Dass Mütter in Familien nach wie vor den Großteil der Kinderbetreuung und Hausarbeit übernehmen, weiß jeder, der schon mal während der Abholzeit vor einer Kita stand oder nachzählt, wie viele Kuchen beim Schulfest von Vätern gebacken wurden. Trotzdem ist die nun diskutierte Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BIB), die dieses gefühlte Wissen belegt, interessant. Sie zeigt: An dieser Ungleichverteilung der Aufgaben ändert sich auch dann nichts, wenn Väter zwei Monate bezahlt in Elternzeit gehen, was immerhin fast jeder zweite mittlerweile macht.
Als das Elterngeld, das sich der Staat allein dieses Jahr 7,7, Milliarden Euro kosten lässt, vor 15 Jahren eingeführt wurde, war das anders geplant. Indem Väter zur Elternzeit motiviert würden, sollten es Frauen leichter haben, nach einer Geburt wieder in den Beruf einzusteigen, die Arbeit daheim sollte sich gleichberechtigt verteilen. Zumindest letzteres Ziel wurde also in den allermeisten Familien nicht erreicht.
Frauen arbeiten häufiger
Gescheitert ist das Instrument Elterngeld trotzdem nicht. Man darf es ohnehin nicht losgelöst vom zeitgleich gestarteten massiven Ausbau der Betreuungsplätze betrachten. In der Kombination hat dieses familienpolitische Paket der damaligen Merkel-Regierung durchaus gewirkt: Die Zahl der Frauen mit Kindern unter drei Jahren, die arbeiten, hat sich in den letzten zehn Jahre um rund 12 Prozentpunkte auf knapp 60 Prozent erhöht. Dass es überhaupt selbstverständlich ist, als Frau früh wieder in den Beruf einzusteigen, war in Westdeutschland mit seinem zementierten Hausfrauen-Ernährer-Familienideal ein Paradigmenwechsel. Gleichzeitig sank die Zahl der Akademikerinnen, die kinderlos bleibt – auch das ein Ziel des Elterngelds.
Zufrieden kann man dennoch nicht sein. Mütter arbeiten zwar heute, aber zwei Drittel von ihnen tun das in Teilzeit und bleiben finanziell abhängig vom Partner. Dazu schultern sie zu Hause rund zehn Stunden täglich unbezahlte Sorgearbeit, wodurch ihre Arbeitsbelastung unterm Strich größer ist als die der Männer in Vollzeit-Erwerbsarbeit. Es wäre deshalb tatsächlich wichtig, dass Väter von Anfang an mehr Verantwortung in der Familie übernehmen. Die BIB-Studie zeigt auch: Nehmen sie drei Monate und länger Elternzeit, teilt sich das Paar hinterher die Aufgaben gleichberechtigter auf.
Ideen für Anreize gibt es viele. Dass das Elterngeld nur fließt, wenn die Zeit paritätisch zwischen beiden geteilt wird, ist eine. Die Abschaffung des Ehegattensplittings eine andere. Endlich die Löhne typischer Frauenberufe zu erhöhen, eine dritte.
Allerdings sind Männer und Frauen nicht nur Spielball politischer Instrumente. Der Wunsch nach Gleichberechtigung beginnt in der Familie selbst. Fragt man Männer in Studien, warum sie nicht oder kurz Elternzeit genommen haben, ist eine häufige Antwort: „Meine Frau wollte es so.“ Tatsächlich wirkt jene Rollen-Sozialisation der alten BRD noch nach. Diese gilt es zu durchbrechen. Da sind politische Rahmenbedingungen ein Hebel. Aber Frauen müssen sich erst einmal klarmachen, dass sie in die Kümmerrolle hineinerzogen wurden und kaum andere Vorbilder hatten. Väter, dass ihr Männlichkeitsideal qua Erziehung mit der Ernährerrolle verknüpft ist. Aus dieser Prägung herauszutreten, braucht Bewusstsein und Kraft.
Wichtig ist vor allem, der nächsten Generation andere Perspektiven zu eröffnen. Andere Spiele zu etablieren als Mutter-Vater-Kind für Mädchen und Bauen und Toben für Buben. Dabei sind in erster Linie Eltern, aber auch Fachkräfte in Kitas und Schulen gefragt. Dass sich das Bild von Elternschaft ändert, braucht seine Zeit, aber es sind alle gefragt, dieses Bild mitzuzeichnen.