Louisa Pfeiffer ist ein Teenager, der gern zur Schule geht, Pferde mag und mit Freunden loszieht. Dass sie mit 13 Jahren 1,87 Meter groß ist, macht ihr dabei das Leben schwer.
Wenn sie gefragt wird, was sie sich wünschen würde, muss Louisa Pfeiffer nicht lange überlegen. Die 13-Jährige wäre gerne deutlich kleiner. So ein Mittelding zwischen ihrem Bruder und ihrer Mutter würde ihr völlig reichen. Heißt: die Schülerin aus dem Aspacher Ortsteil Kleinaspach (Rems-Murr-Kreis) wäre gerne so um die 1,65 bis 1,70 Meter – doch die Realität sieht anders aus. Louisa Pfeiffer ist aktuell 1,87 Meter groß und noch nicht ausgewachsen. „Wir waren erst kürzlich das Handgelenk vermessen. Da wird ein Röntgenbild angefertigt, um beurteilen zu können, ob die Wachstumsfuge noch offen, oder schon geschlossen ist“, erklärt Mama Nina Pfeiffer.
Bei dem Arztbesuch kam heraus, was keiner hören wollte: die Wachstumsfuge ist noch nicht geschlossen und die 13-Jährige wird wohl noch gut fünf bis sechs Zentimeter wachsen. „So wie es gerade aussieht, wird sie wohl so um die 1,93 Meter werden“, sagt Nina Pfeiffer. Sie und ihr Mann sind zwar erleichtert, dass damit wohl nicht die gefürchtete Zwei-Meter-Marke gerissen wird, aber sie erinnern sich auch gut, wie traurig ihre Tochter aus der Arztpraxis gegangen ist. „Louisa hat sich so gewünscht zu hören, dass sie nicht mehr weiter wachsen wird. Sie war total deprimiert und leidet schon sehr unter ihrer Größe“, sagt Papa Michael Pfeiffer.
Die Familie dreht den Spieß um und sucht nach Gleichgesinnten
Weil sie nicht mehr länger tatenlos zu sehen wollen und weil Louisa Pfeiffer zuletzt sogar davon gesprochen habe, ihr Leben zu hassen und nicht mehr zur Schule zu gehen, haben die Eltern nun gemeinsam mit ihrer Tochter beschlossen, ihre Geschichte öffentlich zu machen, um Louisa zu helfen. „Es gab Phasen, da hat sie sich nur noch in ihrem Zimmer eingeschlossen und wir hatten Angst, dass sie es psychisch nicht packt“, sagt Nina Pfeiffer und schaut ihre Tochter an. Die sitzt vor einem Eisbecher, die langen schlanken Beine unter dem Tisch verschränkt und macht den Eindruck, als könne sie das ganze Gerede über ihre Körpergröße schon lange nicht mehr hören.
Und das verwundert nicht: Wo die 13-Jährige auftaucht, spürt sie die Blicke auf sich und es wird getuschelt. Das Mobbing ging soweit, dass die Schülerin sogar schon die Schule gewechselt hat. „Am meisten nerven die blöden Sprüche. Manchmal gehe ich dann einfach weiter, manchmal kommen dann aber auch von mir blöde Sprüche zurück, weil ich es echt nicht mehr aushalte“, sagt Louisa Pfeiffer, die eigentlich gern zur Schule geht, Pferde liebt und in ihrer Freizeit mit Freunden umherzieht.
Louisa wünscht sich weniger Mobbing und dafür mehr Toleranz
Weil ihr aber die allermeisten Gleichaltrigen gerade mal bis zur Schulter gehen und sie nur aufziehen mit ihrer Größe, erhofft sich die 13-Jährige jetzt dadurch, dass sie ihre Geschichte erzählt, endlich eine Freundin auf Augenmaß zu finden, die ihr den Rücken stärkt. „Wenn wir zusammen umherziehen, können wir uns gegenseitig helfen und die blöden Sprüche besser an uns abprallen lassen.“ Sie wünsche sich weniger Mobbing, dafür mehr Toleranz. Bei ihrem Freund klappt das bereits. Der junge Mann ist kleiner als sie, hat damit aber kein Problem und scheint ihre Modelmaße zu schätzen zu wissen.
Um die schlanke Silhouette und die Endlos-Beine würden sie wohl viele erwachsene Frauen beneiden, aber das hilft dem Teenager momentan wenig. „Wir sagen ihr immer, dass sie es später genießen wird. Es macht ihr jetzt schon Spaß, sich hübsch zu machen. Irgendwann wird sie bestimmt gar kein Problem mehr mit ihrer Größe haben“, sagt Nina Pfeiffer. Die zweifache Mama – Louisa hat noch einen jüngeren und aktuell auch noch kleineren Bruder – ist mit 1,77 Metern auch eine große Frau und erinnert sich noch gut, wie sie als junges Mädchen darunter gelitten hat.
Weil auch ihr Mann Michael groß ist – er ist 1,87 Meter – war den Eltern klar, dass sie mal große Kinder bekommen würden. Als Louisa mit einer stolzen Länge von 55 Zentimetern geboren wurde, wunderte sich deshalb keiner. Als die Tochter fünf Jahre alt war, sprach Nina Pfeiffer es beim Kinderarzt an, wurde aber auf später vertröstet. „Ich hab geahnt, dass sie groß wird und hätte gerne schon früh eine Tendenz gehabt.“ Dass Louisa mit gerade mal 13 Jahren bereits auf die 1,90 Meter zusteuern würde, hätten ihre Eltern wohl nicht für möglich gehalten. Sie überlegen manchmal, ob man früher etwas hätte machen sollen. „Es gibt wohl immer noch die Möglichkeit einer Hormontherapie. Aber wegen ein oder zwei Zentimetern wollen wir sie diesen Risiken jetzt auch nicht mehr aussetzen. Die Alternative wäre ein chirurgischer Eingriff gewesen, das hätte aber wohl in der früheren Kindheit stattfinden müssen“, sagt die 36-Jährige.
Statt auf medizinische Eingriffe setzt die Familie aus Kleinaspach deshalb nun auf Gleichgesinnte und darauf, dass es ihrer Tochter vielleicht eine Freude bereitet, wenn sie in einem Laden für Übergrößen fündig wird und sich schick machen kann. Nina Pfeiffer sagt: „Es ist geplant, dass wir da in einen Spezialladen fahren, um sie ein wenig bei Laune zu halten. Denn auch bei den Schuhen kann sie nur Sneakers für Jungs tragen, obwohl sie schöne Damenschuhe liebt. Aber in ihrer Größe gibt es die im Handel nicht.“
Kein Wunder: Aktuell hat die 13-Jährige Schuhgröße 44/45. „Das macht schon alles schwierig, genauso wie bei den Klamotten“, sagt Papa Michael Pfeiffer und ist froh, dass sich seine Tochter trotzdem bei hochsommerlichen Temperaturen ins Freibad traut. Nur dass sie dort mit der Wasserpistole bespritzt und die ganze Zeit angestarrt wird, kann der 38-Jährige nicht verstehen. „Heutzutage laufen doch so viele schräge Vögel rum, warum muss man da einem hübschen, großen Mädchen so das Leben schwer machen. Aber jetzt hoffen wir einfach, dass sie bald eine Freundin auf Augenhöhe findet und alles gut wird.“
Große Freundin gesucht
Info
Mädchen in Louisa Pfeiffers Alter und mit ähnlicher Körpergröße, die mit ihr Kontakt aufnehmen wollen, können sich unter der extra dafür eingerichteten E-Mail-Adresse miteinandergross@gmail.com bei der Familie melden.