Bekannt aus Stern TV Böblinger Mallorca-Auswanderer Jens ist tot

Jens, Mallorca-Auswanderer aus Böblingen, ist tot. Foto: N. Reckel

Jens Hendel lebte 15 Jahre als Obdachloser in Palma de Mallorca. Nun ist der 44-Jährige, der aus Böblingen stammt, überraschend gestorben.

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

15 Jahre lebte Jens Hendel auf den Straßen von Palma de Mallorca. 15 Jahre, in denen der Böblinger zwischen Freiheit und Entbehrung, zwischen Sucht und Lebensfreude, zwischen materieller Knappheit und der Publicity durch Medien hin- und herschwankte. Am vergangenen Dienstag, 24. Juni, ist Jens Hendel mit 44 Jahren gestorben. Das bestätigt der Podcastproduzent Nicolas Reckel, der ab 2022 den Podcast „Gestrandet – Last Exit Mallorca“ unterhielt und mit Jens Hendel befreundet war.

 

In Böblingen geboren, in Sindelfingen ausgebildet

Hendel lebte bis zuletzt am Platja de Palma, dem Hausstrand der Inselhauptstadt, mit seinen mittlerweile zwei Hunden in improvisierten, zeltartigen Behausungen. Seine letzten Tage verbrachte er in einem Krankenhaus in Palma, wo er an den Folgen einer Krebserkrankung verstarb.

2010 strandete der Böblinger, der die Albert-Schweitzer-Realschule besucht und nach eigenen Aussagen im Hotel-Restaurant Knote in Sindelfingen eine Ausbildung zum Koch absolviert hatte, dort. Die Reise nach Mallorca war ein Teil eines beschwerlichen Weges. Sein Vater war gestorben, das hatte Hendel aus der Bahn geworfen, wie er vor zwei Jahren unserer Zeitung erzählte: „Ich hatte einen Nervenzusammenbruch und begann, Alkohol und andere Drogen zu nehmen. Das ließ mich weiter abstürzen.“ Der damals 29-Jährige landete auf der Straße. Der Kontakt zu seiner Familie in Böblingen brach zwischenzeitlich ab.

Im Beruf des Kochs konnte Hendel auch auf der Insel nicht mehr Fuß fassen. Stattdessen versuchte sich der Böblinger als Straßenkünstler. Er baute Sandburgen und erschuf Seifenblasen für Touristen an der Strandpromenade. Einsamkeit verspürte der 44-Jährige wohl nicht. Sowohl im Podcast von Nicolas Reckel als auch bei Stern TV trat er öffentlich in Erscheinung. Im Zuge eines Drehs erhielt er für eine Nacht sogar Besuch von Ex-Musiker Joey Kelly. Auch deshalb betonte Jens trotz Leben am Rande der Gesellschaft immer: „Ich kann keine hundert Meter laufen, ohne Bekannte zu treffen. Ich bin ein bunter Hund.“ Das Etikett Bettler wies er zurück, vielmehr sah er sich als „Überlebenskünstler“.

Krebserkrankung leitete Ende ein

In den vergangenen Monaten ging es für den 44-Jährigen aber gesundheitlich stark bergab, wie Reckel erklärt: „Jens war immer wieder im Krankenhaus. Behandlungen wie eine Chemotherapie lehnte er ab. Im letzten Lebensjahr konnte Jens wegen einer OP am Kehlkopf nicht mehr sprechen. Daran hatte er sehr zu knabbern.“ Statt gesellig und unterhaltend sah man den Böblinger nun still und mit Block und Stift ausgestattet. „Anders war die Kommunikation nicht mehr möglich“, sagt Reckel. Noch wenige Stunden vor Hendels Tod stand Reckel noch im Kontakt: „Wir redeten noch über seinen Zustand. Er sagte mir schon, dass es ihm schlecht ginge. Er verabschiedete sich praktisch. Dass es dann nur wenige Stunden später schon so weit sein sollte, war ein Schock.“

Letztendlich sei der frühe Tod eine Mischung aus dem ungesunden Lebensstil und der Krebserkrankung, ist sich der Wahl-Mallorquiner Reckel sicher. Gerade bei der deutschen Auswanderer-Community und regelmäßigen Palma-Touristen hat Jens Hendels Tod Trauer und Bestürzung ausgelöst. In den sozialen Medien schreiben viele von einer „guten Seele“ und einem Menschen „mit Herz“. Ein Weggefährte hat bei einem großen Online-Bezahlsystem eine Spendenaktion initiiert, um die Beerdigung – möglicherweise eine Seebestattung – mitzufinanzieren. Wo seine Hunde untergebracht sind, ist nicht bekannt.

Weitere Themen