Beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Wuppertal heimste die Esslinger Geigerin Letizia Claudi mehrere erste Preise und zwei Sonderpreise ein. Wer ist die 16-Jährige?
Wenn man Letizia Claudi fragt, was sie am Geigenspiel begeistert, beginnen ihre Augen zu leuchten: „Die Violine ist ein herrliches Instrument. Man kann beim Spielen Gefühle ausdrücken, verschiedene Klangfarben zaubern und extreme Tonlagen sowie eine breite dynamische Skala austesten. Das Streichinstrument ist zu einem unverzichtbaren Teil meines Lebens geworden“, sagt die 16-Jährige.
Seit dem fünften Lebensjahr begleitet sie die Geige. „Wir wohnten damals in Dresden und ich hatte Unterricht an der dortigen Musikschule. Auch nach dem Umzug nach Esslingen vor vier Jahren blieb sie ihrer Leidenschaft treu. Derzeit hat sie Unterricht an der Stuttgarter Musikschule. „Mit Simone Riniker Maier habe ich eine fantastische Lehrerin gefunden, die mich weit über den musikalischen Bereich hinaus fördert“, schwärmt die junge Geigerin.
Talent wurde ihr in die Wiege gelegt
Die Begabung wurde Letizia Claudi in die Wiege gelegt. Beide Eltern sind studierte Musiker. Ihre Mutter, eine Pianistin, ist stellvertretende Leiterin der Jugendmusikschule Ludwigsburg, und ihr Vater – ebenfalls Pianist – ist für das Marketing der SWR-Klangkörper zuständig. Von der Familie wird Letizia stark gefördert. Sie hat Klavierunterricht bei der Mutter, darüber hinaus sind die Eltern oft als Taxi zum Unterricht, zu Proben oder zu Wettbewerben unterwegs. Und auch die erheblichen Kosten der musikalischen Ausbildung werden von ihnen getragen.
Diese Unterstützung weiß Letizia Claudi, die noch eine jüngere Schwester hat, die Violoncello spielt, zu schätzen: „Es ist toll, dass meine Eltern mir einen starken Rückhalt geben“. Doch sie gibt auch wieder etwas zurück: Die Familie ist stolz auf die musikalischen Erfolge des jungen Talents. Besonders ersprießlich war die Teilnahme am Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“, der – nach zahlreichen Regional- und Landeswettbewerben – über Pfingsten in Wuppertal stattfand: Letizia Claudi zählte zu den erfolgreichsten Teilnehmern des Wettbewerbs.
Sie wurde nicht nur in der Solowertung preisgekrönt, hinzu kamen zwei erste Preise in der Kammermusikwertung, wobei sie im Klaviertrio mit dem Cellisten Benedikt Victor Dan und Kolja Hölscher am Klavier 25 Punkte erreichte. Mehr geht nicht.
Oder doch? Das Trio wurde überdies mit einem Publikumspreis ausgezeichnet, hinzu kam eine besondere Ehre: Die jungen Musiker erhielten den begehrten Eckart-Rohlfs-Preis, der in Erinnerung an den Gründer von „Jugend musiziert“ vergeben wird.
Diese Erfolge fallen nicht vom Himmel: Es ist harte Arbeit angesagt. „Täglich übe ich mindestens drei Stunden“, erzählt Letizia, die kürzlich am Esslinger Schelztor-Gymnasium die zehnte Klasse abgeschlossen hat. Doch bleibt bei diesem Übeaufwand noch Zeit für Freundschaften?
„Meinen Schulfreunden ist oft schwer vermittelbar, dass ich keine Zeit habe, wenn ihre Unternehmungen anstehen“, bedauert Letizia Claudi. Dennoch versucht sie, die Verbindungen aufrecht zu erhalten. Mehr Freundschaften pflegt sie im musikalischen Umfeld. Kein Wunder, schließlich spielt sie seit vergangenem Jahr im Bundesjugendorchester, in dem sich in den Arbeitsphasen die Elite des deutschen Musikernachwuchses versammelt. Damit nicht genug. Letizia Claudi ist Konzertmeisterin im Landesjugendorchester Baden-Württemberg, zudem spielt sie im Jugendkammerorchester (JuKa) der Stuttgarter Musikschule. „Mit dem JuKa machen wir in den Sommerferien eine Konzerttournee durch Australien“, freut sich die Geigerin auf aufregende Erlebnisse in einer fernen Welt.
Letizia Claudi möchte in einem großen Orchester spielen
Und wie sehen die Zukunftspläne aus? „Neben der Musik ist für mich auch die Schule wichtig“, sagt Letizia Claudi, die 2027 das Abitur ablegen möchte. „Ich bin eine recht gute Schülerin. Besonderen Spaß habe ich an Fremdsprachen wie Spanisch, Französisch und Englisch“.
Für die Zeit nach dem Abitur sind die Weichen bereits gestellt: Natürlich geht es ins Musikstudium. Wohin genau, steht noch nicht fest. Doch schon heute arbeitet die Geigerin am Ausbau ihres Repertoires. Aktuell steht Pjotr Iljitsch Tschaikowskys berühmtes Violinkonzert D-Dur auf der Agenda. „Langfristig strebe ich ein Engagement in einem großen Orchester an“, gibt Letizia Claudi Einblick in ihre Zukunftspläne. Wer wollte bezweifeln, dass die talentierte Geigerin dieses Ziel erreicht?
Der Wettbewerb „Jugend musiziert“
Modus
Der unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten stehende Jugendwettbewerb, an dem alljährlich Tausende Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene teilnehmen, wird in drei Stufen – auf Regional-, Landes- und Bundesebene – ausgetragen. Im Regionalwettbewerb erreichen die ersten Preisträger mit 23 bis 25 Punkten die nächste Stufe, in den Landeswettbewerben müssen es für eine Weiterleitung mindestens 24 Punkte sein.
Preise
Auf allen drei Wettbewerbsebenen werden Urkunden und Preise verliehen. Darüber hinaus vergeben Stiftungen, Organisationen und Privatpersonen Förderpreise, Sonderpreise und Stipendien. Die Besten der Landeswettbewerbe und des Bundeswettbewerbs können zur Mitwirkung in den Landesjugendorchestern oder dem Bundesjugendorchester eingeladen werden.
Fördermaßnahmen
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Bundeswettbewerbs haben die Möglichkeit, an Meisterkursen teilzunehmen, die von renommierten Dozenten geleitet werden. Überdies werden Anschlussförderungen wie Konzertreisen und Praktika angeboten. In verschiedenen Bundesländern wird die Teilnahme bei „Jugend musiziert“ als besondere Leistung im Abitur gewertet.