14-Jährige aus Aspach Mobbing lässt Louisa jetzt kalt – mit 1,87 Meter selbstbewusst durchs Leben

, aktualisiert am 25.10.2025 - 17:52 Uhr
Neue Freunde und eine neue Haarfarbe – Louisa Pfeiffer geht es jetzt deutlich besser. Foto: privat

Louisa Pfeiffer aus Aspach hat lange unter ihrer Größe gelitten. Inzwischen hat sie viele Freunde gewonnen – weil sie den Mut hatte, ihre Geschichte öffentlich zu erzählen.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Louisa Pfeiffer hat neue Freundinnen gefunden. Klingt nicht wirklich wie eine außergewöhnliche und spektakuläre Neuigkeit, ist es für die Schülerin aus dem Aspacher Ortsteil Kleinaspach (Rems-Murr-Kreis) aber – und was für eine. Die 14-Jährige hatte öffentlich nach neuen Freundinnen gesucht und zwar nach solchen auf Augenhöhe, denn Louisa Pfeiffer ist aktuell 1,87 Meter groß und noch nicht mal ausgewachsen. „Wir waren extra das Handgelenk vermessen. Da wird ein Röntgenbild angefertigt, um beurteilen zu können, ob die Wachstumsfuge noch offen, oder schon geschlossen ist“, erklärt Mama Nina Pfeiffer.

 

Bei dem Arztbesuch kam heraus, was keiner hören wollte: die Wachstumsfuge ist noch nicht geschlossen und die 14-Jährige wird wohl noch fünf bis sechs Zentimeter wachsen. „So wie es gerade aussieht, wird sie wohl so um die 1,93 Meter werden“, sagt Nina Pfeiffer. Sie und ihr Mann erinnern sich gut, wie traurig ihre Tochter aus der Praxis lief. „Louisa hatte sich so gewünscht, dass sie nicht mehr weiter wachsen wird. Sie war total deprimiert“, sagt Papa Michael Pfeiffer.

„Louisa ist wie ausgewechselt“: Erfolg durch mutigen Schritt

Um so glücklicher sind er und seine Frau nun angesichts der neuesten Entwicklungen. Denn der Plan, den die besorgten Eltern mit ihrer Tochter schmiedeten, ging auf. Die 14-Jährige hat ihre Geschichte öffentlich gemacht, um endlich Gleichgesinnte zu finden, die ihr den Umgang mit ihrer Körpergröße erleichtern sollten. Mit Erfolg. „Louisa ist wie ausgewechselt. Sie wirkt endlich wieder glücklich“, sagt Mama Nina Pfeiffer. Seit sie den mutigen Schritt gegangen seien, hätten sie um die 50 E-Mails erhalten mit Tipps, Erfahrungsaustausch, aber eben auch mit konkreten Anfragen für ein Treffen. „Teils war es ein bisschen schwierig mit den Entfernungen, aber wir haben uns trotzdem mit allen erst einzeln und dann als große Gruppe getroffen“, erklärt Nina Pfeiffer und man hört der 37-Jährigen die Erleichterung an.

Die vergangenen Monate waren alles andere als leicht, die Sorgen oft sehr groß. Zuletzt habe Louisa sich immer öfter in ihrem Zimmer versteckt, richtig traurig gewirkt und sogar davon gesprochen, ihr Leben zu hassen und nicht mehr zur Schule gehen zu wollen. „Es ist so schön zu sehen, wie viel das Ganze gebracht und geholfen hat. Sie geht jetzt wieder gerne raus und man hört sie lachen und mit ihren neuen Freundinnen telefonieren. Zuletzt hatten wir Angst, dass wir einen Psychiater einschalten müssen, so schlimm war es“, sagt Nina Pfeiffer.

Und das verwundert nicht: Wo die 14-Jährige auftauchte, spürte sie die Blicke auf sich und es wurde getuschelt. Das Mobbing ging so weit, dass die Schülerin sogar schon die Schule gewechselt hat. „Am meisten nervten die blöden Sprüche. Manchmal bin ich weiter gegangen, manchmal kamen aber auch von mir blöde Sprüche zurück, weil ich es echt nicht mehr ausgehalten habe“, sagt Louisa Pfeiffer, die eigentlich gern zur Schule geht und Pferde liebt.

