175 Jahre badische Revolution Blutiges Ende eines Freiheitstraums
1848 scheiterte die demokratische Revolution in Baden. Gründe dafür gab es mehrere: schlechte Kommunikation, mangelnde Begeisterung der Massen und schlechtes Wetter zum Auftakt.
1848 scheiterte die demokratische Revolution in Baden. Gründe dafür gab es mehrere: schlechte Kommunikation, mangelnde Begeisterung der Massen und schlechtes Wetter zum Auftakt.
Im Frühjahr 1848 kam es in etlichen europäischen Ländern zu Protesten und Aufständen gegen feudale Mächte. Der Wunsch nach Freiheit und Demokratie erfasste auch den deutschen Südwesten. In Baden kam es sogar zu bewaffneten Aufständen. In Württemberg einigten sich Monarchie und Opposition gütlich.
Der revolutionäre Funken weht am 24. Februar 1848 von Paris herüber: Nach einem kurzen und heftigen Barrikadenkampf flieht der „Bürgerkönig“ Louis Phillippe, Frankreich wird Republik. Nur Tage später geht ein Sturm von Petitionen und Versammlungen durch Baden, das erst seit 1806 Großherzogtum ist. Volksbewaffnung, Pressefreiheit, Schwurgerichte, Wahlen für ein deutsches Parlament – diese vom Rechtsanwalt und Journalisten Gustav Struve am 27. Februar in Mannheim formulierten „Märzforderungen“ gehen so schnell es die damaligen Kommunikationsmittel erlauben durch alle 39 Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes.
Geschockt durch spontane Aufstände in Wien, Berlin und München treten die Monarchien den taktischen Rückzug an und beteuern, die Forderungen zu erfüllen. „Das alte System wankt und fällt in Trümmer“, frohlockt Struve. Zu früh, wie sich bald herausstellt. Während sich die „konstitutionellen“ Liberalen mit einer verfassungsmäßig gebändigten Monarchie zufrieden geben, wollen die „Radikalen“ eine Republik. Struve und sein Mitstreiter Friedrich Hecker, Abgeordneter des Parlaments in Karlsruhe, sind gewillt, den Schwung der Massenbewegung zu nutzen: „Alles sagte dem Politiker, dass der rechte Moment gekommen sei und nicht vorübergelassen werden dürfe“, glaubt Friedrich Hecker. Von Konstanz aus will er mit einer „Schilderhebung“ das feudale System aus den Angeln heben. Er sei der Zuversicht gewesen, schreibt er wenige Monate später, „dass es keines Schwertstreiches und keines Schusses bedürfe, dass der Zug ein wahrer Festzug sein und ganz Deutschlands dem Beispiel Badens folgen würde.“
Doch als der „Heckerzug“ am 13. April 1848 durch das Rheintor von Konstanz marschiert, haben sich nur 55 Männer angeschlossen. Die Begeisterung, an einem bewaffneten Aufstand – und sei er nur eine mächtige Drohkulisse – teilzunehmen, ist bescheiden. „Viele der Abziehenden erklärten, das Wetter sei ihnen zu schlecht, sollte es besser werden, so kommen sie nach“, stellt Theodor Mögling fest. Der Schwabe aus Brackenheim bei Heilbronn, Abgeordneter der württembergischen Ständekammer, von Beruf Seidenbaufachmann, hat sich Hecker angeschlossen. Auch aus Enttäuschung darüber, dass sich die württembergischen Liberalen schnell mit dem Monarchen gütlich geeinigt haben. König Wilhelm I. hat den Liberalen Friedrich Römer in die Regierung geholt und so die Opposition besänftigt.
Theodor Mögling hat sich vom gemäßigten Liberalen zum flammenden Republikaner gewandelt. „Ich muss gestehen, ich betrachtete mich selbst mit Verwunderung. An einen sogenannten Freischarzug hatte ich nimmermehr gedacht“, sondern „hauptsächlich an eine geistige Theilnahme“ scheibt er später. Der bunte Haufen Heckers wird mit Jubel auf den Dorfplätzen im Hegau empfangen, wächst und schrumpft aber ständig zwischen 800 und 2000 Mann. Von Konstanz und entlang des Hochrheins ziehen weitere Freischärler hinterher. Logistik und Kommunikation sind im vor-digitalen Zeitalter schwierig, keine Kolonne weiß, wo die andere ist. Und so kommt es bereits nach sieben Tagen, an Gründonnerstag, den 20. April 1848 auf der Paßhöhe zwischen Steinen und Kandern (heute Landkreis Lörrach) zum Desaster: Heckers nur 800 Mann zählende Vorhut wird von einer badisch-hessischen Spezialeinheit von 2000 gut ausgerüsteten Soldaten bei einem kurzen Schusswechsel geschlagen und zerstreut. Hecker flieht in die nahegelegene Schweiz. Der Heckerzug ist vorbei, ein paar Nachhutgefechte ändern daran nichts.
Bei dem Schusswechsel oberhalb Kanderns kommt auch General Friedrich von Gagern ums Leben. Das Band zwischen Liberalen und Republikanern ist endgültig zerschnitten: Der General war ein Bruder des hessischen Ministerpräsidenten und späteren Vorsitzenden der Nationalversammlung Heinrich von Gagern. Hecker wird im Gegensatz zu Struve bei den folgenden – und ebenfalls erfolglosen – Aufständen 1849 keine Rolle mehr spielen. Am 20. September betritt Hecker in Le Havre das Schiff nach Amerika und bleibt dort als Farmer in Illinois.
Weitere Infos über die Revolution von 1848/49:
www.badische-revolution1848.de
www.revolution-1848.de/mitmachen/das-jubilaeumsnetzwerk/
www.bpb.de/themen/zeit-kulturgeschichte/revolution-1848-1849/