20 Jahre Mittagstisch der Erlacher Höhe in Schorndorf Zum Nachtisch gibt’s eine Portion Hilfe

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Vor 20 Jahren hat die Erlacher Höhe zum ersten Mal bietet seit 20 Jahren einen Mittagstisch in Schorndorf an. Dieser soll Essen in Gemeinschaft ermöglichen und Menschen in Nöten erreichen.

Jeden Montag geben Mitarbeiter der Erlacher Höhe im Schorndorfer Martin-Luther-Haus Essen aus. Foto:  
Jeden Montag geben Mitarbeiter der Erlacher Höhe im Schorndorfer Martin-Luther-Haus Essen aus. Foto:  

Schorndorf - Zwanzig Jahre ist es her, dass der türkisblaue Sprinter der Erlacher Höhe zum ersten Mal Halt an der Schorndorfer Stadtkirche gemacht hat. Aus der seitlichen Schiebetüre wurden Tische und Bänke ausgeladen, auf der Küchenzeile im Businneren eine warme Mahlzeit für bedürftige Menschen gekocht, die schließlich auf dem Kirchplatz gemeinsam gegessen wurde.

Wenige Tage später war der Wagen dann in der Backnanger Innenstadt zu sehen. Mittlerweile gibt es den Mittagstisch der Erlacher Höhe zudem in Waiblingen, in Rommelshausen sowie in Murrhardt. Die Zeiten des blauen Sprinters sind allerdings vorbei: In allen Kommunen wird mit Kirchengemeinden kooperiert, die ihre Gemeindehäuser zur Verfügung stellen.

Über den Mittagstisch mit hilfsbedürftigen Menschen in Kontakt kommen

Mögen sich die Örtlichkeiten verändert haben, die Grundidee hinter dem mobilen Angebot ist noch immer die gleiche: Ziel ist nicht nur, leere Mägen zu füllen, auch um die leeren Konten der Menschen wollte und will sich das diakonische Sozialunternehmen kümmern: „Wir möchten versteckte Armut für uns sichtbar machen und die Menschen in unsere Hilfsangebote integrieren“, sagt Anton Heiser, der zuständige Abteilungsleiter. Mit dem Mittagstisch als niederschwelliges Angebot sollen sie erreicht werden.

Heiser erinnert sich, dass das Klientel vor 20 Jahren in Schorndorf ein besonderes war: „Es gab Ärger mit einer starken Punkszene“, erzählt er. Drogen- und Alkoholsüchtige kamen zum Essen auf den Kirchplatz: „Wir waren mittwochs da, weil an diesem Tag Methadon ausgegeben wurde und sich alle getroffen haben“, erzählt die Sozialpädagogin Claudia Schwab.

Jeder Gast stuft sich selbst ein und zahlt, was er kann

Diese Zeiten sind vorbei, das zeigt ein Besuch des Mittagstisches im Schorndorfer Martin-Luther-Haus. Schon eine Viertelstunde vor Beginn kommen die ersten Gäste. Viele von ihnen sind grauhaarig, die meisten steuern zielstrebig ihren Platz an den eingedeckten Tischen an. „Das sind fast alles Stammtische“, sagt Claudia Schwab – und für Anton Heiser ist das auch eine der neuen Herausforderungen: „Ich weiß nicht, ob das Konzept für jüngere Menschen noch passt“, sagt er. Schon allein, weil das Mittagessen bereits um 12 Uhr starte.

Heute stehen Salat, Nudeln mit Soße, Nachtisch und Kaffee bereit. Das Essen wird im benachbarten Karlstift gekocht und von Mitarbeitern der Erlacher Höhe ausgegeben. Alle zwei Wochen gibt es Kuchen, der von Ehrenamtlichen verschiedener Kirchengemeinden gebacken wird. Es ist ein breites Netzwerk, das den Mittagstisch trägt. Wer wenig hat, muss an der Ausgabe zwei Euro zahlen. „Aber niemand muss sich outen, jeder stuft sich selbst ein“, sagt Heiser.

30 bis 40 Gäste kommen zum Mittagstisch in Schorndorf

Zwischen 30 und 40 Gäste besuchen den Mittagstisch. Manche schon ganz lange, wie jene weißhaarige Dame, die das Angebot unterstützen möchte: „Ich zahle den regulären Preis. Aber ich möchte die Gemeinschaft pflegen“, erzählt sie ihre Beweggründe. Am anderen Ende des Saals sitzt eine 64-Jährige, die seit drei Jahren regelmäßig den Mittagstisch besucht. Sie hat dort nicht nur gutes Essen gefunden, „sondern auch einen Partner“, sagt sie und zeigt auf den Mann an ihrer Seite.

Das Klingeln einer Glocke lässt das Besteckgeklapper verstummen. Der Diakon Walter Krohmer richtet ein kurzes geistliches Wort an die Besucher – nicht nur der Körper, auch der Geist soll beim Mittagstisch Nahrung bekommen. Claudia Schwab steht dann für weltliche Fragen bereit: „Oft geht es um Existenzsicherung, darum, wo es die richtige Hilfe gibt“, erzählt sie. Und manchmal ist auch nur ganz praktische Unterstützung gefragt. Eine Frau zeigt glücklich auf eine Tüte voller Wollknäuel: „Die habe ich gerade bekommen, da freue ich mich, wenn ich Handarbeit machen kann.“