14. Stuttgarter Europa Theater Treffen Festival mit Frauen-Power

Von Gabriele Metsker  

International geht es wieder zu beim 14. Stuttgarter Europa Theater Treffen, kurz SETT. Vom 16. November bis 9. Dezember sind am Theater Tri-Bühne rund 100 Theaterschaffende zu Gast.

Bereits zum 14. Mal findet das SETT-Festival statt. Thema diesmal: Frauen.   Foto: Veranstalter
Bereits zum 14. Mal findet das SETT-Festival statt. Thema diesmal: Frauen. Foto: Veranstalter

Sie kommen aus Griechenland, England, Italien, der Türkei, aus Ungarn, Georgien, Mosambik und Deutschland. Geballte Kreativität, die sich vornehmlich um ein Thema dreht: die weibliche Hälfte der Menschheit. „Es soll ein Fest werden von Frauen für Frauen – und natürlich auch für alle anderen“, sagt Edith Koerber, die Intendantin des Theaters Tri-Bühne, der zusammen mit Stefan Kirchknopf auch die Festivalleitung obliegt.

Groß ist die Vielfalt der Formate, welche die unterschiedlichen Ensem­bles nach Stuttgart bringen. Das fängt schon mit der Auftaktveranstaltung am 16. November um 20 Uhr an: der dadaistischen Soiree „To DA or not to DA?“ Studierende und Lehrkräfte von der Aristoteles-Universität Thessaloniki haben einen dadaistischen Varieté-Abend im Gepäck, bestehend aus Klanggedichten, Manifesten, Chansons, Szenen aus Tristan Tzaras „Das Gasherz“ und Kurt Schwitters „Kümmernisspielen“. Entsprechende zeitgenössische Rekonstruktionen von Dada-Kostümen und Requisiten gehören ebenfalls mit dazu.

Shakespeare aus einer neuen Perspektive

Einen anderen Weg geht das Ensemble um die junge Autorin, Schauspielerin und Regisseurin Victoria Baumgartner, die sich der Welt des großen William Shakespeare aus einer neuen Perspektive nähert: Wie könnte man sich die Zeit vorstellen, ehe Shakespeare den Weg auf die Erfolgsspur fand? „Will oder: Die 8 verlorenen Jahre in William Shakespeares Leben“ erzählt diese Geschichte am 17. und 18. November abends mit einer Mischung aus Fantasie und Realität, mit Bezügen zu seinen zukünftigen Werken und mithilfe moderner Musik und frei improvisiertem Tanz. Am Nachmittag des 18. November kann das Publikum mitverfolgen, was Shakespeares Zwillinge Judith und Hamnet hätten erzählen können.

Auf einer anderen Grundlage ist der Beitrag des Arslanköy Frauen Theater Kollektivs entstanden, das am 21. November zu Gast ist. Sie geben ihr erstes Gastspiel außerhalb der Türkei. Dort sind sie schon seit 2001 mit ihren Stücken unterwegs, in denen es um die Beziehung zwischen Mann und Frau geht. Die heute 61-jährige Ümmiye Koçak, die ein klassisches Leben als Bäuerin im anatolischen Hochland führt, hat es sich zum Ziel gesetzt, die Stimme der Frauen in der ganzen Türkei hörbar zu machen. Hier geht es um Inhalte – nicht um „L’art pour l’art“.

„Supra – Ein Fest“

Eine abermals andere Darstellungsform hat das Ensemble um die Georgierin Nino Haratischwili gewählt. „Supra – Ein Fest“ heißt ihr Beitrag, der am 1. und 2. Dezember zu erleben ist. Dabei darf das Publikum zusammen mit den Sängerinnen und Schauspielerinnen an einer langen Tafel sitzen. Es werden georgischer Wein und andere georgische Spezialitäten gereicht, verbunden mit Trinksprüchen auf die Schönheit der Frauen und auch auf ihre Kochkünste – vor dem Hintergrund, die patriarchal geprägte Gesellschaft aufs Korn zu nehmen. Eine temperamentvolle Verbindung gehen am 1. Dezember in der Liederhalle die Violinistin Veronika Eberle, der Kontrabassist Edicson Ruiz und der Perkussionist Gonzalo Grau ein. Unter dem Titel „RUMBach“ treffen hier ausgewählte Stücke von Bach auf lateinamerikanische Rhythmen. Die deutschen Übertitel, die bei den internationalen Theaterproduktionen immer eingeblendet werden, sind an diesem Abend natürlich nicht nötig.

„Ubuntu – Ich bin, weil wir sind“

Die anderen Beiträge des Festivals sind nicht weniger spannend: Da ist zum Beispiel „Ubuntu – Ich bin, weil wir sind“ vom Teatro Avenida aus Mosambik am 22. November; die ungarische Inszenierung der „Blechtrommel“ von Günter Grass vom Budapester Katona Jószef Színház am 24. und 25. November. Ebenfalls aus Budapest, allerdings vom Theater FILC, kommt am 29. und 30 November „Das Tagebuch der Fanni Gyarmati“. Sie war Ehefrau und Muse des ungarischen Dichters Miklós Radnóti, der zu den wichtigesten Poeten Ungarns zählt und der 1944 von den Natio­nalsozialisten ermordet wurde.

Aus Italien kommen ebenfalls mehrere Beiträge, inszeniert von Serena Sinigaglia, die als eine der besten Regisseurinnen Italiens gilt: „Isabel Green“, eine Parabel auf die Burn-out-Gesellschaft (27. und 28. November), und Shakespeares „Die lustigen Weiber von Windsor“ in einer Bearbeitung von Edoardo Erba, bei der nur Frauen auf der Bühne stehen (7. und 8. Dezember). Am 5. und 6. Dezember gibt es „Bezahlt wird nicht“ aus der Feder von Dario Fo in der Inszenierung von Alejandro Quintana.

Über die unsicheren Verhältnisse, von denen das Leben der Frauen im Theater geprägt ist, sinnieren am 9. Dezember Christine Prayon, Bettina Kenter-Götte, Angelika Hart, Lisa Jopt und Serena Sinigaglia. Um „Tina oder die Waffen der Frau“ geht es bei der internationalen Collage am 25. November, um Griechenlands Kulturschaffende in der Krise am 18. November. Bei diesen beiden Veranstaltungen darf im Anschluss bei Speis und Trank gerne noch diskutiert werden. Das Festival-Abschlusskonzert gestaltet die Band erika51 am 9. Dezember um 20.30 Uhr.

SETT-Festival: 16. November bis 9. Dezember, Tri-Bühne, www.sett-festival.eu, Tickets 07 11 / 2 36 46 10