Die befreundeten Paare begrüßen Neuankömmlinge, die alte Bekannte sind. Gekommen sind alle wegen Andrea Berg Foto: Eva Herschmann, Gottfried Stoppel
Andrea Berg feiert am Wochenende 20 Jahre Heimspiel in der Wir-Machen-Druck-Arena in Großaspach. Ihre wohl größten Fans schlafen gleich nebenan im Camper und können es kaum erwarten.
Eva Herschmann
18.07.2025 - 16:53 Uhr
Flocke schlummert friedlich im Kastenwagen. Die 17 Jahre alte Malteserhündin von Susanne Sistig und Heinz Zollmarsch aus Köln ist nicht zum ersten Mal in Großaspach, wo Andrea Berg in der Wir-Machen-Druck-Arena am Freitag und Samstag „20 Jahre Heimspiel“ feiert. Neben dem Wohnzimmer der Schlagerkönigin kampiert seit Tagen ihr „fahrendes Volk“ und bereitet sich gemeinsam auf den Höhepunkt des Berg-Jahres vor.
Irgendwo in der Nähe singt Andrea Berg „Diese Nacht ist jede Sünde wert“. Wer keine Schlager mag, sei hier fehl am Platz, sagt Susanne Sistig. Die Kölner sind schon am Dienstag angereist. Wie auch ihre Nachbarn Rosa und Manfred Koch aus Nienburg an der Saale. Vor acht Jahren haben sich die Paare hier kennengelernt und verabreden sich seitdem immer zu den Heimspielen. Zwischen dem Camper der Kölner und dem Wohnmobil von Rosa und Manfred Koch steht ein großer Tisch mit vielen Stühlen und darüber hängt eine Kette mit bunten Partylichtern. „Wir haben auch eine Discokugel dabei“, sagt Heinz Zollmarsch und grinst. Sowohl die Kölner als auch die Sachsen-Anhaltiner haben Karten für den Samstag, sind aber schon am Dienstag angereist und genießen die Zeit vor dem samstäglichen Konzertbesuch – und die Partys, die sie – natürlich untermalt mit Berg-Liedern – bis dahin mit Gleichgesinnten auf dem Platz feiern. „Hier auf dem Campingplatz kommen die Hardcorefans von Andrea Berg zusammen“, sagt Rosa Koch.
Andrea Berg besucht die Camper und fährt ganz langsam mit dem Motorrad über den Platz. Foto: dpa
Mit Musik von Andrea Berg: Die Camper feiern jeden Abend Partys
Einer der größten Fans ist Andreas Freudenberger. Der Mann aus Meißen, der mit seinem Mini-Camper, einem umgebauten Personenwagen, gegenüber steht, reist zu fast jedem Konzert, seitdem er die Schlagersängerin vor gut 20 Jahren im Fernsehen gesehen hat. „Sie war von Anfang an mein Star“, sagt der 60-Jährige und zeigt die goldene Halskette mit ihrem Namenszug. „Der Andreas trägt von der Unterhose bis zur Uhr alles mit Andrea drauf“, sagt Susanne Sistig und grinst. Der größte Wunsch des Sachsen wäre es, die Schlagersängerin einmal persönlich kennenzulernen. „Vielleicht klappt es ja diesmal beim Bergfest am Sonntag“, sagt er mit einem schüchternen Lächeln. Oder am 31. August bei ihrem Auftritt in Pfullendorf, für den Andres Freudenberger wieder aus Meißen anreisen wird.
Beim Besuch von Andrea Berg immer freitags bei den Campern wird er sie wohl auch diesmal nur aus der Ferne bewundern können. „Sie kommt mit dem Motorrad und fährt ganz langsam über den Platz, aber sie hält nicht an“, sagt Rosa Koch. Für Silke und Michael Bohländer aus Pinneberg ist die Vorbeifahrt der Schlagerqueen eine Premiere, denn sie campen zum ersten Mal auf der grünen Wiese. „Wir haben sonst immer die Fanwoche im Sonnenhof gebucht“, erzählt Silke Bohländer. Sie stehen mit ihrem geliehenen Camper auf der anderen Seite neben dem Wohnmobil der Kochs und sind morgens von ihren Nachbarn herzlich mit Musik von Andrea Berg geweckt worden. „Mir gefällt es hier, leider müssen wir am Samstag schon wieder heim“, sagt Michael Bohländer, der sein sechstes Heimspiel erlebt.
Vor Andrea Bergs Heimspiel: Freitag stehen fast 1000 Wohnmobile auf der Wiese
Plötzlich hupt es und alle springen auf. Selbst Hundeseniorin Flocke, die sich mittlerweile zu den Menschen gesellt hat, bewegt sich. Das Ehepaar Lörch aus Krotzingen fährt den Hauptweg hoch und hat sofort die alten Bekannten erspäht, die ihnen ganz in der Nähe einen Stellplatz freigehalten haben. Früher hätten sie 10 Euro für den gesamten Aufenthalt an die Bäuerin bezahlt, der die Wiese gehört, mittlerweile seien es 15 Euro pro Tag, erzählt Susanne Sistig. Das sei aber immer noch weniger als auf einem normalen Campingplatz. „Und es fühlt sich an wie Urlaub“, sagt sie.
Noch sind zahlreiche Lücken auf dem „Stellplatz für Wohnmobile“ wie der Pop-up-Campingplatz offiziell heißt. Doch das ändert sich im Lauf des Tages. Seit den Morgenstunden rollt ein Fahrzeug nach dem anderen aus der ganzen Republik an und sucht sich einen Platz. Mittwochs sei der Hauptanreisetag, sagt Rosa Koch. „Am Freitag stehen hier auf der Wiese bestimmt 1000 Wohnmobile und Camper“, so Gatte Manfred. Die Kochs und ihre Bekannten aus Köln beobachten das geschäftige Treiben entspannt, während sie am Tisch sitzen, Kaffee und ein Gläschen Sekt trinken. Sie haben es sich längst gemütlich gemacht und sind auch schon mit den mitgebrachten Fahrrädern in den Fanshop im Hotel Sonnenhof geradelt. „Wir haben T-Shirts und Schals gekauft und natürlich die Karten fürs Heimspiel 2026“, sagt Heinz Zollmarsch.