20 Jahre Museum Ritter Waldenbuch Marli Hoppe-Ritter: „Kleine Sünden gibt es schon mal“
Das Museum Ritter feiert am Samstag seinen 20. Geburtstag. Die Gründerin Marli Hoppe-Ritter erzählt, warum ihr das Quadrat nie langweilig wird.
Das Museum Ritter feiert am Samstag seinen 20. Geburtstag. Die Gründerin Marli Hoppe-Ritter erzählt, warum ihr das Quadrat nie langweilig wird.
Am 16. September 2005 wurde das Museum Ritter in Waldenbuch eröffnet. Das wird am Samstag mit einem großen Fest gefeiert. Im Gespräch erzählt Marli Hoppe-Ritter von den Anfängen und warum das Museum kein PR-Schachzug war.
Frau Hoppe-Ritter, welches Kunstwerk haben Sie zuletzt für Ihre Sammlung gekauft?
Ein Aquarell des Schweizer Künstlers Beat Zoderer von 2024. Wir haben ihm zurzeit eine Einzelausstellung im Haus gewidmet.
Was hat Ihnen an diesem Werk gefallen?
Die feine Farbabstimmung und der Aufbau des Bildes. Und es gibt auch einige Quadrate darin.
Bei der Auswahl Ihrer Sammlung geht also vor allem darum, dass ein Bild Sie persönlich anspricht?
Auf jeden Fall, das Gefallen ist das Allerwichtigste.
Woher kommt Ihre Liebe für die Kunst?
Mein Vater hat in den 1960er Jahren für unser Wohnhaus Gemälde gekauft, sehr schöne Malerei aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Ich habe mich von meiner Jugend an sehr dafür begeistert. Studiert habe ich später Jura, ich habe mich aber immer viel mit Künstlern und Kulturschaffenden ausgetauscht.
Wann haben Sie angefangen, Kunst zu sammeln?
1993 habe ich begonnen, zum Thema Quadrate in der Kunst zu sammeln. Davor habe ich auch schon mit meinem Mann abstrakte Kunst gekauft.
War die Hinwendung zum Quadrat dann eine PR-Strategie oder schlägt in Ihrer Brust einfach ein quadratisches Herz?
(lacht) Das wäre sicher kein effizienter Marketingansatz gewesen, weil Kunst dann doch zu weit weg ist von einem Genussprodukt wie Schokolade. Kunst ist etwas ganz anderes, sie spricht Emotionen an.
Wie kam es dann zur Hinwendung zum Quadrat in der Kunst?
Das kam dadurch zustande, dass ich mit quadratischer Schokolade aufgewachsen bin. Ich bin durch einige herausragende Ausstellungen in Stuttgart und Ludwigshafen immer mehr auf das Thema Quadrat in der Kunst aufmerksam geworden.
Von großer Sammelliebe hin zum eigenen Museum ist es ein weiter Weg. Wie kam es dazu?
Als ich begonnen habe zu sammeln, habe ich in keinster Weise an ein eigenes Museum gedacht. Zunächst war es meine Idee, mit den Werken das Verwaltungsgebäude, also die Büros von Ritter Sport zu schmücken. Aber wie es Sammlern so geht, es kommt immer mehr dazu und irgendwann sind die Wände gefüllt. Man stellt Werke in ein Depot, und mit der Zeit füllt sich auch dieses Depot. Kunst lebt aber vom Betrachten, und deshalb wollte ich sie unbedingt für die Öffentlichkeit sichtbar machen.
Wer hatte dann die Idee, ein Museum zu bauen?
Das war eine gemeinsame Idee von meinem Bruder und mir. Es hat sich so ergeben, dass die Firma Ritter damals den Schoko-Shop vergrößern wollte und ich gleichzeitig meine Sammlung angemessen präsentieren wollte. So entstand im Jahr 2002 die Idee, ein gemeinsames Gebäude auf dem Firmengrundstück zu bauen. Dann ging alles sehr schnell.
