10.Todestag von Zoran Djindjic Konstanz wird für Djindjic zum Wendepunkt

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Es ist das Jahr 1977, als Djindjic mit einem Mal in Konstanz auftaucht. Ein Doktorand der Philosophie und „quasi mittellos“, wie sich Köhler erinnert. „Ich wusste nie, wie er seinen Lebensunterhalt verdient.“ Er sieht gut aus, ist charmant, witzig und rhetorisch beschlagen. Köhler lernt ihn im Haus von Ivan Glaser kennen. Der Kroate, Jurist und Sprachwissenschaftler, wohnt für wenig Geld allein in einer großen Villa in der Alpenstraße 4 zur Miete und hat Djindjic bei sich aufgenommen. Bei Ivo treffen sie sich oft. Sie diskutieren, trinken und grillen endlos im großzügigen Garten.

Zu der Gruppe gehören der Ernst, der Mike und der Dragan und weitere Linksintellektuelle. Und mitten drin immer der Zoran. Tagsüber sitzt er in der Villa oder im Garten, abends taucht er ein in das Konstanzer Studentenleben. Er liest sehr viel, kann aber auch alles stehen und liegen lassen, um in die Kneipe zu gehen. So einem fliegen die Frauenherzen zu. „Er hatte viele Bekanntschaften“, sagt Köhler. „Eigentlich war er eher ein Stiller damals“, meint hingegen Mike Roth, der eigentlich Michael und mit dem ersten Vornamen Volkbert heißt. Nachdem der Reformmarxist für ein Jahr eine Dozentur in Sydney annahm, nennt er sich Mike. Das verstehen die Australier, und es passt für einen Linken.

Linke Lebenskünstler in einer großen Villa

Zeitweise wohnt Roth mit Glaser und Djindjic zusammen in der Villa. „Aber er war nie ein enger Freund. Zoran war keiner, der Nähe wollte“, sagt er. Wie auch Köhler bleibt dem Philosophen Roth die Universitätskarriere verwehrt. Er wird Privatdozent und Sprachtherapeut an einer bekannten Konstanzer Privatklinik. Mit seiner Frau bewohnt er heute einen Teil eines landwirtschaftliches Anwesen auf der Insel Reichenau. Der 68-Jährige, der mit seinem grau-weißen Vollbart wie einer der sieben Zwerge aussieht, blickt in die milchige Vorfrühlingssonne und findet, es hätte ihn auch härter treffen können.

Dann ist da noch Dragan Mistric, ein Kroate, Philosoph und Soziologe. Er kennt Djindjic seit gemeinsamen Studententagen in Jugoslawien. Jeden Sommer treffen sich damals reformmarxistisch orientierte sogenannte Praxis-Philosophen auf der kroatischen Mittelmeerinsel Korcula zu mehrwöchigen Sommerkursen. Die Avantgarde der linken westlichen Theoretiker darf da nicht fehlen: Ernst Bloch, Herbert Marcuse, Erich Fromm und Jürgen Habermas geben sich die Ehre. Begabte Studenten dürfen auch mit. So lernen sich Dragan Mistric aus Zagreb und Zoran Djindjic aus Belgrad kennen. Sie werden Freunde, der Kroate und der Serbe. Damals spielt die Herkunft noch keine Rolle.

Sein Vater war ein eigenbrötlerischer Offizier

Zoran Djindjic wird am 1. August 1952 in Bosanski Samaca in Nordbosnien als Sohn eines Artillerieoffiziers geboren. Sein Vater sei ein eigenbrötlerischer Soldat gewesen, der sich für die Einfallswinkel seiner Granaten begeistert und für Tito geschwärmt, sich aber nicht sonderlich für Politik interessiert habe, erzählte er 2001 in einem Fernsehinterview mit Franz Stark im Bayerischen Rundfunk. „Er war wohl der einzige Offizier in der jugoslawischen Armee, der aus der Partei ausgetreten war“, so Djindjic. „Er war Nichtraucher und sagte, dass er den Rauch auf den Parteiveranstaltungen nicht verträgt.“ In Wahrheit habe aber seine Mutter dahinter gesteckt, die sehr sparsam gewesen sei. „Mit dem Beitrag für die Partei konnte sie ein Prozent seines Lohns einsparen.“

Als Zoran 16 Jahre alt ist, wird sein Vater nach Belgrad versetzt. Der Sohn macht Abitur und beginnt das Studium der Philosophie. Als er Ende der 70er nach Deutschland geht, will er sein Leben in Jugoslawien für immer hinter sich lassen. In Belgrad hat er sein Studium beendet. Er gilt als Dissident und steht quasi unter Berufsverbot, weil er als junger Mann schon politisch rebelliert hat: 1974 hatte er zusammen mit Kommilitonen aus Ljubljana und Zagreb eine nicht kommunistische Studentengruppe gegründet, was ihm ein Jahr Gefängnis einbrachte. Weil Heinrich Böll und Willy Brandt protestierten, mussten sie nur zwei Monate absitzen und durften ihr Studium wieder aufnehmen.

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