125 Jahre Stuttgarter Rudergesellschaft „Uns ist das Wasser bis zum Bauchnabel gestanden“

Florian Roller brachte es als eines der Aushängeschilder des Vereins sogar zu mehreren WM-Titeln. Foto: imago /ZUMA Press/Foto Olimpik

Vor der Jubiläumsfeier am Samstag blickt die Vereinsvorsitzende Petra Berner auf die lange Geschichte des Vereins, der Olympioniken und Weltmeister hervorbrachte und auch ein Jahrhunderthochwasser überstand.

Sport: Dominik Grill (grd)

Mit einem zum Bootshaus umfunktionierten Schuppen am Gaisburger Wehr startete am 7. August 1899 die Geschichte der Stuttgarter Rudergesellschaft. 125 Jahre später ist jene ein Verein, der Olympioniken und Weltmeister hervorgebracht hat. Vor der Jubiläumsfeier im Kursaal Bad Cannstatt am Samstag blickt die Vorsitzende Petra Berner auf ihre eigene Zeit bei der StRG, deren lange Historie und aktuelle Herausforderungen.

 

Frau Berner, Sie sind seit 46 Jahren im Verein, arbeiten außerdem bei der DLRG. Das Wasser ist ihr Element, oder?

Das kann man so sagen (lacht). Ob im, unter oder auf dem Wasser – ich fühle mich wie zuhause.

125 Jahre – das ist eine lange Zeit. Was ist das Erste, das Ihnen in den Sinn kommt, wenn Sie an diese reiche Vereinshistorie denken?

Es ist einfach schön, dass es den Verein schon so lange gibt. Es ist ein wunderschöner Sport und ich denke da an so vieles.

Petra Berner, Vorsitzende der Stuttgarter Rudergesellschaft. Foto: privat

Welche Ereignisse haben sich besonders eingeprägt?

Ein prägendes Ereignis war, als vor unserem 100-Jahr-Jubiläum unsere Gaststätte ausgebrannt ist. Vor allem denke ich aber natürlich an die vielen Erfolge unserer Ruderer und Ruderinnen. Und was mich selbst am meisten geprägt hat, war die Jugendzeit. Man war einfach aufgehoben als Jugendliche, der Verein war wie ein zweites Wohnzimmer.

Auf welche Erfolge der Stuttgarter Rudergesellschaft sind Sie besonders stolz?

Wir haben fünf Olympioniken im Verein und mehrere Weltmeister. Unser Florian Roller gewann zwei Weltmeisterschaften im Vierer und eine im Achter, und Ingo Euler nahm an den Olympischen Spielen in Sydney, Atlanta und Athen teil. Toll war natürlich auch, als 1976 das Frauen-Rudern olympisch wurde und unsere Isolde Eisele und Marianne Weber im Damen-Achter in Montreal ruderten.

Wie hat sich der Rudersport verändert, seit Sie im Verein sind, und welche Herausforderungen gibt es heute?

Das Niveau ist höher als früher, und es ist heute natürlich ein komplett anderes Material. Damals sind wir noch mit Holzbooten und Holzskulls in Wettkämpfen gestartet, heute ist alles aus Kunststoff und dadurch viel leichter. Ich bezweifle, dass unsere Jugend noch mit Holzskulls rudern könnte (lacht). Aber Nachwuchsprobleme haben wir keine, der Verein platzt eher aus allen Nähten. Die Mitgliederzahl hat sich in den letzten zehn Jahren etwa verdoppelt. Unsere Herausforderung ist also weniger die Mitgliedergewinnung, sondern dass wir zu wenig Platz haben und mehr Boote brauchen.

Inwiefern ist in Zeiten von Klimawandel und Wetterkapriolen Hochwasser ein Thema?

Damit beschäftigen wir uns natürlich und überlegen zum Beispiel, wie wir das Bootshaus besser sichern können. In den vergangenen Jahren hatten wir Glück, das letzte Hochwasser hat uns 1978 getroffen. Damals stand das Wasser bis zum Bauchnabel im Bootshaus. Aber diese normalen Hochwasser, bei denen wir nicht mehr aufs Wasser gehen, die gab es schon immer. Heute kommen eben vermehrt extreme Hochwasser dazu.

Jetzt mal ein bisschen Werbung für den Verein: Warum sollte man bei der StRG mit Rudern anfangen?

Weil wir der tollste Verein überhaupt sind (lacht). Und weil wir nette, engagierte Mitglieder haben, weil bei uns jeder willkommen ist, weil wir sehr gutes Bootsmaterial haben und weil Rudern ein wunderschöner Sport ist, den man von 10 bis 90 Jahren machen kann – ein Mitglied von uns saß im Alter von 89 noch im Boot und hat ruderkilometertechnisch zweimal den Äquator umrundet.

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