20 Jahre Stuttgart 21 Nur die Kritiker erinnern an den Jahrestag

Von  

Vor 20 Jahren präsentierten Bahn, Land, Bund und Stadt die Idee zu Stuttgart 21. Das mittlerweile im Bau befindliche Projekt, ist bis heute umstritten. An den Jahrestag erinnern nur die Kritiker.

Sechs Männer (von links: Ulf Häusler und Heinz Dürr von der Bahn, OB Manfred Rommel, Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann, Ministerpräsident Erwin Teufel, Landesverkehrsminister Hermann Schaufler) feiern am 18. April 1994 die Geburtsstunde von Stuttgart  21. Foto: Michael Steinert
Sechs Männer (von links: Ulf Häusler und Heinz Dürr von der Bahn, OB Manfred Rommel, Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann, Ministerpräsident Erwin Teufel, Landesverkehrsminister Hermann Schaufler) feiern am 18. April 1994 die Geburtsstunde von Stuttgart 21. Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Ganz am Anfang soll ein Flug mit dem Hubschrauber über das Bahngelände gestanden haben, der auch den zunächst zweifelnden OB Manfred Rommel überzeugte. Dann – am 18. April 1994, also vor 20 Jahren – folgte eine Pressekonferenz, in der erstmals offiziell die Rede war von Stuttgart 21 mit der Tieferlegung des Bahnhofs und dem Verkauf der oberirdischen Gleisflächen. Dafür sei kein Superlativ zu groß, sagte Ministerpräsident Erwin Teufel über das Projekt, was sich in einem anderen Sinn bewahrheiten sollte. S 21 wurde zu einem der umstrittensten Großprojekte mit damals wohl nicht für möglich gehaltenen politischen Auswirkungen. Von den großen Chancen schwärmen die Befürworter bis heute, enorme Risiken befürchteten Kritiker schon damals.

Das Treffen wirkt bis heute nach

„Als sich gestern vier euphorische Christdemokraten namens Wissmann, Teufel, Schaufler und Rommel samt dem Chef der Bahn AG, Dürr, der eiligst zusammengetrommelten Presse im Mosersaal des Landtags stellten, war klar, dass hier kein bahntechnisches Kanonenschlägle, sondern eine Bombe gezündet würde“, schrieb der damalige StZ-Lokalchef Martin Hohnecker. Um im Sprachbild zu bleiben: die Bombe sorgt seitdem für Erschütterungen, an die die Herren damals wohl nicht im Traum gedacht hatten – etwa dass auf den Amtssesseln von Teufel, Rommel und dem Landesverkehrsminister Hermann Schaufler 20 Jahre später Politiker der Grünen sitzen würden. Und wer hätte damals mit Massendemonstrationen, Schlichtung und Volksabstimmung gerechnet?

Die Pläne wurden vor 20 Jahren fast durchweg positiv aufgenommen – auch von den Medien. Dabei spielte eine Rolle, dass die Bahn ursprünglich mit der Schnellfahr-trasse an der Innenstadt vorbeifahren wollte. Nun sollte der Bahnhof nach einer Idee des Verkehrswissenschaftlers Gerhard Heimerl unter die Erde verlegt werden, die unterirdischen Gleise mit einem Tunnel zum Halt am Flughafen geführt und an die autobahnnahe Trasse gen Ulm angeschlossen werden – bis heute der Kern von S 21.

Teufel meldete Zweifel an der Finanzierung an

Zu Kosten und Zeitplan machten Dürr, Teufel, Rommel und Co. damals keine Angaben. Von einem Projekt, „dessen Perspektive weit über die Grenzen dieses Jahrhunderts hinausragt“, sprach Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann, später hieß es, dass die Züge ab 2009 unterirdisch fahren. Zwei Milliarden Mark Kosten wurden genannt, wobei Teufel meinte, dass „die Finanzierung unter Umständen Probleme bereiten könnte“. Als offiziellen, aber bezweifelten Fertigstellungstermin nennt die Bahn heute den Dezember 2021, die Kosten sind auf 6,8 Milliarden Euro explodiert – und auch Land und Stadt sind mit im Boot der Finanzierung. Insofern hat jener StZ-Leser Weitblick bewiesen, der damals prophezeite, dass es „das alles für Kommune und Land nicht zum Nulltarif gibt.“

Bahn, Stadt und Land schweigen im übrigen zum Jahrestag. Die Kritiker aber veranstalten vom 25. bis 27. April in Stuttgart eine Konferenz, das Thema ist: „20 Jahre Bahnreform – 20 Jahre Stuttgart 21“.