20 Jahre für Jimmy Lai Hongkong zahlt einen Preis
Jimmy Lai, Unterstützer der Demokratiebewegung, muss lange ins Gefängnis. Wer sich für Demokratie und Freiheit einsetzt, hat Hongkong verlassen, kommentiert Christian Gottschalk.
Jimmy Lai, Unterstützer der Demokratiebewegung, muss lange ins Gefängnis. Wer sich für Demokratie und Freiheit einsetzt, hat Hongkong verlassen, kommentiert Christian Gottschalk.
Jimmy Lai war jemand, der die Pressefreiheit in Hongkong länger als viele andere hoch gehalten hat. Über die pro-demokratischen Proteste 2019 berichtete seine Zeitung länger, offener und intensiver als viele andere. Nach fünf Jahren Haft wurde er im vergangenen Dezember von einem Hongkonger Gericht schuldig gesprochen. Abspaltung und Subversion heißen die Vorwürfe in dem von Peking diktierten Sicherheitsgesetz. Nun wurde das Strafmaß von 20 Jahren verkündet. Für den kranken, 78 Jahre alten Mann ist das gleichbedeutend mit lebenslang.
Für Hongkong sind die Folgen eben dieses Sicherheitsgesetzes schon lange zu spüren. Es ist ruhig geworden. Seit mehr als fünf Jahren sind die Proteste verstummt, die damals Abend für Abend in den Nachrichten der Welt zu sehen waren. Die Macher des Gesetzes werten das als Erfolg. Aber natürlich liegt die Ruhe nicht daran, dass in Hongkong inzwischen alles in Ordnung ist. Im Gegenteil. Wer sich für Demokratie und Freiheit einsetzt, der hat Hongkong inzwischen verlassen. So zogen allein rund 150 000 Bewohner der ehemaligen Kronkolonie nach Großbritannien, nachdem die Proteste für Redefreiheit und Pressefreiheit niedergeknüppelt worden waren. Große Teile der Mittelschicht leben jetzt in Australien, Kanada oder den USA. Das hat seinen Preis. Singapur hat Hongkong als wichtigsten Finanzplatz in der Region in vielen Bereichen abgelöst und bleibt auf der Überholspur.