1200-Jahr-Jubiläum Asperg lässt sich hochleben

Von Susanne Mathes 

Am Samstag ist in Asperg Auftakt für ein randvolles Festjahr: Anno 819 wurde die Stadt erstmals urkundlich erwähnt. Der Berg, die Festung und der Weinbau prägen Asperg seit jeher. Ihr 1200-Jahr-Jubiläum lässt sich die Stadt einiges kosten.

Weinreben  und Stadt schmiegen sich an den geschichtsträchtigen Berg:  Asperg feiert die erste urkundliche Erwähnung  819. Menschen siedelten dort aber schon viel früher. Foto:   12 Bilder
Weinreben und Stadt schmiegen sich an den geschichtsträchtigen Berg: Asperg feiert die erste urkundliche Erwähnung 819. Menschen siedelten dort aber schon viel früher. Foto:  

Asperg - Der Journalist und Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart, der herzogliche Finanzberater Joseph Süß Oppenheimer, der württembergische Staatspräsident Eugen Bolz, der „Remstal-Rebell“ Helmut Palmer und der Tennistrainer Peter Graf haben eines gemeinsam: Alle waren Häftlinge auf dem Hohenasperg. Und wenn das für seine Experimentierfreude bekannte Theater Lindenhof Melchingen an diese illustren Persönlichkeiten erinnert, soll das nicht irgendwo stattfinden, sondern an dem Ort, der ihre Biografien verbindet.

Der Festungsgraben des Hohenaspergs, eine Reihe von Ausnahmegenehmigungen macht es möglich, wird am 13. September zur Theater-Spielstätte. Das Stück von Axel Krauße und Peter Sindlinger ist zwar noch nicht fertig, den Termin sollten sich Theater-, Geschichts- und Literaturinteressierte aber schon einmal vormerken.

Der Hohenasperg als Aushängeschild

Die 13 000-Einwohner-Stadt Asperg ist untrennbar verwoben mit dem weithin sichtbaren Gipskeuperberg und der trutzigen Festung. Auch wenn sie jetzt ihr 1200-jähriges Bestehen feiert, weil sie im Jahr 819 in einer Urkunde des Klosters Weißenburg unter dem Namen Assesberg erstmals erwähnt wird: Sie atmet Geschichte, die weit in die vorchristliche Zeit zurückreicht. Das belegen zahlreiche auf den Berg ausgerichtete keltische Grabstätten mit spektakuläre Beigaben.

Dennoch: Die erste gesicherte Nennung anno 819 bietet den Aspergern Anlass, ihre Stadt kräftig hochleben zu lassen. Rund 600 000 Euro lassen sie sich das Festjahr kosten, knapp 200 000 will die Verwaltung allerdings über Einnahmen und Sponsoring wieder hereinholen.

Nicht ausschließlich, aber immer wieder steht dabei der Hohenasperg im Fokus. „Ob als Weinberg, als Landesfestung, als Gefängnis: Die Bevölkerung hat einfach immer im Zusammenhang mit ihm gelebt“, sagt der Asperger Bürgermeister Christian Eiberger. Die Stadt habe sich längst zum attraktiven Wohnort mit guter Infrastruktur gemausert, „aber der Hohenasperg ist natürlich immer noch unser Aushängeschild.“ Sogar Albrecht Dürer hielt ihn in einer Radierung fest:Der Künstler dokumentierte die Belagerung der Festung durch Truppen des Schwäbischen Bundes im Jahr 1519.

Anstoßen mit Jubiläums-Cuvée

Für Christian Eiberger, im Herbst 2017 ins Amt gewählt, fiel das erste Asperger Jahr genau in die heiße Vorbereitungsphase für das Fest – die optimale Gelegenheit, die Bewohner von ihrer besten Seite kennenzulernen. Als „sehr interessiert und sehr engagiert“ erlebte der 37-Jährige die Asperger: „Die Bürgerschaft war richtig heiß auf das Jubiläumsjahr.“ Kulturtage, ein mehrtägiges Fest im Juli, Kunstaktionen, Führungen, Vorträge und Ausstellungen gehören dazu, außerdem erscheint ein neues Heimatbuch aus der Feder von Gertrud Bolay und Herbert Paul. Die Interessengemeinschaft Asperger Weingärtner hängt sich an das Festjahr an, feiert „1200 Jahre Asperger Wein“ und hat passend zum Anlass 1200 Flaschen Rotwein-Cuvée und 1200 Flaschen Weißwein-Cuvée aufgelegt. „Auch wenn Kriegswirren, Fehlherbste, Krankheiten oder Teuerungen im Laufe der Jahrhunderte Stagnation und unvorstellbare Armut mit sich gebracht haben“, ruft Peter Pfisterer, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft, in Erinnerung, „ließen sich unsere Ahnen davon nicht entmutigen. Von Generation zu Generation rafften sie sich immer wieder auf, um ihre Weingärten zu pflegen.“

Hommage an Freidenker und Demokraten

Und selbst in Klänge wird das Jubiläum gefasst: Die Stadtkapelle hat bei dem Schopfheimer Komponisten Markus Götz ein Auftragswerk geordert. Fast zwei Jahre Vorlauf steckte Götz in das viersätzige Werk, das am Samstag beim Eröffnungs-Festakt von 19 Uhr an in der Stadthalle uraufgeführt wird und das – wiederum lässt der Hohenasperg grüßen – „Mountain of history“ heißt. „Der wechselhaften Geschichte des Ortes entsprechend gibt es sowohl Momente, in denen Hoffnungslosigkeit durchscheint, als auch mitreißende, vorwärtsgerichtete Passagen“, verrät Götz. Verbindendes, immer wieder aufscheinendes Element sind Anklänge an das Volkslied „Die Gedanken sind frei“: Eine Hommage an die in Asperg inhaftierten Freidenker und Streiter für die Demokratie. Sie haben dem Hohenasperg den schönen Beinamen „Demokratenbuckel“ verliehen.




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