125 Jahre Westweg Das Flaggschiff des Wanderangebots im Schwarzwald
Der Westweg ist der älteste und bekannteste unter den Fernwanderwegen im Schwarzwald. Ein Mythos, der in diesem Jahr, begleitet von vielen Aktionen, seinen 125. Geburtstag feiert.
Der Westweg ist der älteste und bekannteste unter den Fernwanderwegen im Schwarzwald. Ein Mythos, der in diesem Jahr, begleitet von vielen Aktionen, seinen 125. Geburtstag feiert.
Majestätisch thront der Huberfelsen auf einem Höhenzug des mittleren Schwarzwalds. Er hat die Form eines Schiffsbugs, weshalb das Geländer am Aussichtspunkt auch ein wenig aussieht wie eine Reling. Ein Felsriese in einem Ozean von Schwarzwaldbäumen, mit einer grandiosen Aussicht in das Tal der Elz auf der einen und das Gutachtal auf der anderen Seite.
Es lohnt sich, die steilen Stufen hinaufzugehen, den Rundumblick zu genießen, die Natur, die hier besonders vielfältig ist: Buchen, Eschen, Vogelbeeren, Ahorn, Fichten und Tannen wachsen auf knapp 800 Meter Höhe einträchtig nebeneinander. Die Vögel stimmen ein Frühlingskonzert an, und der Wind pfeift dazu seine leise Melodie. „Einfach traumhaft“, sagt eine Frau, die etwas außer Atem gerade das Plateau erreicht hat.
Der Huberfelsen ist einer der landschaftlichen Höhepunkte auf der siebten Etappe des Westwegs. Die führt von Hausach nach Schonach, mit satten 21,3 Kilometern Strecke und 1214 Höhenmetern. Das ist etwas für richtige Wanderer, für Menschen, die mehr als einen Sonntagsspaziergang machen wollen. Am Ende des Tages wissen Westweggeher, was sie geleistet haben.
Der Huberfelsen, benannt nach einem Obervogt aus Triberg, liegt ziemlich genau in der Mitte des 285 Kilometer langen Westwegs. In diesem Jahr wird er 125 Jahre alt, ein Großereignis mit einer Vielzahl von Aktionen. Der Deutsche Wanderverband veranstaltet ihm zu Ehren deshalb am 14. Mai den alljährlichen „Tag des Wanderns“ im Schwarzwald. Die Ortsvereine des Schwarzwaldvereins bieten im Mai geführte Etappentouren an.
Der Badische Schwarzwaldverein war es auch, der den Westweg im Jahr 1900 aus der Taufe hob. Einen durchgehenden Höhenweg über das größte aller deutschen Mittelgebirge wollte man schaffen, von Pforzheim bis ins schweizerische Basel. Es ist bis heute die Strecke des Westwegs, der sich noch immer ungebrochener Beliebtheit erfreut.
Als der Ettlinger Marco Ruppert vor drei Jahren einen Naturfilm über den Westweg auf den Markt brachte, war die bange Frage, wer den wohl anschauen würde. Es waren Zehntausende, rund 80 Kinos in Deutschland zeigten den Streifen „WildWestwegs“, viele Vorstellungen waren komplett ausverkauft. „Der Westweg ist ein Mythos, das Flaggschiff unseres Wanderangebots“, sagt auch Sascha Hotz, der bei der Schwarzwald Tourismus den Bereich Outdoor leitet. 15 000 Broschüren des Westwegs werden jährlich gedruckt, 20 000-mal wurden die GPX-Tracks alleine auf der Seite Outdooractive heruntergeladen – eine enorme Zahl.
Auch am Huberfelsen feiert man Geburtstag. Auf seiner Spitze wurde eine Jubiläumsstempelstelle eingerichtet sowie ganz in der Nähe eine Stele mit Selfie-Spot angebracht, welche die geografische Mitte des Westwegs markiert. Neue Bänke aus Schwarzwaldholz ergänzen dort und an vielen anderen Stellen die alten Sitzgelegenheiten, eine Vielzahl von Akteuren ist stets emsig bemüht, den bekanntesten der 27 Fernwanderwege im Schwarzwald in Schuss zu halten.
Da wäre vor allem der Schwarzwaldverein, der sich um die Beschilderung des Westwegs kümmert. Man folge der roten Raute, die an jeder noch so kleinen Wegkreuzung angebracht ist. Richtungswegweiser mit Höhenangaben ergänzen die Symbole, zum Huberfelsen noch 2,3 Kilometer, da weiß man schon mal, worauf man sich freuen kann.
