125 Jahre Stuttgarter Kickers Das waren die Höhepunkte der Blauen
Am 21. September feiern die Stuttgarter Kickers ihren 125. Geburtstag. Es gab viele Höhen und Tiefen – wir blicken speziell auf die Aufstiege.
Am 21. September feiern die Stuttgarter Kickers ihren 125. Geburtstag. Es gab viele Höhen und Tiefen – wir blicken speziell auf die Aufstiege.
Es gab viele Tiefschläge und viele Höhepunkte in den 125 Jahren Stuttgarter Kickers. Ende der 1940er Jahren hatten die Blauen den legendären 100-Tore-Sturm, es gab 1963 das viel beachtete Freundschaftsspiel vor 42 000 Zuschauern gegen Real Madrid, die damals größte legende Fußballshow der Welt. Es folgte der Sprung ins DFB-Pokal-Finale 1987 gegen den Hamburger SV oder der sensationelle 4:1-Triumph beim FC Bayern 1991. In der folgenden Auflistung gilt der Fokus den Aufstiegen.
Ein Jahr nach dem Einzug ins DFB-Pokalfinale gegen den Hamburger SV (1:3) folgte der erste Aufstieg in die Bundesliga unter Trainer Manfred Krafft. „Wir waren damals die mit Abstand beste Mannschaft in der zweiten Liga. Der Aufstieg deutete sich schon mehrere Wochen vor Saisonende an“, erinnert sich Stürmer Ralf Vollmer. Am 18. Mai 1988 konnte durch die Tore von Bernd Grabosch, Kazimierz Kmiecik und Uwe Igler mit einem 3:0-Auswärtserfolg bei Rot-Weiß Oberhausen der Sprung nach oben endgültig perfekt gemacht werden. Vollmer: „Das war unter der Woche abends, gefeiert haben wir trotzdem kräftig in der Düsseldorfer Altstadt.“
Auf dem Weg zurück in die Bundesliga zeigten die Blauen keine Nerven: Gegen den FC St. Pauli gab es im Relegations-Entscheidungsspiel (Hin- und Rückspiel waren 1:1 ausgegangen) in Gelsenkirchen ein 3:1 durch die Tore von Ralf Vollmer, Juan Cayasso und Dirk Fengler. Die Mannschaft von Trainer Rainer Zobel war erst 40 Minuten vor dem Anpfiff angekommen.
Busfahrer Willi Mast, der bei den Kickers nach wie vor am Steuer sitzt, traf keine Schuld. Der Stau war nicht vorhersehbar. „Uns hatte damals keiner auf dem Zettel, umso befreiender und ausgelassener war die Feier“, erinnert sich Vollmer. Nach einem Abstecher nach Köln ging der Partymarathon im Clubhaus in Degerloch weiter.
Im ersten Jahr nach dem Abstieg in die Regionalliga Süd waren die Blauen noch, hauptsächlich wegen ihrer Auswärtsschwäche, an der SpVgg Unterhaching gescheitert. 96 Saisontore (allein davon 37 von Jonathan Akpoborie) reichten nicht. Im zweiten Jahr gelang unter Trainer Wolfgang Wolf der Wiederaufstieg – mit neun Punkten Vorsprung vor dem Zweiten VfR Mannheim. Kickers-Stürmer Markus Beierle kam mit 23 Treffern auf Platz zwei der Torjägerliste hinter Dragan Trkulja (25 Tore/SSV Ulm 1846). „Wir hatten einen unglaublichen Zusammenhalt in der Mannschaft und Wolle Wolf hatte den Laden im Griff“, erinnert sich Spielmacher Adnan Kevric.
Am 31. Mai 2008 ging es für die Kickers am letzten Spieltag bei der SV Elversberg um die Qualifikation zur neu gegründeten dritten Liga. Ein Sieg war Pflicht, gleichzeitig durfte der SSV Reutlingen bei den SF Siegen nicht gewinnen. Beides traf ein. Die Blauen gewannen durch Tore von Marco Tucci und Angelo Vaccaro mit 2:0, Reutlingen verlor mit 1:2. „Wir haben es geschafft, weil jeder für den anderen Gas gegeben hat und wir trotz der Hektik im Umfeld die Ruhe bewahrt haben“, erinnert sich der damalige Trainer Stefan Minkwitz.
