Ganz zum Schluss wollte sich dann auch das Fritzle nicht mehr mit der Rolle des Zuschauers begnügen. Also stürmte das Maskottchen der Stuttgarter gleich nach dem Abpfiff des Schiedsrichters Benjamin Brand in den Bochumer Strafraum, um sich unter die jubelnde Spielertraube der VfB-Profis zu mischen, die sich um den Teenager und Torschützen Justin Diehl gebildet hatte.
Der Vizemeister hatte in der Bundesliga-Partie vor 59 000 Fans in der MHP-Arena gegen das Schlusslicht VfL Bochum einen längeren Anlauf nehmen müssen. Nach einer starken Anfangsphase, als unter anderem Innenverteidiger Jeff Chabot an die Latte köpfte (17.), ging beim VfB nach vorne lange Zeit nichts. Unter dem Strich stand dann aber ein verdienter 2:0 (0:0)-Erfolg über das Team von Trainer-Urgestein Dieter Hecking.
„Wir sind sehr gut in die Partie rein gekommen, hatten dann viel Kontrolle, aber keine Chancen mehr. Dennoch war ich zufrieden“, sagte der VfB-Cheftrainer Sebastian Hoeneß: „Unter dem Strich ist der Sieg sehr verdient.“
Dabei durfte sich das Publikum in einer Partie, die vor allem in der ersten Halbzeit ihre Längen hatte, auch über drei, vier echte Highlights freuen. Die beiden Tore des VfB im zweiten Durchgang gehörten zwingend dazu. Da war zuerst der linke Außenstürmer Chris Führich, der sich wie die Kollegen in den ersten 45 Minuten mit den zähen Bochumern schwer getan hatte. „Das war der Dosenöffner“, sagte Hoeneß zum Auftritt des Blondschopfs, der früher einmal das Trikot des VfL getragen hatte. Führich zog mit dem Ball nach innen und zirkelte diesen dann vorbei am machtlosen Gästekeeper Patrick Drewes gekonnt ins rechte Eck. Das war das 1:0 für den VfB (53.).
„Es war ein wichtiger Arbeitssieg, gerade auch angesichts der schweren Woche, die ansteht“, sagte der Abwehrchef Jeff Chabot nach Abpfiff – und hatte den Blick schon auf die anstehenden Spiele in der Champions League in Belgrad am Mittwoch sowie am kommenden Samstag in Bremen gerichtet: „Chris Führichs Traumtor ebnet uns den Weg, danach spielen wir es als gesamte Mannschaft gut runter.“
Tatsächlich tat sich der VfB, der bis ins neue Jahr auf seine beiden Stürmer Deniz Undav (Muskelfaserriss) und El Bilal Touré (Mittelfußbruch) verzichten muss, lange Zeit schwer. Vieles war Stückwerk auf dem Platz, etwa diverse Aktionen des Ex-Bremers Nick Woltemade, der sich bei seinem ersten Bundesliga-Einsatz in der Startelf sehr bemühte, aber kaum klare Aktionen auf den Platz brachte.
In der 78. Minute dann der zweite Höhepunkt der Partie: Woltemade war bereits nach 56 Minuten durch den leicht angeschlagenen Angelo Stiller ersetzt worden, was dem VfB-Spiel mehr Struktur brachte. Nun kamen per Doppelwechsel Fabian Rieder und Justin Diehl in die Partie – und zeigten gleich, was echte Joker ausmachen.
In seiner ersten Aktion schickte Rieder den 19-jährigen Diehl auf die Reise, der zum „Real Diehl“ avancierte: Schließlich brachte der Ex-Kölner, der lange Zeit mit einer Schulterverletzung hatte pausieren müssen, den VfB mit einem Schuss ins linke Eck zum 2:0 endgültig auf die Siegerstraße.
„Solche Tore wie das von Justin Diehl gibt die Spielstärke unserer Mannschaft einfach her“, analysierte Jeff Chabot: „Heute haben Chris und Justin dafür gesorgt, dass wir jetzt zufrieden nach Hause gehen können.“
Tatsächlich tun die drei Punkte dem VfB immens gut, denn der Anschluss an die internationalen Plätze der Bundesliga ist hergestellt. Vor dem Hintergrund der jüngsten Verletzungswelle beim VfB, der auch auf den erkrankten Verteidiger-Neuzugang Ameen Al-Dakhil verzichten musste, war der taumelnde VfL Bochum offenbar der richtige Gegner zum richtigen Zeitpunkt.
„Es war ein absolut verdienter Sieg, auch wenn wir in der ersten Halbzeit vor dem Bochumer Tor nicht die finalen Lösungen hatten“, resümierte der VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth: „Am Ende hätte es aber auch das ein oder andere Tor mehr sein können, sodass wir zufrieden in Richtung Belgrad blicken können.“
Dort trifft der VfB am Mittwoch auf ein heißblütiges Publikum – und die Verletzungsprobleme reisen in die serbische Hauptstadt ebenfalls mit