Wie oft mussten Sie sich bei der Eröffnung zwicken, dass Sie nun Ihr eigenes Museum für Ihre Sammlung haben?
Das war schon die Erfüllung eines Traumes. Zumal auch die Architektur sehr gut gelungen ist.
Wie war damals die Resonanz in der Öffentlichkeit?
Die war überaus positiv. Es gab wirklich keine negativen Stimmen. Auch die Mitarbeitenden von Ritter Sport waren nicht der Meinung, dass es Geldverschwendung sei. Es ist ja auch ein Bekenntnis zum Standort Waldenbuch.
Wie reagierte die Kunstszene? Werden Sie ernst genommen oder belächelt?
Ich bin überzeugt, dass wir mit unserer Programmatik ernst genommen werden. Das Programm, das überwiegend von der Museumsdirektorin Dr. Barbara Willert gestaltet wird, ist allgemein anerkannt.
Wie viel Ihrer eigenen Handschrift steckt im Museum?
Frau Dr. Willert und ich arbeiten sehr eng zusammen, wir stimmen uns intensiv ab. Ich bin sehr mit dem Herzen dabei und versuche immer noch, mit dem Museum und für das Museum zu leben.
Wächst Ihre Kunstsammlung nach wie vor?
Ich kaufe immer noch Kunstwerke an. Ich begebe mich als Sammlerin natürlich immer wieder auf Entdeckungsreise und besuche Galerien und Künstlerateliers in ganz Europa. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Und uns wird auch Vieles von Künstlerinnen und Künstlern angeboten.
Aber Ihnen kommt kein Werk ins Haus, das nichts mit dem Quadrat zu tun hat?
Kleine Sünden gibt es dann schon mal. (lacht) Natürlich ist die Programmatik wichtig, die prägt unser Haus. Zum Glück gibt es mittlerweile viele Museen, vor allem in Süddeutschland, und da ist es wichtig, ein eigenes Profil zu haben.
Und diese Nische ist Ihnen nie langweilig geworden oder zu beschränkend, immer nach Quadraten Ausschau halten zu müssen?
Nein, im Gegenteil. Man vertieft die Sache immer mehr, wenn man ein bestimmtes Thema für eine Sammlung hat. Wie bei einem Puzzle kann man immer mehr Teile zusammentragen.
Warum ist das Quadrat in der abstrakten Kunst relevant?
Da kann ich den Künstler Hans Peter Reuter zitieren. Er sagte, das Quadrat sei die perfekte Form für die Kunst, weil es eine zurückhaltende Form ist, die alles ermöglicht, was Farbe und Oberflächengestaltung betrifft. Deshalb ist das Quadrat so beliebt.
Gibt es ein Werk, das Ihre Sammlung besonders prägt?
Das ist die Skizze eines Quadrats des Künstlers Kasimir Malewitsch, die ich 1998 erworben habe. Er hat sich explizit von der figürlichen Kunst abgewandt und 1915 das erste Quadrat in der Bildenden Kunst gemalt. Damals ist die abstrakt-geometrische Kunst entstanden, eine ganz neue Kunstrichtung, die bis heute ihren Stellenwert hat. Mir war klar: Wenn ich das Quadrat zum Thema meiner Sammlung mache, dann ist die Skizze von Kasimir Malewitsch ein absolutes Muss.
Wie geht es mit dem Museum Ritter weiter?
Wir bleiben bei unserer Programmatik. Es wird nicht langweilig, weil immer neue Kunstwerke entstehen, neue Ansätze für künstlerische Arbeit. So wird Veränderung von selbst entstehen.
Planen Sie eine Vergrößerung?
Nein.
Was wünschen Sie dem Museum Ritter zum Geburtstag?
Dass es ein lebendiger Ort der Begegnung zwischen Menschen und Kunst bleibt.