20-jähriges Bestehen Wo die Böblinger Bürgerstiftung gewirkt hat und wo sie noch wirken soll

Kindern schwimmen beibringen ist eines der wichtigsten Projekte der Bürgerstiftung in den vergangenen Jahren. Foto: Stefanie Schlecht/Archiv

Vor 20 Jahren wurde die Bürgerstiftung Böblingen gegründet. Seither investierte diese 500 000 Euro in Projekte. Welcher Bereich künftig bedacht werden soll, dazu hat der OB eine Idee.

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

Ob Schwimmkurse, Präventionstrainings gegen Gewalt an Schulen oder Singstunden für Grundschüler – dank der Bürgerstiftung Böblingen können seit nunmehr 20 Jahren Projekte zur Stärkung der Zivilgesellschaft gefördert werden. Nun, im Jubiläumsjahr, geht sie nochmal vermehrt in die Öffentlichkeit – um auf vergangene Projekte zurückzublicken, aber auch um neue Zustifter zu werben. Denn Bedarfe gibt es in der Böblinger Bürgerschaft noch genügend.

 

Wie die Stiftung jetzt auf einer Pressekonferenz im Neuen Rathaus bekannt gab, hat sie in den vergangenen 20 Jahren über 500 000 Euro in Projekte gegeben. Fast genau 400 000 Euro hat die Bürgerstiftung seit Dezember 2005 an Spenden eingenommen. Das Stiftungskapital beträgt aktuell über 1,6 Millionen Euro. Die Stadt Böblingen hat in zwei Dekaden rund 400 000 Euro zugeschossen, weiteres Geld eingenommen wurde durch Firmen- und Privatspenden.

Schwimmen, ich lern’s“ ist Projekt-Dauerbrenner

Gefördert wurden bisher 291 Projekte – darunter das Leuchtturmprojekt „Schwimmen, ich lern’s“. Seit 2011 konnten insgesamt 930 Böblinger Kinder an kostenlosen Schwimmkursen teilnehmen. Für die beiden Stiftungsvorstände, Gianfranco Paradisi und Daniel Wengenroth, ist es ein Herzensprojekt: „Zu sehen, wie Kinder mit Spaß ins Wasser gehen, ist schön“, sagt Paradisi. Auch Wengenroth, selbst Schwimmer, betont die Bedeutung des Projekts: „Schwimmen zu lernen, ist lebenswichtig. Ich freue mich, dass wir über viele Jahre einen Beitrag leisten können. Das Interesse ist weiterhin riesig.“

In die Gesellschaft hingewirkt hat die Bürgerstiftung aber auch in vielen weiteren Bereichen. Sie finanzierte Workshops zu den Themen Gewaltschutz, Sexualpädagogik, Lesekompetenzen, Kunst und Kultur, Nachbarschaftshilfe, zu Senioren, Inklusion oder Sportevents wie den „Bambinilauf“. Insgesamt gehörten 35 Prozent aller geförderten Projekte zum Bereich Bildung und Erziehung, 7 Prozent zu Völkerverständigung, 25 Prozent zu Bürgerschaftliches Engagement und Soziales, 21 Prozent zu Gesundheit und Sport und 12 Prozent zu Kunst und Kultur, so die Stiftung auf ihrer Website.

Besonders gefragt in den Jahren 2015 sowie 2021 und 2022

In 20 Jahren war die Bürgerstiftung ununterbrochen aktiv. Besondere Höhepunkte waren die Jahre, in denen die (Stadt-) Gesellschaft vor großen Herausforderungen stand. „Wir beobachten Peaks in 2015, als viele geflüchtete Menschen zu uns kamen und die Flüchtlingsarbeit in den Fokus rückte. Zu nennen sind hier Integrations- und Sprachprojekte. Hier stellten wir insgesamt 111 000 Euro bereit“, erklärt Saskia Brockmann vom Stiftungsvorstand.

Außerdem seien in den Jahren 2021 und 2022, als die Coronapandemie das öffentliche Leben beherrschte, viel Spenden eingeworben und in Projekte gegeben worden. 2021 waren dies 33, im Jahr 2022 36 Einzelprojekte.

Großes Lob vom Oberbürgermeister und ein neuer Auftrag

Für das Jubiläumsjahr hat sich die Stiftung zum Ziel gesetzt, 20 neue Zustifter zu werben. Außerdem wird ein für Kinder konzipiertes Märchenbuch veröffentlicht werden. Böblingens OB Stefan Belz würdigt das positive Wirken in die Stadtgesellschaft: „Wenn es die Bürgerstiftung heute noch nicht gäbe, müsste man sie gründen. Sie hat viel erreicht und sich stets eingesetzt für die drei Werte: Solidarität, Zusammenhalt und Engagement.“

Für die Zukunft hat der OB eine konkrete Anregung für die Bürgerstiftung, in welchem Bereich er verstärkt Bedarf für mehr Engagement sehen würde „Angesichts des Aufstiegs antidemokratischer und rechtsextremer Kräfte müssen wir mehr in die Stärkung unserer Demokratie investieren. Ich fände es wichtig, speziell auch in diese Richtung zu gehen“, so Belz.

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