175. Geburtstag von Sisi Sisis Haute Couture

Von sw 

Vom ungarischen Krönungskleid bis zum edlen Spitzenhandschuh: zum 175. Geburtstag der österreichischen Kaiserin zeigt eine Ausstellung in Bad Ischl Kaiserin Elisabeth als Modeikone.

Der Kaiserin schönste Kleider: Sisi legte immer Wert auf edelste Roben. Foto: dapd 8 Bilder
Der Kaiserin schönste Kleider: Sisi legte immer Wert auf edelste Roben. Foto: dapd

Bad Ischl/Österreich - In ihrer Blütezeit gilt sie als schönste Frau der Welt. Und über Jahrzehnte tut sie alles, um diesen Ruf zu festigen, auch wenn sie zunehmend die Einsamkeit sucht. Die legendäre österreichische Kaiserin Elisabeth (1837–1898) entwickelt sich im stockkonservativen Haus Habsburg vom schüchternen adligen Mädchen zur modernen Frau: liberal, emanzipiert, Abenteuer suchend, sportlich, modebewusst, aber auch magersüchtig. Franz Josephs trotz schwieriger Ehe lebenslang geliebte „Sisi“ hatte sogar ein Tattoo an der Schulter, wie die Museumsführerin Maria Tscherne in der Kaiservilla von Bad Ischl erzählt. Dort, im Salzkammergut, hat sich das Herrscherpaar zum ersten und letzten Mal gesehen, dort hat es viele Sommer verbracht.

Den 175. Geburtstag von Elisabeth am 24. Dezember 2012 feiert der oberösterreichische Kurort mit einer Ausstellung im Stadtmuseum, die sich der Haute Couture der Kaiserin widmet. Die Designerin Monika Czedly aus Gödöllö, Elisabeths geliebtem Domizil in Ungarn, hat Sisis Kleider nachgeschneidert. Vorlagen sind Originalschnitte im Wiener Staatsarchiv und berühmte Gemälde. Denn viele Prunkgewänder wurden noch zu Lebzeiten der 1898 in Genf ermordeten „Kaiserin wider Willen“ (so ein Buchtitel der Biografin Brigitte Hamann) auf ihr Geheiß vernichtet oder umgearbeitet.

Für ihre Wespentaille hielt Sisi übertrieben Diät

Ihre weltweit bewunderte majestätische Erscheinung hat Elisabeth durch elegante Garderobe europäischer Edelschneider unterstrichen. Unter den Modellen im Stadtmuseum zieht das Kleid der Kleider die Blicke auf sich: die sternenübersäte weiße Ball-Robe, zu der Elisabeth 27 Diamantensterne im kunstvoll geflochtenen Haar trug. Die Vorlage: das wohl berühmteste Sisi-Porträt Franz Xaver Winterhalters, das bis heute die Souvenirs ziert, die auch 114 Jahre nach dem Tod der gebürtigen Wittelsbacherin unerschöpflich sind. Ob Hofgala-Spitzenkleid mit Samtschleppe, ob ungarisches Krönungskleid mit Perlenschnürung oder das pelzbesetzte schwarze Reitkostüm für den Damensitz: auffallend an den in zwei Räumen ausgestellten Roben ist die Wespentaille.

Um die 47 Zentimeter Taillenweite und ein Gewicht von etwa 50 Kilogramm zu halten (drei bis fünf Kilo wogen allein die bis zu fersenlangen Haare), begnügt sich die 1,72 Meter große Kaiserin oft mit Fleischsaft zum Essen. Dazu turnt sie exzessiv, schwimmt, rennt die Berge hoch, raucht. Ihr Schlankheitswahn wächst sich zur Magersucht aus. Ihr Leichnam schließlich ist mit Hungerödemen übersät.

Auch Original-Accessoires sind zu sehen

In der Ischler Schau sind auch Original-Accessoires der eleganten Kaiserin zu sehen: feinste Fächer aus Perlmutt und Leder etwa oder lange Handschuhe aus Brüsseler Spitze. Das Stadtmuseum an der Esplanade ist ein historischer Ort. Im damaligen Haus des Ischler Bürgermeisters verlobt sich Kaiser Franz Joseph am 18. August 1853, seinem 23. Geburtstag, mit seiner 15-jährigen Cousine Elisabeth, „Herzogin in Bayern“. Einen Tag zuvor hat er die „süße Sisi“ zum ersten Mal gesehen, sich sofort verliebt und den Plan seiner Mutter, Elisabeths ältere Schwester Helene zu heiraten, durchkreuzt. Das Hochzeitsgeschenk seiner Eltern, eine Villa in Ischl, baut Franz Joseph mit einem Grundriss in Form eines E aus, dem Initial seiner großen Liebe. Noch heute ist die Kaiservilla im Besitz der Familie Habsburg-Lothringen, ein Urenkel Franz Josephs residiert in einem Flügel.

Ischl war für den Kaiser der „irdische Himmel“, und auch seine unglückliche Frau fühlt sich hier viel wohler als in der verhassten Wiener „Kerkerburg“. Hier findet sie Natur, Ruhe und die ersehnte Einsamkeit, hier kann sie bei Wind und Wetter auf den Jainzen rennen, hier schreibt sie im „Marmorschlössl“ des Kaiserparks Gedichte. Texte der Kaiserin sind im ersten Stock des Stadtmuseums zu hören, passend zu einem großformatigen Gemälde des Künstlers Gerhard Oliver Moser mit dem Titel: „Elisabeth. Kreuzweg – Glücksweg einer Kaiserin.“ In kräftigen Pastellfarben und mit dem Grundmotiv von Meereswellen finden sich hier rund um das Kopfporträt der Kaiserin viele Anspielungen auf ihr Leben.

In den letzten Jahren trug sie nur noch Schwarz

Nur auf dem Meer fühlt sie sich in ihren letzten Jahren frei. Keine ihrer feudalen Residenzen, nicht ihre Lieblingstochter Marie Valerie, nicht ihr sehnsüchtiger Gemahl kann der ausgehungerten, schmerzgeplagten Frau Heimat oder gar Trost geben. Die aktuelle Kleiderschau endet mit der „schwarzen Frau“, die sich nach dem Selbstmord des von ihr vernachlässigten Sohnes Rudolph nur noch in Schwarz kleidet. Ihr Gesicht hat sie öffentlich schon lange nicht mehr gezeigt: Schleier, Fächer und Schirme verbergen Falten und Verzweiflung. In der Kaiservilla ist ihr Sterbekissen zu sehen und der Schreibtisch mit der Sisi-Büste, von dem aus Franz Joseph die rastlos Reisende wenige Wochen vor ihrem Tod anfleht: „Komm heim, komm nach Ischl. Du gehst mir so unendlich ab.“ Sie hat seinen Wunsch ebenso wenig erfüllt wie er den ihren: auf einem einsamen Berg der Insel Korfu beerdigt zu werden. „Hier werde ich über mir nur die Sterne haben, und die Cypressen werden genügend seufzen über mich, mehr als die Menschen je tun möchten: in ihren Klagen werde ich ewiger leben als im Gedächtnis meiner Untertanen.“ Letztere gibt es seit 1918 nicht mehr, aber der Sisi-Mythos lebt auch 2012 noch vielerorts im einstigen Habsburgerreich.