„Gemeinsam sind wir stark und mutig“: Louisa trotzt Mobbing

Wenn sie jetzt mit ihren neuen Freundinnen loszieht, die wie sie deutlich größer sind als der Durchschnitt in ihrem Alter, dann fürchtet die 14-Jährige kein Getuschel und schon gar keine blöden Sprüche mehr. „Wenn wir mehrere sind, macht das stark und mutig. Das tut total gut und wir können uns gegenseitig helfen“, sagt Louisa Pfeiffer. So lasse es sich auch besser ertragen, wenn es doch mal wieder zu einer blöden Reaktion komme, sagt Louisa Pfeiffer und lacht.

Der Schritt in die Öffentlichkeit hat Louisa Pfeiffer gutgetan. Foto: privat

Passend zum neuen, mutigeren Lebensabschnitt hat das schlanke Mädchen mit den schier endlos langen Beinen die Haarfarbe gewechselt – Aubergine heißt der Farbton, mit dem sie aktuell von jedem Foto strahlt. „Das steht ihr richtig gut, sie versteckt sich nicht mehr, sondern steht zu ihrer Größe“, sagt Nina Pfeiffer. Und das Beste? Die Schülerin ist gar nicht mehr überall die Größte. Beim Gruppentreffen waren Louisa und ihre neuen Freundinnen zu fünft – und Louisa ist in der Mädelstruppe die Zweitkleinste. „Nur Julia ist mit 1,84 Metern kleiner als ich. Aber Lena, Alina und Emma sind größer, es geht bis 1,93 Meter“, erzählt Louisa Pfeiffer, die ihre neuen Freundinnen nicht nur bei den Gruppentreffen sieht, sondern sich mit einzelnen Mädels auch einfach so öfters trifft. „ Es scheint als könne sie ihre Größe jetzt endlich genießen“, sagt Nina Pfeiffer.

Großes Baby: Louisa wurde mit 55 Zentimetern geboren

Die zweifache Mama – Louisa hat noch einen jüngeren, zwölf Jahre alten Bruder – ist mit 1,77 Metern selbst eine große Frau und erinnert sich noch gut, wie sie als junges Mädchen darunter gelitten hat. Weil auch ihr Mann Michael groß ist – er ist 1,87 Meter – war den Eltern klar, dass sie mal große Kinder bekommen würden. Als Louisa mit 55 Zentimetern geboren wurde, wunderte sich deshalb keiner. Als die Tochter fünf Jahre alt war, sprach Nina Pfeiffer es beim Kinderarzt das erste Mal an. „Ich hab geahnt, dass sie groß wird. Jetzt ist es wie es ist, und Louisa macht es super“, sagt Nina Pfeiffer, die ihrer Tochter helfen will, coolere Mädchenschuhe zu finden. Aktuell wird sie nur bei Männer-Sneakern fündig.

Große Mädels unter sich – bei einem Gruppentreffen hat sich Louisa (Mitte) mit Gleichgesinnten auf Augenhöhe austauschen können. Foto: privat

Kein Wunder: Die 14-Jährige hat Schuhgröße 44/45. „Das macht schon alles schwierig, genauso wie bei den Klamotten“, sagt Papa Michael Pfeiffer. Der 38-Jährige ist froh, dass sich seine Tochter trotzdem bei hochsommerlichen Temperaturen ins Freibad traut – und jetzt mit Freundinnen auf Augenhöhe wahrscheinlich noch viel öfter und lieber. „Dass sie dabei auch hoch- und nicht nur runtergucken muss, weil viele der Mädels sogar größer sind als sie, gibt ihr zusätzlich Mut. Jetzt wird alles besser“, sagt Nina Pfeiffer.

Große Freundinnen kann man nie genügend haben

Info
Auch wenn der Aufruf erfolgreich war und Louisa schon Gleichgesinnte gefunden hat, freut sie sich über weitere Zuschriften. Mädchen in Louisa Pfeiffers Alter und mit ähnlicher Körpergröße, die mit ihr Kontakt aufnehmen wollen, können sich deshalb auch weiterhin unter der extra dafür eingerichteten E-Mail-Adresse miteinandergross@gmail.com melden.

 

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