert Seethaler – hier eine Szene aus seinem Werk „Der Trafikant“ mit Felix Jeiter (rechts) und Peter Kaghanovitch – auch in der Spielzeit 2019/2020 fort. Foto: Ines Rudel

Esslingen - Eine außergewöhnliche Spielzeit wirft ihre langen Schatten voraus. Denn bereits in der kommenden Woche, vom 16. bis zum 19. Mai, werden mit dem europäischen Seniorentheaterfestival „Stage“ die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag der Württembergischen Landesbühne eröffnet. Die Jubiläumsspielzeit beginnt dann am 20. September – auf den Tag genau 100 Jahre nach der ersten Premiere der Schwäbischen Volksbühne, dem Vorgänger der Württembergischen Landesbühne Esslingen. Wie damals steht Schillers „Kabale und Liebe“ auf dem Programm – und wie damals wird die Premiere nicht in Esslingen, sondern in Göppingen gespielt.

Am Donnerstag haben die beiden Intendanten der Württembergischen Landesbühne, Friedrich Schirmer und Marcus Grube, das Programm für die Spielzeit 2019/2020 vorgestellt. Wir geben einen Überblick über die spannendsten Premieren und Projekte.

„Kabale und Liebe“

Einen Tag nach der Göppinger Festveranstaltung, bei der auch der Ministerpräsident Winfried Kretschmann reden wird, erlebt „Kabale und Liebe“, Schillers großes Liebesdrama in der Inszenierung von Christine Gnann, am 21. September seine Esslinger Premiere im Schauspielhaus.

„Deutschstunde“

Der Roman von Siegfried Lenz aus dem Jahr 1968 galt bei seinem Erscheinen als erster großer Versuch der literarischen Vergangenheitsbewältigung des Dritten Reichs. Heute durchaus umstritten, zeigt er, wie schnell Obrigkeitsdenken, falsches Pflichtbewusstsein und überzogene Prinzipientreue sich gegen die Menschen richten können. Premiere ist am 12. Oktober, für die Regie zeichnet Laura Tetzlaff verantwortlich. Sie hat auch die Bühnenfassung erstellt.

„Frank der Fünfte“

Was ist schon ein Banküberfall im Vergleich zur Gründung einer Bank? Friedrich Dürrenmatts „groteske Oper für Schauspieler“ ist, so das Programmheft, „nicht nur ein Angriff auf die Finanzwelt, sondern eine Parabel auf die Gesellschaft im Allgemeinen“. Sie findet am 30. November ihren Weg ins Esslinger Schauspielhaus. Die Regie führt Markus Bartl.

„Hölderlin“

Peter Weiss’ Stück, das 1971 am Stuttgarter Staatstheater uraufgeführt wurde, stellt, so Friedrich Schirmer, „die Frage nach der Verantwortung der Intellektuellen in schwierigen Zeiten“. Dass das Werk gerade deshalb auch heute noch höchst brisant ist, wollen der Regisseur Klaus Hemmerle und das Ensemble vom 16. Januar an im Schauspielhaus beweisen.

„Heartbreakin’ – Die Biene und der Kurt“

Die überaus erfolgreiche Zusammenarbeit der WLB mit dem österreichischen Autor Robert Seethaler – die Esslinger Bühnenfassung seines Erfolgsromans „Der Trafikant“ steuert auf ihre 50. Aufführung zu, „Ein ganzes Leben“ wurde mit Kritikerlob überschüttet – findet eine Fortsetzung. Am 13. Juni kommt Seethalers erster Roman „Heartbreakin’ – Die Biene und der Kurt“ als Gemeinschaftsproduktion der Jungen WLB und der WLB in Christine Gnanns Inszenierung ins Schauspielhaus. Die Hauptrolle in dem „Roadmovie mit viel Musik“ übernimmt Martin Theuer.

„Waldmannsheil!“

Mitgespielt haben sie in WLB-Produktionen schon mehrfach. Jetzt bekommen die beiden Galgenstricke Herbert Häfele und Erich Koslowski ein eigenes Stück. In der Farce von Susanne Hinkelbein spielen sie zwei Jäger, die auf einem Hochsitz warten, während das Leben an ihnen vorbeizieht. Es handele sich, so Schirmer, „um eine Reflexion über das Leben, über Ängste und Frustrationen“, wobei der Finger immer am Abzug sei. „Waldmannsheil!“, 2005 mit einem Preis für Volkstheaterstücke ausgezeichnet, wird sowohl im Kabarett der Galgenstricke in der Webergasse als auch im Podium 1 zu sehen sein.

„Shakespeare in Love“

Im jährlichen Wechsel der Freiluftspielstätten ist 2020 die Maille wieder an der Reihe. Und dort spielt die WLB seit einigen Jahren vor allem Shakespeare-Klassiker. Davon weichen Schirmer und Marcus Grube ab – wenn auch nur ein ganz kleines bisschen. Denn das Publikum darf sich vom 20. Juni an auf eine Freiluft-Theateradaption des Films „Shakespeare in Love“ freuen. Für Regie und Bühne zeichnet Marcel Keller verantwortlich.

„Der goldene Topf“

Mittlerweile Sternchenthema beim Abitur, bringt Marco Süß, der künstlerische Leiter der Jungen WLB, E.T.A.Hoffmanns romantische Märchennovelle über die Macht der Poesie als allererste Premiere der Jubiläumsspielzeit am 14. September ins Podium 1 des Schauspielhauses. Regie führt Jenke Nordalm.

„Urmel aus dem Eis“

Generationen haben schon über das Urmeli, Professor Tibatong, Mama Wutz, Ping Pinguin und den traurigen Seeelefanten geschmunzelt. Max Kruses Kinderbuch ist vor allem in der Fassung der Augsburger Puppenkiste ein deutsches Kulturgut. Am 16. November findet „Urmel aus dem Eis“ als Familienstück den Weg auf die große Schauspielhausbühne.

Weitere Informationen im Internet unter www.wlb-esslingen.de