10.000 Kilometer mit dem Fahrrad Stuttgarter Student radelt die Panamericana

Von Beate Grünewald 

Philipp Winnige studiert an der Merz-Akademie in Stuttgart und startet mit einem Kumpel das Projekt #feuerlandfrei. Von Kolumbien geht es 10.000 Kilometer bis nach Feuerland – auf dem Fahrrad.

Philipp Winnige will Südafrika mit dem Fahrrad bereisen und von Kolumbien bis nach Feuerland radeln. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Philipp Winnige hat sich für seine Abschlussarbeit etwas Besonderes ausgedacht. Der 24-Jährige studiert Gestaltung, Kunst und Medien an der Merz Akademie in Stuttgart und muss zum Ende seines Bachelorstudiums einen Film drehen.

Dabei kam ihm die Idee eines Dokumentarfilms über eine Reise auf dem Fahrrad. Ein aufregendes Land müsse es sein, war seine Überlegung. Noch dazu weit genug weg, damit die Hemmschwelle, die Reise bei Strapazen abzubrechen, hoch genug sei. „Europa? Das wäre zu nah“, sagt der 24-Jährige. Schließlich fiel die Wahl auf Südamerika. Berge, Gletscher, Wüsten – ein Kontinent voller Extreme und die bisher weiteste Reise des gebürtigen Pfälzers.

Fast wäre der Plan an der Bürokratie gescheitert

Von Kolumbien bis nach Feuerland möchte er radeln. Unter Weltreisenden ist die Strecke als „Panamericana“ bekannt und startet bereits im nördlichen Alaska. Fabian Römer begleitet ihn auf dem gesamten Weg zum südlichsten Zipfel Südamerikas. Der 22-Jährige studiert Philosophie, Germanistik und Informatik in Mainz.

Die jungen Männer kennen sich aus der Schulzeit und haben auch schon gemeinsame Radtouren gemacht. Aber das Maximum waren mal „fünf bis sieben Tage, die Saar und die Mosel entlang“. Südamerika, das ist jetzt eine ganz andere Nummer. Fast 10.000 Kilometer liegen vor ihnen. Dafür haben sich die beiden Studenten sieben Monate freigeschaufelt. Ein Urlaubssemester macht es möglich.

Fast wäre der Plan an der deutschen Bürokratie gescheitert. Winnige würde ja während seines Urlaubssemesters schon Recherchematerial für seine Abschlussarbeit im achten Semester sammeln, argumentierte die Hochschule. Dadurch hätte er einen Vorteil gegenüber den anderen Studenten. Doch sein Professor setzte sich für ihn ein und nach vielen Gesprächen, Stempeln und Unterlagen hatte der Plan ein offizielles Siegel.

Und dann kommen die Zweifel

Eine Woche vor Abflug sind Winnige Zweifel gekommen. Die Flüge sind gebucht, der Auszug aus dem Zimmer am Bopser erledigt, die Abschiedsparty gefeiert. „Ich dachte, man freut sich mehr“, sagt Philipp Winnige, der wegen der Reise die Beziehung zu seiner Freundin beendete. „Das ist einfach krass“, sagt er, „ich packe mein bisheriges Leben in eine Kiste und lass sie hier stehen.“

Der Zuspruch der Familie und Freunde bestärken ihn. Viele Ältere erzählen, dass sie selbst immer so eine große Reise machen wollten, aber dann doch zu Hause blieben. „Das motiviert mich und macht Mut“, erzählt der 24-Jährige. Nun freut er sich auf das erste Etappenziel: Peru. Seine Eltern haben nämlich Flüge gebucht und kommen ihn im November besuchen. Bis dahin sind es immerhin „nur“ noch 3000 Kilometer. „Ich bin ganz ehrlich“, verrät Winnige, „die größte Angst habe ich um mein Fahrrad.“ Denn: „Wenn das Rad weg ist, ist das Projekt vorbei.“

Am Sonntag, 9. September 2018, ging der Flug nach Kolumbien. Auf ihrem Instagram-Account wollen die beiden Studenten in den kommenden Monaten über ihre Reise berichten: Hier geht es zu #feuerlandfrei.