2006 wurde der Westweg vom Deutschen Wanderverband als Qualitätsweg zertifiziert. Es war das notwendige Upgrade in die moderne Welt des Wanderns, die weniger von großen Gruppen als von Einzelpersonen geprägt ist. Alleine, zu zweit, mit Freunden will man unterwegs sein und dabei möglichst schmale Pfade gehen. Entsprechend wurden viele Westweg-Passagen verlegt, naturnah umgestaltet und um neue Aussichtspunkte ergänzt. Eine Arbeitsgemeinschaft mit dem Titel „Westwegfonds“, der neben dem Schwarzwaldverein auch die 38 Gemeinden am Wegesrand sowie die Schwarzwald Tourismus angehören, koordiniert die Aktivitäten.
Es ist ganz erstaunlich, wie oft man auf dem prominentesten aller Schwarzwaldwege trotzdem für sich alleine ist. Kaum hat man den Huberfelsen verlassen, wird es ganz ruhig. Kilometerlang herrscht nun wieder einsame Stille. Denn natürlich sind nicht alle, die die spektakulären Aussichtspunkte besuchen, Westwegwanderer. Letztere erkennt man ganz leicht, am schnelleren Schritt und dem größeren Rucksack sowie den gut gefüllten Wasserflaschen, die man unterwegs braucht.
Nach rund 200 weiteren Höhenmetern ist der höchste Punkt der siebten Etappe erreicht: der 969 Meter hohe Karlstein. Er heißt so, seit ihn 1770 ein gleichnamiger württembergischer Herzog bestiegen hat. Auch von hier geht der Blick ins weite Land und zum Glück auch auf ein Restaurant, in das man nun einkehren kann: die Schöne Aussicht.
Für den Fortgang stellt sich die Frage, zu welcher Gruppe von Westweggehern man gehört: Weitwanderer machen in Schonach Station und nehmen am nächsten Tag Etappe acht in Angriff. Die Schnupperwanderer steigen ab nach Hornberg. Von dort geht es im Zug zurück nach Hausach – mit tollen Erinnerungen und Bildern im Gepäck. Und mit Lust auf mehr – hält doch der Westweg auch noch uralte Hochmoore, ausgesetzte Grate, spektakuläre Schluchten, geheimnisvolle Wälder und glitzernde Seen bereit.
Strecke
Der Fernwanderweg führt in 13 Etappen von Pforzheim nach Basel, am Titisee teilt er sich in eine Ost- und Westroute. Er ist 285 Kilometer lang mit rund 9000 Höhenmetern – eine Strecke für echte Wanderer. Eine kostenlose Broschüre, erhältlich bei der Schwarzwald Tourismus GmbH sowie in vielen Hotels und Tourist-Informationen, enthält Etappenbeschreibungen, ÖPNV-Hinweise, Wandern ohne Gepäck-Angebote sowie Einkehr- und Übernachtungstipps entlang der Strecke: Telefon 07 61 / 89 64 60, www.schwarzwald-tourismus.info
Etappe 7
führt von Hausach nach Schonach, ist mit gut 21 Kilometern und 1200 Höhenmetern eine der anstrengendsten auf dem Westweg, aber auch schönsten. Spektakulär sind der Huberfelsen und der Karlstein, schön ist aber auch der Aufstieg von Hausach zur Hasemann-Hütte. Für Tageswanderer empfiehlt sich der vorzeitige Abstieg am Gasthaus Schöne Aussicht nach Hornberg (blaue Raute), Rückfahrt mit dem Zug von dort nach Hausach in zehn Minuten: www.schwarzwald-tourismus.info/touren/westweg-etappe-07-hausach-wilhelmshoehe-schonach-c5ef3e39cc
Jubiläum
Das Jubiläumsfest findet am 14. Mai in St. Märgen statt, am Abend gibt es ein Konzert mit Max Mutzke. Zeitgleich ist dort auch die Zentralveranstaltung des vom Deutschen Wanderverband ausgerichteten bundesweiten „Tag des Wanderns“. Noch bis 1. Juni bieten die Ortsgruppen des Schwarzwaldvereins an den Wochenenden und Feiertagen geführte Etappenwanderungen auf dem Westweg an. Der Schwarzwaldkenner und SWR-Journalist Klaus Gülker erstellt einen Reiseblog mit aktuellen Erfahrungen. Am Huberfelsen, der Mitte des Westweges, gibt es einen Jubiläumsstempel und einen Halbzeit-Selfie-Spot: www.westweg.de