Die Stuttgarter Kickers machten den Sprung nach oben praktisch auf dem Sofa perfekt. Das Team von Trainer Dirk Schuster hatte mit einem 1:0 gegen den FC Memmingen vorgelegt. Sonntags war der Aufstieg durch die 2:3-Niederlage von Rivale SG Sonnenhof Großaspach bei der TSG 1899 Hoffenheim II auch rechnerisch besiegelt.
„Es war eine super Saison. Wir hatten eine überragende Truppe aus erfahrenen Spielern wie Marco Grüttner, Julian Leist, Marcel Ivanusa oder Jerome Gondorf. Dazu noch viele hungrige Jungs aus der eigenen Jugend wie Fabio Leutenecker“, erinnert sich Spielmacher Enzo Marchese. „Wir waren eine Einheit und auch neben dem Platz echte Kumpels. Wir haben viel gemeinsam unternommen“, berichtet der mittlerweile 41-Jährige. „Bei der Aufstiegsfeier ging es richtig ab – wir haben es mit den Fans krachen lassen“, so Marchese.
2016 waren die Kickers in die Regionalliga abgestiegen, 2018 folgte der Absturz in die Oberliga. Nachdem die Blauen 2020 in Alzenau und 2022 in Trier jeweils in der Aufstiegsrunde gescheitert waren, klappte es 2023 mit der Rückkehr in die Regionalliga auf direktem Weg. Noch bevor das Oberligaspiel der Blauen beim SSV Reutlingen beendet war, stand an jenem Samstag um 15.50 Uhr der Aufstieg der Blauen in die Regionalliga schon am viertletzten Spieltag auch rechnerisch fest.
Grund war die 1:3-Niederlage von Verfolger SG Sonnenhof Großaspach beim bereits um 14 Uhr angepfiffenen Spiel beim FC 08 Villingen. Am Ende wurde die Mannschaft von Trainer Mustafa Ünal mit 15 Punkte Vorsprung auf die SG Sonnenhof Großaspach sehr souverän Meister. Dass man im Folgejahr als Aufsteiger Vize-Meister wurde ist aller Ehren wert, doch die Enttäuschung über den am letzten Spieltag verspielten Zehn-Punkte-Vorsprung auf den Drittliga-Aufsteiger VfB Stuttgart II überwog.
Wir haben Fotos von den Höhepunkten der Kickers. Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie!
Pflichtspiele
Stuttgarter Kickers – Eintracht Frankfurt II 2:1, FC Esslingen – Kickers 0:5 (WFV-Pokal), FC 08 Homburg – Kickers 1:1, Kickers – FC 08 Villingen 1:0, FC Normannia Gmünd – Kickers 1:3 n. V., FC Gießen – Kickers 2:2, Kickers – FC-Astoria Walldorf 1:0, 1. Göppinger SV – Kickers 0:0, Kickers – SGV Freiberg 1:3 n. V. (WFV-Pokal), Kickers – TSV Steinbach Haiger 5:1, Kickers Offenbach – Kickers 2:0, Kickers – FSV Frankfurt (21. September, 14 Uhr), SGV Freiberg – Kickers (28. September, 14 Uhr), Kickers – TSG 1899 Hoffenheim II (4. Oktober, 19 Uhr), Bahlinger SC – Kickers (12. Oktober, 14 Uhr), Kickers – SG Barockstadt Fulda-Lehnerz (19. Oktober, 14 Uhr), Eintracht Trier – Kickers (27. Oktober, 14 Uhr), SC Freiburg II – Kickers (2. November, 14 Uhr), Kickers – 1. FSV Mainz 05 II (9. November, 14 Uhr), KSV Hessen Kassel – Kickers (16. November, 14 Uhr), Eintracht Frankfurt II – Kickers (24. November, 14 Uhr), Kickers – FC 08 Homburg (30. November, 14 Uhr), FC 08 Villingen – Kickers (6./7./8. Dezember). (jüf)