100 Veranstaltungen geplant Das bietet die erste Mobilitätswoche in Stuttgart

Im Stuttgarter  Verkehr regiert eigentlich das Autofahren. Doch bei der Mobilitätswoche, die an diesem Donnerstag beginnt,  sollen umweltschonendere Fortbewegungsmittel Vorfahrt haben – wie am Sonntag das Brezel-Race (Foto). Foto: Lichtgut - Ferdinando Iannone
Im Stuttgarter Verkehr regiert eigentlich das Autofahren. Doch bei der Mobilitätswoche, die an diesem Donnerstag beginnt, sollen umweltschonendere Fortbewegungsmittel Vorfahrt haben – wie am Sonntag das Brezel-Race (Foto). Foto: Lichtgut - Ferdinando Iannone

Am Donnerstag, 16. September, beginnt die 1. Mobilitätswoche in Stuttgart. Dabei steht nicht das Auto im Mittelpunkt, sondern Bus, Bahn, Räder, Pedelecs und Co. Freie Fahrt gibt es am 18. und 19. September im ÖPNV.

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Stuttgart - Lust auf eine Radschnitzeljagd, einen Skater-Contest oder eine offene Radwerkstatt? Oder wie kommt man mit einem Rollator sicher durch die Stadt? All diese Themen stehen im Fokus der ersten Stuttgarter Mobilitätswoche von Donnerstag bis Mittwoch, 16. bis 22. September. Deren Ziel es ist, den bewussten Umgang mit allen Mobilitätsformen bei Bürgerinnen und Bürgern zu fördern. Sie ist Teil der Europäischen Mobilitätswoche, die jedes Jahr in tausenden von europäischen Kommunen gleichzeitig an diesen sieben Tagen durchgeführt wird.

100 Veranstaltungen an sieben Tagen

Global denken, aber lokal handeln gilt dabei insbesondere für die Wege, die alle zurücklegen. Die Mobilitätswoche gibt den Besuchern viele Möglichkeiten, das eigene Verhalten zu überprüfen. Es soll zeigen: Nicht nur für den Einzelnen wirkt sich eine Fortbewegung zu Fuß, mit dem (Lasten-)Rad und dem ÖPNV positiv auf die mentale und physische Gesundheit aus. Auch die Natur profitiert von einem geringeren Ausstoß der Schadstoffe und weniger Lärm.

Das diesjährige europaweite Motto lautet „Für eine aktive, nachhaltige und sichere Mobilität“. Während der Woche werden rund 100 Veranstaltungen, Projekte und Aktionen über ganz Stuttgart verteilt angeboten – darunter auch von Vereinen, Nachbarschafts-Initiativen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Ein Anziehungspunkt dabei dürfte auch die Kunstausstellung an einer alternativen ÖPNV-Haltestelle vom 16. bis 19. September sein. In einer spekulativen Installation aus Pilzen und anderem Biomaterial wird die Bushaltestelle Katharinenhospital zu einem Kunstwerk für eine Mobilität der Zukunft mit dem Titel „The Ungovernable Structure“ des indonesischen Künstlerkollektiv Honf. Auf große Nachfrage könnte auch der Cargo-Bike-Day am Sonntag auf dem Karlsplatz stoßen, bei dem man sich über Nutzen und Förderung der elektrobetriebenen Lastenräder informieren kann.

Wie geht ein Umstiegseffektrechner?

Wer sich lieber von Zuhause aus informiert, kann sich online von einen Impulsvortrag von Jana Heimel zum Forschungsprojekt „PendlerRatD“ inspirieren lassen. Das Forschungsprojekt „PendlerRatD“ hat sich zum Ziel gesetzt, autofahrende Berufspendler zum Umstieg auf das Fahrrad zu motivieren. Inhalte des Vortrags umfassen die Vorstellung wesentlicher Studien- und Projektergebnisse sowie die Vorstellung der PendlerRatD-App mit Livedemonstration des Bonussystems und des Umstiegseffektrechners.

Die City Initiative Stuttgart (Cis) und der Verkehrs- und Tarifverbund (VVS) wollen bei der Mobilitätswoche neue Fans für die öffentlichen Verkehrsmittel gewinnen. Deshalb wird Stuttgart am Samstag und Sonntag, 18. und 19. September, die Fahrten in seinen Bussen und Straßenbahnen in der Zone 1 im Stadtzentrum kostenlos anbieten. „Ziel ist es, das Leben zurück in die Innenstadt zu bringen, damit Handel und Kultur genauso profitieren könnten wie die Gastronomie“, sagt Cis-Sprecher Sven Hahn. Mehr als ein Dutzend Einzelhändler unterstützen die Aktion zudem mit Angeboten.

Stadt zahlt 450 000 Euro Zuschuss

Und wer von Esslingen, Waiblingen oder Ludwigsburg anreist, muss nur ein Ticket für eine Zone lösen. Die fehlenden Einnahmen von geschätzt 450 000 Euro werden von der Stadt getragen. VVS-Geschäftsführer Horst Stammler blickt positiv in die Zukunft, auch wenn bei den Fahrgastzahlen erst 75 Prozent der ursprünglichen Nachfrage wieder erreicht sind. Es fehlen noch immer die Kunden, die nach wie vor in Kurzarbeit oder im Homeoffice sind und natürlich die Gäste, die normalerweise Großveranstaltungen wie den Wasen oder das Weindorf besuchen.

Eine bundesweite Untersuchung „Vitale Innenstädte 2020“ des IFH Köln zum Einkaufsverhalten der Bürgerinnen und Bürger in mehr als 100 deutschen Städten unterstreicht für Sattler und Hahn die Bedeutung des ÖPNV für den Einzelhandel. Die Umfrage ergab, dass 53 Prozent der Besucher, die zum Einkaufen in die Stuttgarter Innenstadt kommen, Bus und Bahn nutzen. Das ist im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten ein überdurchschnittlicher Wert (Ortsgrößendurchschnitt 46 Prozent).

Spezielles ÖPNV-Wochenende ist ein Testlauf

Die Freifahrt am Wochenende ist auch ein Testlauf für vier weitere Samstage an starken Handlungstagen im nächsten Jahr, an denen Bürgerinnen und Bürger den ÖPNV ebenfalls kostenlos nutzen sollen. Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) habe sich offen dafür gezeigt, sagte Hahn, wenn der Nutzen entsprechend belegt werden könne. Frequenzmessungen in vier Stuttgarter Straßen sollen für entsprechende Zahlen sorgen. „Wir hoffen, dass der Gemeinderat und die Verwaltung sich dafür entscheiden werden, die vier Samstage kostenlos anzubieten“, sagt Hahn. Weitere Auskünfte dazu gibt es unter www.stuttgart.de/mobilitaetswoche.




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