17. Filmschau Baden-Württemberg Monsterkinder, Boxtrainer und Wärmesucher

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Die 17. Filmschau Baden-Württemberg zeigt von Mittwoch an Fiktives und Dokumentarisches – und eröffnet mit einem provokationslustigen Thriller.

Thomas Thieme  und Martina Gedeck in Carsten Ungers Film „Bastard“ Foto: Verleih
Thomas Thieme und Martina Gedeck in Carsten Ungers Film „Bastard“ Foto: Verleih

Stuttgart - Verhockt, naiv, hutzelig, beschränkt, ungelenk und tapsig – doch, doch, es gab mal Zeiten, da hatte die Filmschau Baden-Württemberg auch solche Werke von hier im Programm. Da musste sie ihr Programm noch auffüllen mit Filmen, die anderswo keinerlei Festivalchancen gehabt hätten. Die es einzig durch den Lokalbonus in eine Filmschau geschafft hatten, die doch zeigen soll, dass der Südwesten Ideen, Talente, Handschriften und erstklassige Handwerker zu bieten hat.

Diese Zeiten aber sind lange vorbei. Die 17. Filmschau Baden-Württemberg wird am Mittwochabend um 20 Uhr im Metropol mit Carsten Ungers ungemütlichem, provokationslustigem Thriller „Bastard“ eröffnet. Den würden auch die Standortwerber traditionsreicherer Filmländer wie Nordrhein-Westfalen und Bayern gerne in ihre Mustermappen übernehmen.

Soziopathische Kids

Der Regisseur und Autor Carsten Unger, ein Absolvent der Filmakademie in Ludwigsburg, erzählt von soziopathischen Kids, von frühreifen Früchtchen, die grausame Spiele treiben. Sie haben einen Mitschüler entführt und terrorisieren nun dessen Eltern. Sie lassen sich nicht einschüchtern, sie tragen ihre Strafunmündigkeit wie einen offiziellen Beweis ihres Abgekoppeltseins von den Werten der Erwachsenen vor sich her. Einmal schnell noch zu töten, bevor sie dafür belangt werden können, das würde ihnen schon Spaß machen.

Den mittlerweile gängigen Problem­krimi der Marke „Was ist bloß mit unseren Kindern und an unseren Schulen los?“ dreht Unger erbarmungslos weiter in die Gefilde von Michael Hanekes „Funny Games“, in eine Sphäre von eisigem Sadismus, von gelangweiltem Herrenmenschendünkel, der fremde Leben zerfetzt.

In den Herzen der Ermittlerinnen

„Bastard“ schwächelt erst dann, als Martina Gedeck als taffe und einfühlsame Polizeipsychologin zur Ankerfigur für die Zuschauer wird, als die auch für „Tatorte“ typische Zuversicht gestreut wird, dass die richtigen Werte zumindest in den Herzen der Ermittlerinnen noch hell leuchten.

Um Wertevermittlung, Autoritätsbeziehungen und Einflussnahme geht es auch in einem ganz anderen Film, der am Samstag um 20 Uhr glanzvoll Premiere feiern soll, in der Dokumentation „Der Trainer“. Der Regisseur Thomas Landenberger, ebenfalls an der Filmakademie ausgebildet, hat den in Stuttgart arbeitenden Boxtrainer Conny Mittermeier beobachtet. Mittermeier, einst im Profistall Universum für den Aufbau von Weltmeistern zuständig, will mit dem jungen Weltergewichter Festin Kryeziu, der sich mittlerweile Timo Schwarzkopf nennt, beweisen, dass er es noch immer und im Alleingang kann.