20 Jahre Gemeinschaft Bauzug 3YG Schräge Trompetentöne aus dem Grusel Gewusel

Bauzug 3YG feiert Jubiläum und Aufnahme in das Kulturschutzgebiet mit Stephan Körper und  Sylvia Winkler (Initiator und Initiatorin  Kulturschutzgebiet), Robin Bischoff (Kunstverein Wagenhallen) sowie die beiden Architekten Markus Weismann und  Cem Arat sowie Lilith Becker von 3YG (v.l.). Foto: 3YG/West
Bauzug 3YG feiert Jubiläum und Aufnahme in das Kulturschutzgebiet mit Stephan Körper und Sylvia Winkler (Initiator und Initiatorin Kulturschutzgebiet), Robin Bischoff (Kunstverein Wagenhallen) sowie die beiden Architekten Markus Weismann und Cem Arat sowie Lilith Becker von 3YG (v.l.). Foto: 3YG/West

Bauzug 3YG ist mit seiner 20-Jahr-Feier Teil des erweiterten Kulturschutzgebiets der Wagenhallen

Lokales: Armin Friedl (dl)
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Stuttgart - Robin Bischoff erinnert sich noch gut an seine Zeit vor 1999: „Im Winter war es auch drinnen immer sehr kalt. Und im Sommer war die Hitze mörderisch, bis zu 60 Grad. Das war tödlich für sämtliche elektrischen Geräte.“ Gelebt hat er damals in einem der Eisenbahnwaggons, die auf Abstellgleisen im Nordbahnhof-Viertel für ihre geplante Verschrottung dort parkten.

Daraus ist nun nichts geworden, seit 20 Jahren sind die zehn Waggons des einstigen Bauzugs 3YG jetzt eine feste Heimat für Künstler. Und genau zu diesem Wiegenfest wurde jetzt diese Kolonie auf Dreiachsern in das erweiterte Kulturschutzgebiet des Stadtteils Nord aufgenommen. Damit ist diese Ateliergemeinschaft Teil der Aktivitätenzone in und rund um die Wagenhallen am anderen Ende des Gleisfelds im Stuttgarter Norden. Und damit auch ein Teil des Rosenstein-Stadtquartiers, das ja noch im Entstehen ist. Etwa in Gestalt des internationalen städtebaulichen Wettbewerbs Rosenstein in Stuttgart, bei dem das Stuttgarter Büro asp Architekten mit Markus Weismann und Cem Arat den ersten Preis erhalten hat.

Raus aus dem extremen Heiß-Kalt-Modus

Und Robin Bischoff hat nach viereinhalb Jahren Leben in diesem extremen Heiß-Kalt-Modus („Das war eine ganz tolle Zeit.“) inzwischen den Waggon gegen eine konventionelle Wohnung ausgetauscht, ist heute Vorsitzender des Kunstvereins Wagenhallen, hat als solcher den Erhalt dieses Industriegebäudes wesentlich vorangetrieben sowie des Kulturschutzgebiets überhaupt.

Am Samstagabend stand das Barometer zur Geburtstagsfeier für hiesige Verhältnisse zwar auf ungemütlich nasskalt, für erfahrene Waggoniers ist das kein Grund, zuhause zu bleiben. Wie man auch bei diesen Temperaturen gut feiert, wissen die Aktivisten bestens.

Die Umzugspläne von gestern

Und das Staunen haben sie auch noch nicht verlernt. Denn natürlich war diese Ateliergemeinschaft 3YG bei vielen ein ungeliebtes Kind der Stadtkultur und das Projekt Stuttgart 21 war eine beste Gelegenheit, dieses wegzusanieren. Ebenso wurden Umzugspläne ins Spiel gebracht, etwa auf das Areal der einstigen Zuckerfabrik in Bad Cannstatt, was dann doch wieder verworfen wurde.

Heute sind Künstlerinnen wie Sylvia Winkler und Elisa Bienzle zu Recht stolz auf ihre Beharrlichkeit, auf die Mühen, die sie da auf sich genommen haben. Und so war das Fest Winterleuchten 20 Jahre Waggonjubel ein Fest mit vielen ungewöhnlichen Einfällen: Kinderspiele in der Schwarzlicht-Kammer, schräge Trompetentöne im Raum Grusel-Gewusel, Plätzchen backen mit einer lebensgroßen Handpuppe oder im Alten Schweden Theaterszenen, Performances, DJs mit herausfordernden Klanginstallationen oder Lesungen etwa von Joe Bauer, langjähriger Kolumnist unserer Zeitung.

„Das Kulturschutzgebiet mit seiner Container City ist mittlerweile mit dem deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet. Unser Engagement hat dazu geführt, das jetzt dauerhaft ein Experimentierfläche vor der Wagenhalle geplant ist“, bemerkte Bischoff zur Eröffnung der Feierlichkeiten: „So haben wir darauf aufmerksam gemacht, das postindustrielle Freiräume in Großstädten am Verschwinden sind.“ Diese Entwicklung wird munter weiter gehen.




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