2. Tischtennis-Bundesliga Vom Top-Profi zur Trainerin in Stuttgart
Mitsuki Yoshida begann erst mit zwölf Jahren, wurde dann aber Tischtennis-Profi in Europa. Nun prägt die 41-jährige Japanerin den DJK Sportbund Stuttgart.
Mitsuki Yoshida begann erst mit zwölf Jahren, wurde dann aber Tischtennis-Profi in Europa. Nun prägt die 41-jährige Japanerin den DJK Sportbund Stuttgart.
In dem Alter, in dem die Mitspielerinnen von Mitsuki Yoshida teilweise bereits in der zweiten Liga an der Tischtennisplatte stehen, griff die heutige Nummer zwei des DJK Sportbundes Stuttgart zum ersten Mal zum Schläger. Tischtennis lernte die heute 41-Jährige erst mit zwölf Jahren bei einem Freund ihres Vaters. Spielte in der Highschool, später zog die in Ehime geborene Japanerin dann aber von ihrer ländlichen Heimat nach Tokio und arbeitete dort in einem Unternehmen. Bis zu ihrem 26. Lebensjahr betrieb sie Tischtennis nur noch als Hobby und war Sparringspartnerin der damaligen japanischen Nationalspielerin Naomi Yotsumoto. „Mein Traum war schon als Kind, irgendwann nach Europa zu gehen“, erzählt Yoshida.
Über die Kontakte eines Kollegen, der in Belgien gespielt hatte, landete sie schließlich beim kroatischen Champions League Club STK Dr. Casl Zagreb. Dort traf sie auf den aus Wendlingen stammenden Trainer Matthias Landfried. Nach drei Jahren in Zagreb und zahlreichen Meistertiteln wechselte Yoshida, die von vielen nur „Yoshi“ genannt wird, zum 1. FC Saarbrücken TT in die 2. Bundesliga. „Das deutsche Tischtennis ist sehr gut, alle wollen hier spielen“, sagt sie. Weitere Stationen in Tschechien, Polen und Portugal folgten. Ihre Heimat fand sie jedoch in Wendlingen, der Stadt ihres Förderers Matthias Landfried. Trainiert hat sie stets im Tischtenniszentrum Böblingen. Folgerichtig heuerte sie dreimal beim dortigen SV Böblingen an und bildete gemeinsam mit dem deutschen Shooting-Star Annett Kaufmann die Spitze des Bundesliga-Teams. Zuletzt war sie in der Slowakei aktiv, ehe die mittlerweile in Kornwestheim lebende Routinierin zum DJK Sportbund stieß. „Uns war wichtig, eine Spielerin zu holen, die regelmäßig mit der Mannschaft im Training ist“, erklärt der Trainer Thomas Walter. Dass eine solche erfahrene Topspielerin in der Region lebt, sei ein Glücksfall gewesen.
Beim Zweitliga-Aufsteiger DJK Sportbund ist Yoshida auf Position zwei die erfolgreichste Spielerin. Zehn ihrer 15 Einzelduelle gewann die Japanerin in der Hinrunde und sicherte ihrem Team damit oft wichtige Punkte für den Klassenverbleib. „Ich bin sehr zufrieden mit meiner bisherigen Runde“, berichtet Yoshida. In der Rückrunde erwartet sie jedoch eine deutlich schwerere Aufgabe. „Alle kennen mich jetzt und können sich auf mich einstellen“, sagt sie. Zudem seien die meisten ihrer Gegnerinnen deutlich jünger und dadurch fitter als sie. Deshalb müsse sie weiter in jedem Spiel alles geben. Lernen könne sie trotz ihrer Erfahrung auch weiterhin von ihren jüngeren Mitspielerinnen. „Das ist für mich sowohl als Spielerin als auch als Trainerin gut“, berichtet sie.
Denn neben ihrem Einsatz als Spielerin durchläuft Yoshida beim DJK Sportbund im Rahmen eines 18-monatigen Bundesfreiwilligendienstes eine Trainer-Lizenz-Ausbildung. Das war ein wichtiger Grund für ihren Wechsel. „Ich bin als Spielerin nicht mehr so interessant, dafür als Trainerin eher gefragt“, sagt sie. Der Verein stellte ihr dabei eine langfristige Perspektive in Aussicht und plant, sie im Anschluss als Trainerin anzustellen. „Sie vermittelt den Kindern die japanische Schule. Also sehr schnelles Spiel mit viel Beinarbeit. Das hilft den Kindern, auch die athletische Komponente in ihr Spiel zu integrieren“, erzählt Walter. Davon profitiere die Jugendarbeit des Vereins enorm. Zudem schätzt Walter die Bescheidenheit und Zurückhaltung seiner Top-Spielerin. „Für sie geht es immer um den Mannschaftserfolg“, erzählt der Coach. Von ihrer Erfahrung und Qualität könnten die jüngeren Spielerinnen profitieren, sagt Walter.
Das ist auch für Mitsuki Yoshida das Wichtigste. „Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, mal in der Bundesliga oder eine Nationalmannschaft zu trainieren. Ich will erst einmal eine gute Trainerin werden und hier die jungen Spieler besser machen“, sagt die 41-Jährige. Der deutsche und generell der europäische Tischtennis-Nachwuchs habe großes Potenzial. „Die Kinder sind hier alle sehr sportlich und haben eine gute Technik. Das Tischtennis in Europa kann noch sehr, sehr gut werden“, sagt die Japanerin. Montags, mittwochs und freitags agiert sie im Jugendtraining des DJK Sportbundes als Übungsleiterin, dazu jeweils im anschließenden Aktiventraining sowie zeitweise bei Ferienlehrgängen des Vereins und im Rahmen von Einzelstunden bei zusätzlichen Terminen.
Am kommenden Sonntag ist sie jedoch wieder als Spielerin gefragt. Dann geht es ab 13 Uhr für die DJK-Equipe mit einem Heimspiel gegen den TuS Fürstenfeldbruck in der 2. Bundesliga weiter. Im Kampf um den Klassenverbleib wird es wieder auf die Leistungsträgerin Yoshida ankommen.